Was ist Insomnie?
Bei einer Insomnie schläft jemand nur schwer ein, liegt nachts lange wach oder wacht viel zu früh auf. Typisch ist, dass das trotz ausreichender Zeit und passender Umstände für den Schlaf geschieht. Das Wort stammt vom lateinischen „insomnia“, abgeleitet von „insomnis“ für „schlaflos“.
Zur Insomnie gehört außerdem, dass der Tag darunter leidet. Die Weltgesundheitsorganisation nennt in ihrer Klassifikation ICD-11 Müdigkeit, gedrückte Stimmung oder Reizbarkeit, allgemeines Unwohlsein und Probleme mit Konzentration und Denken. Wer schlecht schläft, sich tagsüber aber nicht beeinträchtigt fühlt, hat nach dieser Definition keine Insomnie.
Die ICD-11 unterscheidet eine kurzzeitige Insomnie, die weniger als drei Monate dauert, von der chronischen Insomnie. Diese besteht mindestens drei Monate lang mehrmals pro Woche. Eine Insomnie kann eine eigenständige Erkrankung sein oder zusammen mit anderen Erkrankungen auftreten.
Warum hält Schlaflosigkeit oft an?
Schlaflosigkeit kann sich selbst verstärken, weil Gedanken und Gewohnheiten den Schlaf zusätzlich stören. Viele Betroffene sorgen sich gerade nachts darüber, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen. Wer überzeugt ist, ohnehin wieder um drei Uhr früh wach zu liegen, kann damit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung auslösen. Auch langes Ausschlafen oder ein Mittagsschlaf, um Versäumtes nachzuholen, erschweren das Einschlafen in der folgenden Nacht.
Ausgelöst wird eine Insomnie oft durch Stress, einschneidende Erlebnisse oder Erkrankungen. Auch Medikamente, Alkohol und andere Schlafstörungen kommen infrage, manchmal findet sich keine Ursache.
Was hilft bei Insomnie?
Bei einer ausgeprägten Insomnie empfehlen Fachleute in erster Linie eine kognitive Verhaltenstherapie. Sie setzt bei den Denkmustern an, die vom Schlaf abhalten. Ein Gedanke wie „Wenn ich jetzt nicht einschlafe, überstehe ich den morgigen Tag nicht“ wird dabei durch eine gelassenere Sicht ersetzt. Kombiniert wird das mit Entspannungsverfahren, besseren Schlafgewohnheiten und einem Schlaftagebuch.
Zwei Bausteine wirken auf den ersten Blick ungewohnt. Bei der Reizkontrolle dient das Bett vor allem zum Schlafen, damit der Körper es wieder mit Schlaf verbindet. Bei der Begrenzung der Bettzeit verbringen Betroffene nur so lange im Bett, wie sie tatsächlich schlafen. Studien deuten darauf hin, dass Menschen nach einer solchen Therapie etwas schneller einschlafen, etwas länger schlafen und nachts seltener aufwachen.
Die Therapie umfasst meist einige Sitzungen über mehrere Wochen und ist einzeln, in Gruppen, per Telefon oder online möglich. Laut MSD Manual hält ihre Wirkung lange nach dem Ende an.
Schlafmittel beseitigen die Ursache einer Insomnie nicht und gehören in ärztliche Hand. Benzodiazepine und sogenannte Z-Substanzen sollen höchstens vier Wochen eingenommen werden, weil sich der Körper schon nach etwa zwei Wochen daran gewöhnen kann. Sie können am nächsten Tag die Fahrtüchtigkeit mindern und bei älteren Menschen Stürze begünstigen. Zusammen mit Alkohol oder Opioiden sind Schlafmittel besonders gefährlich, weil sie die Atmung dämpfen können. Nach längerer Einnahme sollte die Dosis nur langsam und in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt verringert werden. Alkohol selbst eignet sich nicht als Schlafmittel, denn er macht den Schlaf unruhiger.
Wer hilft in Österreich?
Wer über Wochen schlecht schläft und sich tagsüber beeinträchtigt fühlt, sollte das ärztlich abklären lassen. Erste Anlaufstelle ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt, die bei Bedarf Fachärzt:innen, Schlafmediziner:innen oder Psychotherapeut:innen beiziehen. Die Kosten übernimmt normalerweise die Sozialversicherung, für Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeut:innen kann ein Kostenzuschuss beantragt werden.