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Generalisierte Angststörung

05:24

Auf den Punkt gebracht

Bei einer generalisierten Angststörung kreisen die Gedanken fast ständig um Sorgen, oft über alltägliche Dinge wie Familie, Gesundheit, Geld oder Arbeit. Die Sorgen lassen sich kaum kontrollieren und gehen mit Anspannung und körperlichen Beschwerden einher. Psychotherapie und bei Bedarf Medikamente können helfen, die Angst wieder zu bewältigen.

Was ist eine generalisierte Angststörung?

Menschen mit einer generalisierten Angststörung (GAS) machen sich nahezu ständig Sorgen, über große wie kleine und sogar belanglose Dinge. In einem Moment fürchten sie etwa, der Partner könnte auf dem Weg zur Arbeit verunglücken, im nächsten, sie könnten den Schlüssel verlieren. Viele sorgen sich sogar darüber, dass sie sich dauernd sorgen.

Anders als bei einer Phobie ist die Angst nicht an bestimmte Dinge oder Situationen gebunden, deshalb heißt sie „generalisiert“. Die meisten wissen, dass ihre Ängste übertrieben sind, können sie aber nicht kontrollieren. Schätzungen zufolge erhalten etwa 5 Prozent aller Menschen im Lauf des Lebens diese Diagnose, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Meist beginnt die Störung im mittleren Erwachsenenalter.

Woran erkennt man eine generalisierte Angststörung?

Zu den Sorgen kommen typischerweise innere Unruhe, Muskelverspannungen, rasche Ermüdung, Reizbarkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen. Hinzu kommen können Herzrasen, Kurzatmigkeit, Zittern, Schwitzen, Schwindel oder Magenbeschwerden. Plötzliche Panikattacken gehören nicht zum Kernbild, können aber dazukommen.

Die WHO-Klassifikation ICD-11 setzt voraus, dass die Beschwerden mindestens mehrere Monate an den meisten Tagen bestehen, andere Diagnosekriterien verlangen sechs Monate. Weil Herzrasen und ähnliche Beschwerden auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion oder durch Medikamente und Drogen entstehen können, gehört eine körperliche Abklärung dazu. Häufig besteht zugleich eine Depression.

Woher kommt der Begriff?

Als eigene Diagnose gibt es die generalisierte Angststörung seit 1980. Damals teilte das DSM-III, ein Diagnosehandbuch der amerikanischen Psychiatrie, die frühere „Angstneurose“ in Panikstörung und generalisierte Angststörung. Ähnliche Bilder beschrieb aber schon im 18. Jahrhundert der französische Mediziner Boissier de Sauvages.

Wie entsteht eine generalisierte Angststörung?

Die Ursachen sind noch nicht ganz geklärt, vermutlich wirken körperliche und psychische Faktoren zusammen. Manche Betroffene haben schwere Verluste, Traumata oder lang anhaltende Belastungen erlebt, etwa starken familiären Stress. In manchen Familien kommen Angststörungen häufiger vor, manchmal tritt die Störung aber ohne erkennbaren Grund auf.

Was hilft bei einer generalisierten Angststörung?

Unter den Psychotherapien ist laut dem deutschen Institut IQWiG die kognitive Verhaltenstherapie am besten untersucht und am wirksamsten. Betroffene lernen, unrealistische Sorgen zu erkennen und zu hinterfragen, Wahrscheinlichkeiten realistisch einzuschätzen und mit Unsicherheit umzugehen. Zugleich stellen sie sich schrittweise der Angst.

Als Medikamente kommen vor allem Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI infrage. Ihre angstlösende Wirkung setzt meist erst nach 2 bis 6 Wochen ein, und sie helfen nicht allen. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schlaflosigkeit und sexuelle Probleme. Zu Beginn kann die Angst vorübergehend zunehmen. Bei Menschen unter 30 Jahren ist laut NICE in seltenen Fällen das Risiko für Suizidgedanken erhöht, deshalb ist anfangs eine enge ärztliche Begleitung wichtig. Nach einer Besserung empfehlen Fachleute, sie noch mindestens 6 bis 12 Monate einzunehmen und dann langsam zu verringern, weil die Beschwerden sonst zurückkehren können.

Benzodiazepine wirken rasch, können aber schon nach wenigen Wochen abhängig machen. Empfohlen werden sie deshalb nicht, höchstens kurzfristig in Krisen. Pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian oder Lavendel sind kaum gut erforscht. Auch sie können Nebenwirkungen haben und die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen.

Eine ausgeprägte generalisierte Angststörung kann hartnäckig sein und Monate bis Jahre dauern. Langfristig schaffen es jedoch viele, ihre Ängste zu überwinden.

Wer hilft in Österreich?

Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen sowie Kassen- und Spitalsambulanzen für Psychiatrie.

Angststörungen können das Suizidrisiko erhöhen, vor allem gemeinsam mit einer Depression. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)