balancio

Saisonal abhängige Depression

05:35

Auf den Punkt gebracht

Eine saisonal abhängige Depression kehrt regelmäßig zur gleichen Jahreszeit wieder, meist im Herbst und Winter, und klingt im Frühling wieder ab. Neben den typischen Anzeichen einer Depression sind ein erhöhtes Schlafbedürfnis, Heißhunger auf Kohlenhydrate und Gewichtszunahme häufig. Die deutsche Depressions-Leitlinie empfiehlt, einen Behandlungsversuch mit Lichttherapie anzubieten, auch Antidepressiva und Psychotherapie kommen infrage.

Was ist eine saisonal abhängige Depression?

Viele Menschen fühlen sich im Spätherbst und Winter trauriger und schieben das auf weniger Tageslicht und Kälte. Bei manchen ist diese Traurigkeit so stark, dass sie als Depression gilt. Sie wird auch saisonale affektive Störung (SAD), Herbst-Winter-Depression oder Winterdepression genannt. Es gibt aber auch Menschen, die sich im Sommer depressiver fühlen als im Winter.

In der in Österreich verwendeten Diagnoseklassifikation ICD-10 zählt die saisonale depressive Störung zu den wiederkehrenden depressiven Störungen. Die WHO-Klassifikation ICD-11 beschreibt ein „saisonales Muster“ als Zusatzmerkmal, wenn Krankheitsphasen über Jahre regelmäßig zur gleichen Jahreszeit beginnen und enden. Das kann bei wiederkehrenden Depressionen und bei Bipolaren Störungen vorkommen. Kehrt eine Belastung nur zur gleichen Zeit wieder, etwa saisonale Arbeitslosigkeit, spricht das nicht für ein saisonales Muster.

Im deutschsprachigen Raum entwickeln laut IQWiG jedes Jahr etwa 2 bis 3 von 100 Menschen eine Herbst-Winter-Depression. Bei etwa 8 von 10 Betroffenen kehrt sie im folgenden Winter wieder.

Woher kommt der Begriff?

Im Jahr 1984 beschrieb eine Forschungsgruppe um N. E. Rosenthal 29 Patient:innen mit Depressionen, die jedes Jahr zur gleichen Zeit wiederkehrten, unter dem Namen „Seasonal affective disorder“ (SAD). Die meisten von ihnen hatten eine Bipolare Störung. Erste Versuche mit hellem Kunstlicht deuteten bereits damals auf eine antidepressive Wirkung hin.

Woran erkennt man eine saisonal abhängige Depression?

Betroffene haben die typischen Beschwerden einer Depression, etwa gedrückte Stimmung, fehlenden Antrieb, Interessenverlust und Freudlosigkeit. Häufig kommen eher untypische Anzeichen hinzu, nämlich Heißhunger auf Kohlenhydrate, Gewichtszunahme und ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Meist sind die Episoden leicht bis mittelschwer, beeinträchtigen Privat- und Berufsleben aber trotzdem.

Wie entsteht sie?

Als Ursache vermuten Fachleute vor allem den Mangel an Sonnenlicht in der dunklen Jahreszeit. Wie genau die Erkrankung entsteht, ist aber nicht geklärt. Ob Vitamin D hilft, ist offen, laut einem IQWiG-Bericht von 2020 gab es dazu keine Studien.

Was hilft bei einer saisonal abhängigen Depression?

Bei Depressionen mit saisonalem Muster soll laut der deutschen Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression ein Therapieversuch mit Lichttherapie angeboten werden. Dabei sitzen Betroffene meist morgens mit geöffneten Augen 30 Minuten bis zwei Stunden vor einer sehr hellen Lampe. Empfohlen werden mindestens 2.500 Lux, besser 10.000 Lux. Lichttherapiegeräte haben einen UV-Filter, um die Augen zu schützen.

Die Wirkung ist laut IQWiG wahrscheinlich gering. Dem Bericht zufolge geht es etwa 1 von 5 Behandelten durch Lichtlampen merklich besser, wie lange die Besserung anhält, ist unklar. Für am Kopf getragene Lichtgeräte fand sich kein Hinweis auf eine Wirkung. Nebenwirkungen wie Augen- oder Kopfschmerzen sind laut Leitlinie kurzzeitig und mild.

Auch Antidepressiva und kognitive Verhaltenstherapie kommen infrage. In Vergleichsstudien ging es Betroffenen nach einigen Wochen mit Lichttherapie, dem Antidepressivum Fluoxetin oder kognitiver Verhaltenstherapie etwa gleich gut. Ob sich eine neue Winterdepression mit Lichttherapie oder Psychotherapie vorbeugen lässt, ist kaum untersucht. Für ein bestimmtes Antidepressivum zeigen Studien laut Cochrane einen vorbeugenden Nutzen, drei von vier Behandelten hätten davon aber keinen Vorteil und tragen das Risiko von Nebenwirkungen.

Lichttherapie ist nicht für alle unbedenklich. Die ICD-11 nennt sie unter den antidepressiven Behandlungen, in deren Verlauf eine Manie auftreten kann. Manche Medikamente können außerdem lichtempfindlicher machen. Deshalb gehört die Lichttherapie vorab ins ärztliche Gespräch.

Wer hilft in Österreich?

Anlaufstellen sind Ärzt:innen für Allgemeinmedizin, Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, bei manchen Leistungen fallen Selbstbehalte oder Kostenbeiträge an.

Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 zu rufen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (17)