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Verhaltenstherapie

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Auf den Punkt gebracht

Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Methode, die davon ausgeht, dass Verhaltensweisen erlernt sind und sich deshalb auch wieder verändern lassen. Sie setzt bei konkreten, aktuellen Problemen an und baut auf die aktive Mitarbeit der Klient:innen. In Österreich ist sie eine anerkannte Methode und zugleich eine der vier gesetzlich festgelegten Ausrichtungen der Psychotherapie.

Was ist Verhaltenstherapie?

Verhaltenstherapie ist ein Verfahren, bei dem vor allem die konkrete Lösung von Problemen im Mittelpunkt steht. Ihre Grundannahme lautet, dass Verhaltensweisen erlernt sind und auch wieder verlernt werden können. Durch die Arbeit an belastenden Mustern sollen seelische und soziale Probleme gelindert werden.

Ihren Ursprung hat sie im Behaviorismus, einer Theorie, nach der menschliches Verhalten (englisch behavior) erlernt ist. Heute berücksichtigt ihr Menschenbild auch körperliche Gegebenheiten, das Gefühlserleben und die gedankliche Verarbeitung. Diese Faktoren wirken mit der Umwelt und dem sozialen Umfeld zusammen.

Woher kommt die Verhaltenstherapie?

Die Verhaltenstherapie entstand in den 1940er-Jahren aus der Lerntheorie. Danach sind psychische Probleme gelernt und lassen sich durch die gezielte Anwendung von Lernprinzipien wieder verlernen. Eine einzelne Gründerfigur gibt es nicht.

Zu den frühen Wegbereitern zählen Skinner, Watson und Eysenck. Joseph Wolpe veröffentlichte 1954 erste Ergebnisse mit der systematischen Desensibilisierung, die er in Johannesburg entwickelt hatte. Bei dieser Methode zum Abbau von Angst stellen sich Menschen entspannt und schrittweise angstauslösende Situationen vor.

Als bekannteste Weiterentwicklung gilt die sogenannte kognitive Wende der 1960er-Jahre. Seither spielen Theorien über Denken und Bewertungen eine größere Rolle, ebenso Emotionstheorien, Stressmodelle und Konzepte der Selbststeuerung. Nach 2000 kam etwa die Schematherapie hinzu.

Wie läuft eine Verhaltenstherapie ab?

Eine Verhaltenstherapie verläuft in Phasen und beginnt mit einer genauen Abklärung der Probleme und dem Erarbeiten von Zielen. Danach werden passende Verfahren ausgewählt, etwa die Konfrontation mit angstauslösenden Situationen, das Hinterfragen negativer Gedanken oder das Einüben neuer Verhaltensweisen.

Bei einem Waschzwang kann eine Übung zum Beispiel darin bestehen, etwas als schmutzig Empfundenes anzufassen und danach bewusst nicht sofort die Hände zu waschen. So lässt sich erfahren, dass Angst und Unruhe auch ohne die Zwangshandlung wieder abklingen. Solche Übungen werden therapeutisch begleitet, vor allem am Anfang. Oft gehören Aufgaben zwischen den Sitzungen dazu, etwa ein Tagebuch über Gedanken und Gefühle.

Gearbeitet wird meist im Einzelsetting, Paar-, Familien- und Gruppentherapie sind ebenfalls möglich. Manche Übungen finden direkt in der Lebensumgebung statt, etwa bei Angst- und Zwangsstörungen. Die Dauer liegt meist zwischen 20 und 50 Stunden, bei schweren Problemen auch darüber.

Verhaltenstherapie oder kognitive Verhaltenstherapie?

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) verbindet die Verhaltenstherapie mit der kognitiven Therapie, die belastende Gedanken und Überzeugungen bearbeitet. Sie gilt als eine der verbreitetsten und am besten untersuchten Formen der Psychotherapie. In Österreich heißt die anerkannte Methode schlicht Verhaltenstherapie, das Gesundheitsportal nennt die KVT als Beispiel für diese Ausrichtung. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)“.

Wer bietet Verhaltenstherapie in Österreich an?

Verhaltenstherapie bieten Psychotherapeut:innen an, die in dieser Methode ausgebildet und in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. In der öffentlichen Suche der Liste lässt sich die Methode gezielt auswählen. Berufsangehörige dürfen die erlernte Ausrichtung in Klammern an ihre Berufsbezeichnung anfügen, etwa „Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie)“. Für eine Kostenübernahme oder einen Zuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung.

Wo liegen die Grenzen?

Verhaltenstherapie verlangt viel Eigeninitiative, und gerade bei schweren Depressionen oder Angststörungen kann das viel Kraft kosten. Manchmal werden deshalb zunächst Medikamente eingesetzt, um eine Psychotherapie überhaupt zu ermöglichen. Wer vor allem die tieferen Ursachen eigener Probleme verstehen möchte, ist laut dem deutschen Institut IQWiG in einer Verhaltenstherapie vermutlich nicht gut aufgehoben.

Die direkte Auseinandersetzung mit Ängsten kann anfangs belasten. Das Sozialministerium sieht keine Hinweise auf schädliche Wirkungen korrekt ausgeübter Psychotherapie, laut IQWiG sind unerwünschte Wirkungen aber bisher kaum untersucht. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (10)