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Depression

08:43

Auf den Punkt gebracht

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der gedrückte Stimmung, Verlust von Interesse und Freude sowie verminderter Antrieb über mindestens zwei Wochen anhalten und den Alltag beeinträchtigen. Sie gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Für leichte, mittelgradige und schwere Depressionen gibt es wirksame Behandlungen, vor allem Psychotherapie und Medikamente.

Was ist eine Depression?

Niedergeschlagene und lustlose Phasen kennt jeder Mensch, und meist gehen sie nach einer Weile vorüber. Bei einer Depression ist das anders: Die traurigen Gefühle und negativen Gedanken halten an und überschatten das ganze Denken und Handeln. Eine Depression kann sich anfühlen, als säße man in einem tiefen Loch fest. Arbeit und Alltag fallen schwer, Freundschaften, Familie und Hobbys werden vernachlässigt.

Traurigkeit nach einem belastenden Ereignis, etwa dem Tod eines geliebten Menschen, ist dagegen in der Regel keine Erkrankung. Solche Gefühle dauern meist eher Tage als Wochen und kommen in Wellen, oft verbunden mit Erinnerungen an das Ereignis. Eine Depression ist auch keine Charakterschwäche und nicht die Weigerung, sich besser fühlen zu wollen.

Weltweit hatten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2023 schätzungsweise 5,2 Prozent der Erwachsenen eine Depression. Frauen sind etwa 1,5-mal so häufig betroffen wie Männer.

Woher kommt der Begriff?

Das Wort geht auf das lateinische „depressio“ zurück, „das Niederdrücken“, zum Verb „deprimere“ für „herabdrücken“. Im 19. Jahrhundert wurde „Depression“ im Deutschen auch für Niedergeschlagenheit und gedrückte Stimmung gebräuchlich. Davor sprach die Medizin von Melancholie.

Zwischen etwa 1780 und 1880 wandelte sich dieses Verständnis. In den 1860er- bis 1880er-Jahren sahen Psychiater wie Griesinger und Kraepelin die Melancholie als Störung, die in erster Linie die Stimmung betrifft. Die in Österreich verwendete Diagnoseklassifikation ICD-10 nennt Melancholie und endogene Depression heute als frühere Konzepte, die den schweren wiederkehrenden Depressionen ähneln.

Woran erkennt man eine Depression?

Typisch sind eine gedrückte Stimmung, der Verlust von Interesse und Freude, wenig Antrieb und rasche Ermüdbarkeit. Häufig kommen Konzentrationsprobleme, geringes Selbstvertrauen, Schuldgefühle, ein Gefühl innerer Leere, Schlafprobleme und ein veränderter Appetit hinzu. Manche Menschen sind innerlich unruhig, andere bewegen sich verlangsamt. Auch Gedanken an Suizid können auftreten.

Eine Depression zeigt sich oft auch körperlich, etwa durch Kraftlosigkeit, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Herzrasen oder Schwindel. Bei älteren Menschen sind die Anzeichen häufig weniger eindeutig, zum Beispiel Reizbarkeit, Misstrauen, sozialer Rückzug oder nachlassende geistige Fähigkeiten. Bei schweren Depressionen können Wahnideen oder Halluzinationen hinzukommen.

Fachleute sprechen von einer Depression, wenn mehrere dieser Kennzeichen mindestens zwei Wochen andauern und den Alltag beeinträchtigen. Je nach Zahl und Schwere der Beschwerden unterscheiden sie leichte, mittelgradige und schwere Episoden. Weil etwa eine Schilddrüsenunterfunktion ähnliche Beschwerden verursachen kann, gehört das ärztliche Ausschließen körperlicher Ursachen dazu.

Wie entsteht eine Depression?

Eine eindeutige Erklärung gibt es bisher nicht, Fachleute gehen vom Zusammenwirken mehrerer Faktoren aus. Nach dem sogenannten Vulnerabilitäts-Stress-Modell tritt eine Depression auf, wenn ein erhöhtes Risiko besteht und psychosoziale oder körperliche Auslöser hinzukommen. Das Risiko erhöhen zum Beispiel Depressionen in der Familie, traumatische Erfahrungen, Trennungen und Trauer, Einsamkeit, dauerhafter Stress, Armut und chronische Erkrankungen. Eine Depression kann aber auch ohne erkennbaren Grund auftreten.

Lange vermuteten Fachleute, dass Botenstoffe wie Serotonin bei einer Depression aus dem Gleichgewicht geraten und Antidepressiva dies ausgleichen. Laut dem deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist inzwischen umstritten, ob diese Erklärung stimmt. Die Forschung untersucht weiter, welche Rolle Botenstoffe, Hormone und Veränderungen im Gehirn spielen.

Wie verläuft eine Depression?

Meist verläuft eine Depression in Episoden, also in zeitlich begrenzten Krankheitsphasen. Manche Menschen erleben nur eine einzige Episode. Bei etwa der Hälfte derer, die zum ersten Mal erkranken, kehrt die Depression später zurück. Halten die Beschwerden länger als zwei Jahre an, sprechen Fachleute von einer chronischen Depression. Eine leichtere, aber mindestens zwei Jahre dauernde Form heißt Dysthymie.

Wechseln sich depressive Phasen mit Hochphasen ab, handelt es sich um eine bipolare Störung, die anders behandelt wird. Auch ohne Behandlung kann eine Depression abklingen. Unbehandelt kann sie jedoch länger dauern oder häufiger wiederkehren.

Was hilft bei einer Depression?

Die wichtigsten Behandlungen sind Psychotherapie und Medikamente, meist sogenannte Antidepressiva. Was passt, hängt unter anderem vom Schweregrad ab. Bei einer leichten Depression können ärztliche Gespräche, Aufklärung über die Erkrankung oder psychotherapeutische Beratung ausreichen, Antidepressiva kommen dann nur nach besonders kritischer Abwägung infrage. Bei einer mittelgradigen Depression empfehlen Fachleute Psychotherapie und Medikamente gleichermaßen, bei einer schweren eine Kombination aus beidem.

Antidepressiva wirken meist erst nach etwa zwei Wochen, mit der vollen Wirkung rechnen Fachleute nach drei bis vier Wochen, manchmal dauert es länger. Sie helfen nicht allen Betroffenen gleich gut. Die Dosis sollte nie eigenmächtig verändert werden, und wer die Tabletten von einem Tag auf den anderen absetzt, hat häufiger Beschwerden. Studien deuten laut IQWiG darauf hin, dass Jugendliche unter bestimmten Antidepressiva (SSRI und SSNRI) häufiger an Suizid denken. Deshalb sind am Anfang der Behandlung häufigere Kontrolltermine ratsam. Bei Kindern sollen Antidepressiva laut WHO nicht gegen Depressionen eingesetzt werden, bei Jugendlichen sind sie nicht die erste Wahl.

Bestimmte Johanniskraut-Präparate können leichte bis mittelschwere Depressionen kurzfristig lindern, die Produkte unterscheiden sich aber stark in Dosis und Zusammensetzung. Für schwere Depressionen ist eine Wirkung nicht nachgewiesen. Johanniskraut-Präparate können aber die Wirkung anderer Medikamente verändern, etwa von Mitteln zur Blutverdünnung, und möglicherweise die Zuverlässigkeit der Antibabypille herabsetzen. Unterstützend können Bewegung und Sport, Ergotherapie, ein strukturierter Tagesablauf und Selbsthilfegruppen helfen. Bei Depressionen, die mit den Jahreszeiten zusammenhängen, empfehlen Fachleute mitunter Lichttherapie. Spricht eine Depression auf mehrere Behandlungen nicht an, kommen weitere Verfahren wie die Elektrokonvulsionstherapie oder die repetitive transkranielle Magnetstimulation infrage.

Wer hilft in Österreich?

Anlaufstellen sind Ärzt:innen für Allgemeinmedizin, Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, bei manchen Leistungen fallen Selbstbehalte oder Kostenbeiträge an. Angehörige und Freund:innen sind eine wichtige Stütze, brauchen bei schweren Depressionen aber oft selbst Unterstützung.

Bei einer Depression ist das Risiko für einen Suizid erhöht. Bei Suizidgedanken oder in einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (12)