Bei der Lichttherapie sitzen Betroffene regelmäßig, meist morgens, mit geöffneten Augen vor einer sehr hellen Lampe. Am besten untersucht ist sie bei der saisonal abhängigen Depression, für die die deutsche Depressions-Leitlinie einen Therapieversuch empfiehlt. Der Nutzen ist laut Studien eher klein, Nebenwirkungen sind meist mild, vor dem Start gehört die Lichttherapie aber ins ärztliche Gespräch.
Was ist Lichttherapie?
Lichttherapie ist eine Behandlung mit sehr hellem, weißem Licht, das etwa 100-mal stärker ist als eine herkömmliche Glühbirne und ungefähr dem Tageslicht entspricht. Sie soll den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers und damit den Spiegel von Serotonin und Melatonin beeinflussen. Lichttherapielampen haben einen UV-Filter, damit die Augen keinen Schaden nehmen.
Davon zu unterscheiden ist die UV-Phototherapie der Dermatologie, bei der erkrankte Hautstellen etwa bei Psoriasis oder Neurodermitis gezielt mit ultraviolettem Licht bestrahlt werden. Auch Neugeborene mit stärkerer Gelbsucht werden mit Licht behandelt, hier mit Wellenlängen im blauen Bereich.
Woher kommt die Lichttherapie?
Licht als Behandlung hat eine längere Geschichte. 1903 erhielt Niels Ryberg Finsen den Nobelpreis für Medizin für die Behandlung von Krankheiten mit konzentrierter Lichtstrahlung, besonders von Lupus vulgaris. Die Lichttherapie gegen Depressionen ist jünger. 1984 beschrieb eine Forschungsgruppe um N. E. Rosenthal die saisonal abhängige Depression, erste Versuche zeigten damals Hinweise, dass helles Kunstlicht antidepressiv wirkt.
Wie läuft eine Lichttherapie ab?
Meist sitzen Betroffene in den frühen Morgenstunden 30 Minuten bis zwei Stunden vor der Lampe, über mehrere Tage bis Monate. Empfohlen werden mindestens 2.500 Lux, besser 10.000 Lux. Die Dauer einer Sitzung hängt laut Gesundheitsportal von der Lichtstärke ab. Die Augen bleiben geöffnet und dürfen nicht durch eine Sonnenbrille verdeckt sein.
Die Behandlung lässt sich zu Hause und im Alltag durchführen, etwa mit der Lampe am Frühstückstisch oder beim Lesen. Wichtig ist die regelmäßige Anwendung. Neben Tischlampen gibt es auch Lichtbrillen, Lichtmasken und Leuchtkappen. Für solche am Kopf getragenen Geräte fand das IQWiG keinen Hinweis auf eine Wirkung gegen die Herbst-Winter-Depression.
Wobei wird Lichttherapie eingesetzt?
Am besten belegt ist der Einsatz bei der saisonal abhängigen Depression. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt, hier einen Therapieversuch anzubieten, meist ergänzend zu anderen Behandlungen, bei leichten, rein saisonalen Formen laut Leitlinie auch als erster Versuch allein denkbar. Bei Depressionen ohne saisonales Muster kann sie ebenfalls angeboten werden, die Aussagesicherheit der Studien ist dort aber sehr niedrig. Auch bei depressiven Phasen einer Bipolaren Störung kommt sie zum Einsatz, vor allem wenn diese im Winter wiederkehren.
Den Nutzen schätzen Fachleute vorsichtig ein. Die Leitlinie spricht von kurzzeitigen, kleinen bis mittleren Effekten. Laut IQWiG profitierten von klassischen Lichtlampen nach zwei bis acht Wochen etwa 21 von 100 Behandelten, wie lange die Besserung anhält, ist unklar.
Ist Lichttherapie sicher?
Nebenwirkungen wie Augen- oder Kopfschmerzen sind laut Leitlinie meist kurzzeitig und mild. In den vom IQWiG ausgewerteten Studien traten Nebenwirkungen nicht häufiger auf als bei einer Scheinbehandlung. Eine Übersichtsarbeit von 2017 fand bei körperlich gesunden Menschen ohne Medikamente keinen Hinweis auf Augenschäden. Für Menschen mit Augenerkrankungen oder erhöhter Lichtempfindlichkeit ist die Sicherheit aber zu wenig untersucht. Ein Fallbericht beschreibt eine Schädigung der Netzhautmitte unter einem lichtempfindlich machenden Antidepressivum.
Manche Medikamente können die Lichtempfindlichkeit erhöhen, dazu berät die Ärztin oder der Arzt. Bei Bipolaren Störungen ist zu beachten, dass die Klassifikation ICD-11 Lichttherapie unter den antidepressiven Behandlungen nennt, in deren Verlauf eine Manie oder Hypomanie auftreten kann. Eine Übersichtsarbeit über sieben kleine Studien zu ergänzender Lichttherapie bei bipolarer Depression fand allerdings keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für solche Umschwünge. Vor Beginn gehört die Lichttherapie deshalb ins ärztliche Gespräch, besonders bei Augenerkrankungen, regelmäßiger Medikamenteneinnahme oder einer Bipolaren Störung.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
Ist diese Leistung interessant für dich?
Finde Spezialist:innen, die Lichttherapie explizit als Leistung in ihrem Profil angegeben haben.