Bei einer Angststörung ist Angst so stark, so häufig oder so anhaltend, dass sie den Alltag deutlich einschränkt. Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und zeigen sich in mehreren Formen, etwa als Panikstörung, generalisierte Angststörung, soziale Angststörung oder spezifische Phobie. Es gibt wirksame Behandlungen, vor allem Psychotherapie und bei Bedarf Medikamente.
Was ist eine Angststörung?
Bei einer Angststörung gerät ein an sich normales Gefühl außer Verhältnis. Angst warnt vor Gefahren und hilft, sie zu meiden.
Die Angst tritt dann zu oft, im falschen Moment oder so intensiv und lange auf, dass sie das Leben einschränkt. Viele Betroffene meiden, was ihnen Angst macht.
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO hatten 2023 weltweit rund 470 Millionen Menschen eine Angststörung. Die Beschwerden beginnen oft schon in Kindheit oder Jugend.
Woher kommt der Begriff?
Das Wort „Angst“ ist seit dem 8. Jahrhundert als althochdeutsch „angust“ belegt. Es ist mit „eng“ verwandt und bezeichnete ursprünglich den Zustand der Enge und Beklemmung. Das lateinische „angustiae“ für Enge und Beklemmung geht auf dieselbe Wurzel zurück.
Krankhafte Angst wurde schon in der Antike beschrieben. Cicero (106 bis 43 v. Chr.) bezeichnete Angst als Krankheit, weil ein aufgewühlter Geist einem kranken Körper gleiche.
Später beschrieb Sigmund Freud die „Angstneurose“ als eigenes Krankheitsbild. In psychiatrischen Klassifikationen lief Angst lange unter dem Begriff „Neurose“. Im DSM-III von 1980, einem Diagnosehandbuch der amerikanischen Psychiatrie, gab es dann ein eigenes Kapitel „Angststörungen“. Die frühere Angstneurose wurde dabei in Panikstörung und generalisierte Angststörung geteilt.
Welche Formen gibt es?
Angststörung ist ein Oberbegriff für mehrere Krankheitsbilder. Die Angst kann sich auf bestimmte Situationen richten oder, wie bei der generalisierten Angststörung, auf viele Bereiche des Alltags.
Bei einer Panikstörung kommt es immer wieder zu plötzlichen Panikattacken, die nicht an bestimmte Situationen gebunden sind. Eine Attacke erreicht nach etwa zehn Minuten ihren Höhepunkt und kann mit Herzrasen, Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel oder Todesangst einhergehen. Betroffene fürchten sich zudem vor weiteren Attacken.
Häufig kommt eine Agoraphobie hinzu. Gemieden werden dann Orte wie öffentliche Plätze, an denen Panik ausbrechen könnte oder man sich gefangen und hilflos fühlen würde.
Bei der generalisierten Angststörung kreisen anhaltende, starke Sorgen um den Alltag und die Zukunft. Dazu kommen innere Anspannung, Konzentrationsprobleme, Schlaflosigkeit und Muskelverspannungen. Menschen mit einer sozialen Angststörung haben intensive Angst vor Situationen mit anderen Menschen, in denen sie sich blamieren oder abgelehnt werden könnten.
Spezifische Phobien richten sich auf ganz konkrete Dinge oder Situationen, zum Beispiel Höhe, enge Räume, Spinnen oder Fliegen. Sie sind die häufigste Form. Trennungsangst und selektiver Mutismus beginnen meist in der Kindheit. Beim selektiven Mutismus kann ein Kind in bestimmten Situationen nicht sprechen, obwohl es sonst normal spricht.
Woran erkennt man eine Angststörung?
Eine Angststörung zeigt sich nicht nur seelisch, sondern oft auch am Körper. Häufig sind Herzklopfen oder Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Kurzatmigkeit, Schwindel, Übelkeit und Muskelverspannungen. Dazu können Reizbarkeit, Unruhe sowie Probleme beim Konzentrieren und Schlafen kommen. Typischerweise halten die Beschwerden über längere Zeit an, mindestens mehrere Monate.
Weil solche Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine ärztliche Abklärung dazu. Nach einem Gespräch über die Krankengeschichte folgen eine körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen und ein EKG. So lassen sich etwa Erkrankungen von Herz, Lunge oder Nervensystem ausschließen. Auch Medikamente, Alkohol oder Drogen können Angst auslösen und werden als Ursache geprüft.
Wie entsteht eine Angststörung?
Ein allgemein anerkanntes Modell zur Entstehung gibt es bisher nicht. Fachleute gehen davon aus, dass körperliche, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken. Nach dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell zeigen sich Beschwerden, wenn zu einer Anfälligkeit belastende äußere Umstände hinzukommen.
Zur Anfälligkeit zählt eine familiäre Veranlagung. Sie ist vermutlich teils erblich und teils durch das Zusammenleben mit ängstlichen Menschen erlernt. Als Auslöser gelten etwa traumatische Erfahrungen, akuter Stress, körperliche Erkrankungen oder Alkohol, Drogen und Koffein.
Ein höheres Risiko haben auch Menschen, die Missbrauch oder schwere Verluste erlebt haben. Vermeidungsverhalten und angstfördernde Denkmuster können eine Angststörung aufrechterhalten. Angst kann aber auch auf einer tatsächlichen Gefährdung beruhen, etwa bei psychischer oder körperlicher Gewalt.
Angststörungen erhöhen das Risiko für Depressionen und Abhängigkeitserkrankungen. Manche Betroffene dämpfen ihre Angst selbst mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungsmitteln. Das ist gefährlich und kann einen Kreislauf aus wiederkehrender Angst und erneuter Einnahme auslösen. Auch ein plötzliches Absetzen von Alkohol oder Beruhigungsmitteln kann Angst auslösen.
Was hilft bei Angststörungen?
Behandelt werden Angststörungen meist mit Psychotherapie, Medikamenten oder beidem, je nach Ausprägung auch klinisch-psychologisch. Die Beschwerden können deutlich nachlassen oder ganz verschwinden, Rückfälle sind aber möglich.
In der Psychotherapie haben sich verhaltenstherapeutische Ansätze sehr bewährt. Laut WHO sind Verfahren auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie am besten untersucht. Dazu gehört die Exposition, bei der sich Betroffene in sicherem Rahmen Schritt für Schritt den angstauslösenden Situationen stellen.
Als Medikamente kommen Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) infrage, wobei mögliche Nebenwirkungen zu beachten sind. Bei spezifischen Phobien empfiehlt die Fachwelt keine Medikamente, sondern Exposition.
Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine bergen ein hohes Abhängigkeitsrisiko. Sie machen müde, verlängern die Reaktionszeit und dürfen nicht mit anderen Mitteln kombiniert werden, die benommen machen. Die WHO rät deshalb und wegen ihrer begrenzten Langzeitwirkung grundsätzlich davon ab. Das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs hält sie nur in Ausnahmefällen oder Akutsituationen kurzfristig und unter engmaschiger ärztlicher Begleitung für vertretbar.
Die Behandlung unterstützen können Ausdauertraining, ein geregelter Schlaf- und Essrhythmus, Achtsamkeitsübungen und Selbsthilfegruppen. Alkohol, Drogen, Koffein und negativer Stress können Angst dagegen verstärken.
Wer hilft in Österreich?
Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Auch Kassen- und Spitalsambulanzen für Psychiatrie sind Ansprechstellen. Bei sehr starker Ausprägung kann ein Spitalsaufenthalt oder eine Rehabilitation nötig sein.
Psychotherapie kann ohne ärztliche Überweisung begonnen werden. Für eine Kostenübernahme oder einen Kostenzuschuss der Krankenversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige Störung und eine ärztliche Bestätigung. Im niedergelassenen Bereich werden die Kosten in Vertragseinrichtungen ganz übernommen, sonst gibt es eine teilweise Rückerstattung. Ohne diese Voraussetzungen ist Psychotherapie eine Privatleistung.
Angststörungen können das Suizidrisiko erhöhen. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
Ist diese Leistung interessant für dich?
Finde Spezialist:innen, die Angst- und Panikstörungen explizit als Schwerpunkt in ihrem Profil angegeben haben.