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Panikattacken und Angst: Was hilft wirklich?

25.10.2026 (aktualisiert am 25.10.2026)
balancio.at
Lesedauer: 19 min
Ratgeber
Psychologie
Mentales
Stress
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Das Herz rast, die Luft wird knapp, und du glaubst, gleich umzufallen: Eine Panikattacke fühlt sich lebensbedrohlich an, gefährlich ist sie aber nicht. Hier erfährst du, was dir in einer Panikattacke hilft, wann du trotzdem sofort die Rettung rufen solltest und ab wann Angst eine Behandlung braucht. Du liest, was bei Lampenfieber und Prüfungsangst hilft, was Leitlinien zur Behandlung empfehlen und wo du in Österreich Unterstützung findest.

Panikattacke: Was dir in dem Moment hilft

In einer Panikattacke hilft es am meisten, ruhig und langsam zu atmen, dir die Beschwerden als Angst bewusst zu machen und nicht aus der Situation zu flüchten. Eine Panikattacke ist ein plötzlicher Anfall großer Angst mit starken körperlichen Beschwerden. Laut Gesundheitsportal erreicht sie nach etwa zehn Minuten ihren Höhepunkt. Danach klingt sie wieder ab.

Typisch sind laut Gesundheitsportal unter anderem:

  • Herzrasen oder Herzstolpern,
  • Atemnot oder das Gefühl zu ersticken,
  • Schmerzen in der Brust,
  • Schwindel, Zittern, Schweißausbrüche oder Hitzewallungen,
  • Übelkeit oder Bauchschmerzen,
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle auf der Haut,
  • das Gefühl, neben sich zu stehen oder dass die Welt nicht echt ist,
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren, „verrückt“ zu werden oder zu sterben.

Dass sich das so heftig anfühlt, hat einen Grund. Angst versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. Laut IQWiG schüttet er dabei das Hormon Adrenalin aus, das Herz schlägt schneller, der Atem wird kurz und flach. Die Leitlinie zu Angststörungen beschreibt das als Vorbereitung auf Kampf oder Flucht. Bei einer Panikattacke springt dieser Alarm an, obwohl keine echte Gefahr da ist.

Panikattacken sind nicht selten. Laut MSD Manual erleben mindestens 11 Prozent der Erwachsenen pro Jahr eine Panikattacke. Die meisten erholen sich ohne Behandlung. Kommen die Attacken immer wieder unerwartet, und lebst du in Sorge vor der nächsten, sprechen Fachleute von einer Panikstörung.

Was dir während einer Attacke helfen kann:

  • Langsam atmen: Atme ruhig und gleichmäßig ein und aus. Langsames, kontrolliertes Atmen lernen Betroffene laut MSD Manual auch in der Therapie.
  • Einordnen: Hat eine Ärztin oder ein Arzt körperliche Ursachen ausgeschlossen, erinnere dich daran: Herzrasen, Schwitzen oder Schwindel führen bei einer Panikattacke nicht zu Ohnmacht oder Herzinfarkt. So empfiehlt es die Patientenleitlinie zu Angststörungen.
  • Weitermachen statt flüchten: Laut Leitlinie kannst du grundsätzlich weiter tun, was du gerade getan hast. Auch eine Treppe hinaufgehen oder mit jemandem reden kann helfen, dich abzulenken.
  • Den Ort danach nicht meiden: Geh wieder an Orte, an denen du eine Attacke hattest. Warum das so wichtig ist, liest du weiter unten.

Viele fürchten nach den ersten Attacken schon die nächste. Diese Angst vor der Angst heißt Erwartungsangst. Laut MSD Manual meiden Betroffene dann oft Situationen, die sie mit früheren Attacken verbinden.

Panikattacke oder Herzinfarkt? Im Zweifel ruf 144

Ob hinter Brustschmerzen und Atemnot eine Panikattacke oder ein Herzinfarkt steckt, kannst du selbst nicht sicher unterscheiden. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt ruf sofort die Rettung unter 144. Viele Anzeichen kommen bei beiden vor, etwa Schmerzen in der Brust, Atemnot, Schweißausbrüche, Schwindel und Todesangst. Laut Rotem Kreuz ist ein Herzinfarkt nicht einfach eindeutig zu erkennen.

Diese plötzlichen Beschwerden deuten laut Gesundheitsportal auf einen Notfall hin:

  • starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die in Hals, Nacken, Kiefer, Schultern, Arme, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen können,
  • Engegefühl in der Brust, als würde jemand auf dem Brustkorb sitzen,
  • kalter Schweiß, Übelkeit oder Erbrechen,
  • Schwindel,
  • Kurzatmigkeit bis Atemnot,
  • Unruhe bis Todesangst, blass-graue Gesichtsfarbe.

Besonders ernst sind Beschwerden, die länger als ein paar Minuten anhalten, in Ruhe „aus dem Nichts“ beginnen oder so stark sind wie noch nie. Bei Frauen zeigt sich ein Herzinfarkt oft anders. Laut Gesundheitsportal beschreiben sie den Schmerz eher als brennend, und Beschwerden treten öfter in Ruhe, im Schlaf oder bei Stress auf. Auch extreme Müdigkeit, Schmerzen im Oberbauch oder zwischen den Schulterblättern können Anzeichen sein. Bei Diabetes, im höheren Alter oder nach einer Herzoperation können laut Gesundheitsportal die typischen Schmerzen fehlen, oft steht dann Atemnot im Vordergrund.

So handelst du richtig: Ruf bereits bei Verdacht die Rettung unter 144. Das Rote Kreuz rät, sich mit aufrechtem Oberkörper hinzusetzen und sich bis zum Eintreffen der Rettung nicht zu bewegen. Fahr also nicht selbst ins Spital und lass dich auch nicht hinfahren. Bist du bei jemand anderem, beruhige die Person und bleib bei ihr.

Du hattest schon Panikattacken? Dann gilt trotzdem: Neue oder ungewöhnliche Beschwerden sollten laut Rotem Kreuz sofort ärztlich abgeklärt werden. Schäm dich nicht, wenn sich in der Notaufnahme eine Panikattacke herausstellt. Laut MSD Manual kommt es vor, dass Betroffene mehrmals eine Arztpraxis oder Notaufnahme aufsuchen, bis die Diagnose feststeht.

Bist du unsicher und es ist kein Notfall, ruf die Gesundheitsberatung unter 1450. Dort bekommst du rund um die Uhr Rat und eine Empfehlung, wo du die passende Betreuung findest. Abends, nachts, am Wochenende und an Feiertagen erreichst du meist den Ärztenotdienst unter 141, die Zeiten sind laut Gesundheitsportal regional unterschiedlich.

Die erste Abklärung kann deine Hausärztin oder dein Hausarzt übernehmen. Laut Gesundheitsportal gehören eine körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung mit Schilddrüsenhormonen und ein EKG dazu. Auch Medikamente, Alkohol oder Drogen werden als Ursache geprüft. Sag deshalb offen, was du nimmst.

Wann aus Angst eine Angststörung wird

Angst wird zur Störung, wenn sie viel stärker ist, als die Lage es erklärt, lange anhält und deinen Alltag einschränkt. Angst an sich ist ein normales Gefühl. Laut Gesundheitsportal schützt sie vor Gefahren und hilft, sie zu vermeiden. Wer im Lift ein mulmiges Gefühl hat oder vor einer Rede nervös ist, hat laut Leitlinie deshalb noch keine behandlungsbedürftige Angststörung.

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Laut der deutschen Leitlinie hat etwa ein Viertel aller Menschen einmal im Leben eine Angststörung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Niemand sucht sich das aus. Menschen mit einer Angststörung stellen sich nicht an und sind keine „Angsthasen“, betont die Leitlinie.

Die häufigsten Formen, kurz erklärt:

  • Panikstörung: Panikattacken kommen immer wieder, oft ohne erkennbaren Anlass.
  • Agoraphobie: Angst vor Situationen, aus denen eine Flucht schwer wäre oder keine Hilfe käme, etwa Menschenmengen, Warteschlangen, Bus oder Lift.
  • Soziale Angststörung: starke Angst, von anderen negativ beurteilt zu werden, etwa beim Reden, Essen oder Telefonieren vor anderen.
  • Generalisierte Angststörung: fast ständige Sorgen und Anspannung über viele Dinge des Alltags.
  • Spezifische Phobie: Angst vor bestimmten Dingen oder Situationen, etwa vor Höhe, Spinnen, Blut, dem Fliegen oder vor Prüfungen.

Mehr zu den einzelnen Formen erklärt das Glossar unter Angststörungen, Panikstörung, Agoraphobie, Soziale Angststörung, Generalisierte Angststörung und Phobie.

Such das Gespräch mit Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen, wenn eine dieser Aussagen auf dich zutrifft. Die Liste stammt aus der Patientenleitlinie zu Angststörungen:

  • Ich denke mehr als den halben Tag über meine Ängste nach.
  • Meine Ängste schränken meine Lebensqualität und Bewegungsfreiheit stark ein.
  • Wegen meiner Ängste werde ich immer niedergeschlagener.
  • Wegen meiner Ängste hatte ich schon Gedanken, mir das Leben zu nehmen.
  • Ich bekämpfe meine Ängste oft mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungstabletten.
  • Meine Partnerschaft oder mein Beruf leidet ernsthaft unter meinen Ängsten.

Angststörungen erhöhen laut Gesundheitsportal das Risiko für eine Depression und für Abhängigkeiten wie Alkoholabhängigkeit. Mehr zur Depression liest du im Ratgeber „Depression: Anzeichen erkennen und Hilfe finden“, beginnt die Angst nach einem schlimmen Erlebnis, hilft der Artikel „PTBS: Wann Hilfe nötig ist und wo du sie findest“ weiter.

Viele Betroffene holen sich lange keine Hilfe. Laut WHO bekommt weltweit nur etwa jede vierte Person mit einer Angststörung eine Behandlung. Manchmal hält gerade die Angst davon ab, oder die Sorge, für „verrückt“ gehalten zu werden. Fachleute kennen das. Laut Gesundheitsportal sind sie mit starken Ängsten vertraut und zeigen Verständnis.

Wenn es nicht warten kann: Angststörungen können laut Gesundheitsportal das Risiko für Suizidgedanken erhöhen. Hast du Gedanken, dir das Leben zu nehmen, oder siehst du keinen Ausweg mehr, bleib nicht allein. Die Telefonseelsorge ist unter 142 rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und vertraulich. Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147, anonym und rund um die Uhr. Hast du konkrete Pläne oder machst du dir Sorgen um deine Sicherheit, ruf die Rettung unter 144.

Lampenfieber und Prüfungsangst: Aufregung gehört dazu

Aufregung vor einer Prüfung oder einem Auftritt ist normal und kann dir sogar Energie geben. Zum Problem wird sie laut Gesundheitsportal erst, wenn sie deine Leistung deutlich beeinträchtigt und du darunter leidest. Prüfungsangst und Lampenfieber zählen zu den Leistungsängsten. Im Kern steht die Angst zu versagen.

Versagensängste · 2:02 Min.Michael Hatz erzählt, wie er als junger Spieler vor großen Spielen Albträume hatte, vor einem Länderspiel plötzlich Panik verspürte und lernte, sich ganz auf seine Aufgabe zu konzentrieren.

Lampenfieber

Lampenfieber kennen die meisten Menschen, etwa vor einem Referat, einer Präsentation in der Arbeit oder einem Auftritt auf der Bühne. Es zeigt sich als starke Aufregung kurz vor oder während des Auftritts. Eine Krankheit mit dem Namen Lampenfieber gibt es nicht. Laut Gesundheitsportal kann es aber so stark werden, dass sich daraus eine Angststörung entwickelt.

Mentaler Druck bei Starmania · 2:48 Min.Gernot Pachernigg erzählt, wie seine Hand bei den ersten Fernsehauftritten vor Lampenfieber zitterte und wie sehr ihm zusetzte, was Fremde in Zeitungen über ihn schrieben.

Diese Schritte empfiehlt das Gesundheitsportal bei Lampenfieber:

  • Gut vorbereiten: Bereite das Referat, die Präsentation oder den Auftritt sehr gründlich vor.
  • Vor anderen üben: Trag es zum Beispiel einer Freundin oder einem Freund vor.
  • Notfallplan machen: Überleg dir vorher, was du tust, wenn ein Missgeschick passiert.
  • Stress abbauen: Lerne, mit Stress umzugehen.
  • Durchatmen: Atme direkt vor dem Auftritt gut durch.

Manche Menschen haben vor allem dann Angst, wenn andere ihnen zusehen, etwa beim Reden in der Öffentlichkeit oder beim Spielen eines Instruments. Laut MSD Manual kann das eine Form der sozialen Angststörung sein. Mit Betablockern lassen sich dabei Herzrasen, Zittern und Schwitzen verringern, die Angst selbst aber nicht. Diese Medikamente gehören in ärztliche Hand.

Junge Frau wartet hinter einem Bühnenvorhang auf ihren Auftritt

Prüfungsangst

Prüfungsangst kann schon beim Lernen beginnen oder erst in der Prüfung selbst. Laut Gesundheitsportal zeigt sie sich neben Angst und Stress vor allem durch drei Dinge: Du machst dir große Sorgen um die Prüfung, bist von den eigentlichen Aufgaben abgelenkt und zweifelst daran, sie zu schaffen. Auch Prüfungsangst ist keine eigene Krankheit, kann sich aber zu einer Phobie vor Prüfungen entwickeln.

Was laut Gesundheitsportal bei Prüfungsangst hilft:

  • Entspannung üben: Lerne eine Entspannungstechnik, etwa die Progressive Muskelentspannung, und übe sie regelmäßig.
  • Lernen planen: Gib deinen Tagen eine Struktur und plane die Lernzeit gut.
  • Gesund leben: Achte auf Bewegung und ausgewogene Ernährung.
  • Ruhig atmen: Atme in stressigen Momenten bewusst ruhig und tief ein und aus.

Das Gesundheitsportal nennt außerdem, die eigene Einstellung zu ändern, etwa mit dem Gedanken „Die Prüfung ist wichtig, aber es gibt auch andere wichtige Dinge im Leben“, und sich Rückhalt bei anderen zu holen.

Hilfe in Schule und Studium

Für Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte gibt es die Schulpsychologie. Ihre Beratung ist freiwillig, kostenlos und vertraulich, Beratungsstellen gibt es in allen Bildungsregionen. Die Hotline der Schulpsychologie unter 0800 211 320 betreibt sie gemeinsam mit Rat auf Draht, sie ist rund um die Uhr erreichbar.

Will ein Kind aus Angst nicht mehr in die Schule, rät das Gesundheitsportal zu einer raschen Abklärung. Zu Hause bleiben verstärkt laut Gesundheitsportal das Vermeiden und damit das Problem. Studierende finden Unterstützung bei der Psychologischen Studierendenberatung des Bundes mit Standorten in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien. Sie bietet psychologische Beratung einzeln oder in der Gruppe.

Ist die Angst sehr stark, wende dich an Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen oder Fachärzt:innen für Psychiatrie. Auch deine Hausärztin oder dein Hausarzt hilft dir, die passende Stelle zu finden. Geht es dir nur um mehr Sicherheit bei Auftritten und kommst du sonst gut zurecht, kann auch eine Beratung passen, etwa Lebens- und Sozialberatung oder Mentaltraining. Lebens- und Sozialberatung zählt laut Gesundheitsportal nicht zu den Gesundheitsberufen und behandelt keine Krankheit. Lebens- und Sozialberater:innen müssen dir bei Anzeichen einer Krankheit laut ihren Standesregeln nachweislich empfehlen, einen Gesundheitsberuf aufzusuchen.

Vermeiden macht die Angst größer: Schritt für Schritt hilft

Wer angstauslösende Situationen meidet, hält die Angst damit aufrecht. Hilfreicher ist es, sich ihnen schrittweise wieder zu stellen. Vermeiden ist verständlich. Laut Leitlinie steht es einem erfüllten Leben aber im Weg. Das Gesundheitsportal zählt Vermeidungsverhalten zu den Faktoren, die eine Angststörung aufrechterhalten.

Vermeiden hat viele Formen. Die Leitlinie nennt Beispiele: Statt des Lifts nimmst du die Treppe, statt im Supermarkt kaufst du im kleinen Geschäft ein, statt mit dem Bus fährst du mit dem Taxi. Solange du ausweichst, kannst du laut Leitlinie nicht die Erfahrung machen, die diese Bewertung korrigiert: dass die Situation ungefährlich ist.

Die wichtigste Regel lautet laut Patientenleitlinie deshalb: nicht vor angstauslösenden Situationen flüchten. Ihr Motto: „Da, wo die Angst ist, da geht’s lang!“ So gehst du dabei vor:

  1. Klein anfangen: Wähle eine Situation, die dir Angst macht, die du dir aber zutraust.
  2. Bleiben: Bleib in der Situation, statt zu flüchten. Je öfter und je länger du dich ihr stellst, desto eher kann die Angst laut Leitlinie abnehmen.
  3. Steigern: Geh erst dann zum nächsten, schwierigeren Schritt. Überfordere dich nicht.
  4. Erfolge sehen: Nimm auch kleine Fortschritte wahr und freu dich darüber.

Bei sozialen Ängsten rät die Leitlinie etwa, zu üben, fremde Menschen anzusprechen, kleine Reden zu halten oder dem Gegenüber in die Augen zu schauen.

Mann steigt am Morgen in eine Straßenbahn ein

In einer Therapie heißt dieses gezielte Üben Exposition. Laut Gesundheitsportal stellst du dich dabei in sicherem Rahmen schrittweise den Situationen, die Angst auslösen. Bei spezifischen Phobien ist das die Behandlung der Wahl. Medikamente empfiehlt die Fachwelt dabei laut Gesundheitsportal nicht. Ist deine Angst sehr stark oder weißt du nicht, wo du anfangen sollst, plane die Schritte gemeinsam mit einer Fachperson.

Die klinisch-psychologische Behandlung · 1:07 Min.Eine Fachperson der Klinischen Psychologie erklärt, wie man in der Behandlung schwierige Situationen anschaut und eine Angst, etwa vor Spinnen oder Blut, Schritt für Schritt angeht.

Psychotherapie und Medikamente: Was Leitlinien empfehlen

Angststörungen lassen sich gut behandeln, vor allem mit Psychotherapie, mit Medikamenten oder mit beidem. Laut Gesundheitsportal können die Beschwerden dadurch nachlassen oder ganz verschwinden. Rückfälle sind aber möglich. Welche Behandlung zu dir passt, hängt laut Leitlinie von der Art der Angststörung, deiner Vorgeschichte und deinen eigenen Wünschen ab.

Psychotherapie

Am besten untersucht ist bei Angststörungen laut WHO die kognitive Verhaltenstherapie. Die deutsche Leitlinie empfiehlt sie bei Panikstörung und Agoraphobie mit dem höchsten Empfehlungsgrad. Hilft sie nicht, ist sie nicht verfügbar oder möchtest du lieber anders arbeiten, sollte laut Leitlinie eine psychodynamische Psychotherapie angeboten werden. In Österreich gehört die Verhaltenstherapie zu den anerkannten psychotherapeutischen Methoden. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Verhaltenstherapie.

In der kognitiven Verhaltenstherapie lernst du, Denkkreisläufe zu erkennen, die Angst verstärken. Das MSD Manual nennt ein Beispiel: Ein kurzes Ziehen in der Brust wird als nahender Herzinfarkt gedeutet, und daraus entsteht Panik. Solche Gedanken überprüfst du in der Therapie und probierst neue Verhaltensweisen aus. Dazu gehört auch, Vermeiden Schritt für Schritt abzubauen.

Ein wichtiger Teil der Behandlung ist laut Gesundheitsportal, viel über die Angst selbst zu lernen, wie sie entsteht und was du tun kannst. Fachleute nennen das Psychoedukation. Wichtig ist eine vertrauensvolle Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeuten. Psychotherapie kann die Beschwerden zeitweise auch verstärken. Sprich das laut Leitlinie unbedingt in der Therapie an.

Medikamente

Als Medikamente kommen vor allem bestimmte Antidepressiva infrage, die Wirkstoffgruppen heißen SSRI und SNRI. So steht es beim Gesundheitsportal, im MSD Manual und in der Leitlinie. Diese Mittel machen laut Leitlinie nicht abhängig. Sie wirken aber oft erst nach Wochen, und in den ersten Tagen können Unruhe und Angst sogar zunehmen. Setz sie deshalb nicht selbst ab, sondern sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Ein plötzliches Absetzen kann laut MSD Manual Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit auslösen.

Medikamente können Panikattacken verhindern oder stark verringern. Gegen die Angst vor der nächsten Attacke und das Vermeiden helfen sie laut MSD Manual ohne Psychotherapie aber nicht. Mehr zu Einnahme und Absetzen erklärt der Artikel „Psychopharmaka einnehmen: Was du wissen solltest“.

Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine wirken rasch, können aber abhängig machen. Die WHO und die deutsche Leitlinie empfehlen sie bei Angststörungen nicht, die britische Leitlinie NICE rät bei Panikstörung davon ab. Das Gesundheitsportal hält sie in begründeten Ausnahmefällen oder in einer Akutsituation für kurzfristig hilfreich, dann nur mit enger ärztlicher Begleitung.

Was nicht oder nur begleitend empfohlen wird

Für alternative Methoden wie Homöopathie oder Naturheilkunde fanden die Fachleute der Leitlinie keinen Nachweis einer Wirkung bei Angststörungen. Lass dich nicht überreden, deshalb auf eine empfohlene Behandlung zu verzichten. Online-Programme und Apps auf Basis der Verhaltenstherapie können laut Leitlinie die Wartezeit überbrücken oder eine Therapie begleiten, ersetzen sie aber nicht.

Wer in Österreich hilft und was die Kasse übernimmt

Erste Anlaufstelle kann deine Hausärztin oder dein Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. So beschreibt es das Gesundheitsportal. Wer was darf und worin sich die Berufe unterscheiden, erklärt der Ratgeber „Wer hilft bei psychischen Problemen?“.

Welche Hilfe passt gerade zu dir?

  • Plötzliche Brustschmerzen, Verdacht auf Herzinfarkt: Ruf die Rettung unter 144.
  • Erste Attacken oder unklare Beschwerden: Lass dich bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt körperlich untersuchen.
  • Die Angst schränkt deinen Alltag seit Längerem ein: Wende dich an Psychotherapeut:innen oder Klinische Psycholog:innen.
  • Die Angst ist sehr stark, du überlegst Medikamente oder hast zusätzlich etwa eine Depression: Geh zu einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie oder in eine psychiatrische Ambulanz. Ist die Erkrankung sehr stark, kann laut Gesundheitsportal auch ein Aufenthalt im Spital oder eine Rehabilitation nötig sein.
  • Ein Kind oder Jugendlicher hat starke Ängste: Erste Anlaufstellen sind die Schulpsychologie, die Kinderärztin oder der Kinderarzt. Weiter helfen Fachleute mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche und die Kinder- und Jugendpsychiatrie.
  • Du willst dich mit anderen Betroffenen austauschen: Such eine Selbsthilfegruppe. Die Leitlinie rät, Betroffene und Angehörige über solche Gruppen zu informieren.

Die Beziehung zur Fachperson zählt. Laut Leitlinie ist ein gutes Verhältnis entscheidend für den Erfolg einer Psychotherapie. Fühlst du dich nicht verstanden, sprich das an. Klärt sich das nicht, such lieber weiter.

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Was die Krankenkasse zahlt

Mit der e-card übernimmt deine Krankenversicherung notwendige Untersuchungen und Behandlungen. Laut Gesundheitsportal kann bei bestimmten Leistungen ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Frag bei deinem Versicherungsträger nach.

  • Ärztliche Abklärung und Medikamente: Hausärzt:innen und Fachärzt:innen mit Kassenvertrag rechnest du mit der e-card ab. Bei Medikamenten fällt in der Regel die Rezeptgebühr an, Befreiungen erklärt der Ratgeber „Was zahlt die Krankenkasse? Therapie und Kosten“.
  • Klinisch-psychologische Behandlung: Die ÖGK übernimmt sie seit 2026 als Sachleistung. Einen Platz vermittelt die bundesweite Servicestelle psyhelp unter 0800 10 02 03, Montag bis Freitag. Laut psyhelp können sich auch Versicherte von SVS und BVAEB dort anmelden, zahlen aber einen Selbstbehalt.
  • Psychotherapie: Wie du einen Kassenplatz oder einen Kostenzuschuss bekommst, erklärt der Artikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.

Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen und Gesundheitspsycholog:innen findest du über die Suche des Sozialministeriums und über die Suchen der Berufsverbände. Links dazu sammelt oesterreich.gv.at auf der Seite „Psychosoziale Gesundheit“. Dort findest du auch die Suche nach Selbsthilfegruppen.

Was du selbst tun kannst und wie gut es belegt ist

Bewegung, wenig Alkohol und Koffein, ein regelmäßiger Tagesablauf und Entspannungsübungen können eine Behandlung unterstützen. Bei einer Angststörung ersetzen sie sie aber nicht. Die Leitlinie hält etwa fest, dass Sport allein gegen eine Angsterkrankung nicht ausreicht.

  • Bewegen: Ausdauersport kann laut Leitlinie ergänzend helfen, auch weil er dem Rückzug entgegenwirkt, der oft mit Angst einhergeht. Laut WHO zählt auch ein kurzer Spaziergang.
  • Alkohol und Nikotin einschränken, keine Drogen: Zu viel Alkohol und Nikotin können eine Angsterkrankung laut Leitlinie ungünstig beeinflussen, das gilt auch für illegale Drogen. Laut WHO können Alkohol und Drogen die Angst verschlimmern. Manche versuchen laut MSD Manual, ihre Angst mit Alkohol „selbst zu behandeln“. Die Leitlinie zählt das zu den Anzeichen, bei denen du das Gespräch mit einer Fachperson suchen solltest.
  • Koffein beobachten: Manche Menschen bekommen laut Leitlinie durch zu viel Kaffee, Tee oder Cola Angstbeschwerden. Probier aus, ob dir weniger guttut.
  • Regelmäßig essen und schlafen: Die WHO rät, so gut es geht bei festen Ess- und Schlafzeiten zu bleiben. Eine spezielle Ernährung gegen Angst gibt es laut Leitlinie nicht.
  • Entspannung und Atem üben: Die WHO nennt langsames Atmen, Progressive Muskelentspannung und Achtsamkeitsmeditation, auch für wenige Minuten am Tag. Wie gut solche Übungen ohne Therapie helfen, ist laut IQWiG nicht gut untersucht. Laut Leitlinie kann Entspannung die Angst manchmal sogar verstärken. Probier deshalb in Ruhe aus, was dir guttut, und besprich es in einer Behandlung.
  • Aktiv bleiben und dich öffnen: Das IQWiG beschreibt für die generalisierte Angststörung, dass es vielen Betroffenen hilft, im Alltag trotz Angst aktiv zu bleiben und sich einer Vertrauensperson zu öffnen.

Zwei Frauen laufen am Morgen einen Weg am Fluss entlang

Kurse in Yoga, Meditation oder Achtsamkeit können dir helfen, Entspannung regelmäßig zu üben. Wie gut Yoga oder Entspannungsübungen allein helfen, ist laut IQWiG aber nicht gut untersucht. Mehr dazu erklären die Glossarbegriffe Entspannungstechniken, Progressive Muskelentspannung und Achtsamkeit.

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Online findest du viele Selbsttests und Programme. Online-Programme auf Basis der Verhaltenstherapie scheinen laut IQWiG bei generalisierter Angststörung zumindest kurzfristig zu helfen. Die deutsche Leitlinie und das IQWiG empfehlen sie nur begleitend zu einer Behandlung oder während der Wartezeit. Hast du wiederkehrende Attacken oder schränkt dich die Angst ein, lass dich zusätzlich fachlich beraten.

Wie du als Angehörige:r unterstützen kannst

Du hilfst am meisten, wenn du Verständnis zeigst, zur fachlichen Hilfe ermutigst und das Vermeiden nicht unterstützt. Eine Angsterkrankung belastet laut Leitlinie auch Familie und Partner:innen. Für Betroffene kosten selbst einfache Dinge manchmal große Überwindung.

Das rät die Patientenleitlinie Angehörigen:

  • Verständnis statt Ratschläge: Vermeide Sätze wie „Nimm dich zusammen“ oder „Stell dich nicht so an“.
  • Zur Hilfe ermutigen: Viele gehen aus Angst, als Versager:in dazustehen, nicht zur Ärztin oder zum Therapeuten. Zeig, dass du solche Vorurteile nicht teilst.
  • Dranbleiben helfen: Unterstütze die Person dabei, Termine wahrzunehmen und verordnete Medikamente regelmäßig zu nehmen.
  • Beim Üben unterstützen: Rät die Therapeutin, sich bestimmten Situationen zu stellen, hilf dabei.
  • Nicht alles abnehmen: Übernimmst du dauerhaft Einkäufe oder Wege, die Angst machen, hilft das auf Dauer nicht. Gut gemeint ist nicht immer gut.

Auch du darfst dir Unterstützung holen. Laut Leitlinie kann für belastete Angehörige eine eigene Angehörigengruppe sinnvoll sein.

Wenn ein Kind Angst hat: Trost, Zuneigung, Lob und Geduld helfen laut Gesundheitsportal. Erinnert euch gemeinsam an Erfolge. Bleibt ein Kind aus Angst der Schule fern, verstärkt das das Vermeiden. Lass die Ängste deshalb rasch abklären, etwa bei der Schulpsychologie. Kinder und Jugendliche können sich selbst jederzeit an Rat auf Draht unter 147 wenden.

Hat jemand neben dir plötzlich Brustschmerzen, und du weißt nicht, ob es eine Panikattacke ist, ruf die Rettung unter 144 und beruhige die Person. Bleib bei ihr, bis die Rettung da ist. Bricht sie zusammen und atmet nicht normal, beginne laut Rotem Kreuz sofort mit der Wiederbelebung. Spricht jemand von Suizidgedanken, nimm das ernst und hilf, die Telefonseelsorge unter 142 anzurufen, bei Kindern und Jugendlichen Rat auf Draht unter 147. Hat die Person konkrete Pläne oder machst du dir Sorgen um ihre Sicherheit, ruf die Rettung unter 144, bei akuter Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133, und bleib möglichst bei ihr, bis Hilfe kommt.

Was jetzt tun?

  • Bei Brustschmerzen oder Verdacht auf Herzinfarkt: Ruf sofort die Rettung unter 144. Fahr nicht selbst ins Spital.
  • In einer Panikattacke: Atme langsam, sag dir, dass es Angst ist, und bleib, wo du bist. Lass die Beschwerden danach bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt abklären.
  • Wenn die Angst deinen Alltag einschränkt: Wende dich an Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen oder Fachärzt:innen für Psychiatrie. Für klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenkosten ruf psyhelp unter 0800 10 02 03 an.
  • Bei Prüfungsangst in Schule oder Studium: Melde dich bei der Schulpsychologie (Hotline 0800 211 320, rund um die Uhr) oder bei der Psychologischen Studierendenberatung.
  • Wenn du unsicher bist, ob es ein Notfall ist: Ruf die Gesundheitsberatung unter 1450 an.
  • In einer Krise oder bei Suizidgedanken: Ruf die Telefonseelsorge unter 142 an, als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147. Bei konkreten Plänen oder Gefahr ruf die Rettung unter 144, bei akuter Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Quellen