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Benzodiazepine

05:12

Auf den Punkt gebracht

Benzodiazepine sind rezeptpflichtige Beruhigungs- und Schlafmittel, die angstlösend, entspannend und krampflösend wirken. Sie zählen zu den Anxiolytika, den angstlösenden Medikamenten. Weil sie schon nach wenigen Wochen abhängig machen können, sollen sie nur kurz eingesetzt und nach längerer Einnahme schrittweise mit ärztlicher Hilfe abgesetzt werden.

Was sind Benzodiazepine?

Benzodiazepine sind eine große Gruppe von Medikamenten, die auf die Psyche wirken. Sie beeinflussen bestimmte Andockstellen im Gehirn, die GABA-Rezeptoren, und hemmen so die Erregung von Nerven. Chemisch bestehen sie aus einem Benzolring, der mit einem Diazepin-Ring verbunden ist. Ihre Wirkung hält je nach Wirkstoff einige Stunden bis einige Tage an. Oft werden sie ungenau auch Tranquilizer genannt, nach dem englischen „tranquillize“ für beruhigen.

Was haben Benzodiazepine mit Anxiolytika zu tun?

„Anxiolytika“, auf Deutsch Angstlöser, ist der Oberbegriff für Medikamente, die Angst und Anspannung lindern. Benzodiazepine galten lange als die typische Gruppe zur Behandlung von Angststörungen. Bei Angststörungen verschreiben Ärzt:innen heute unter anderem Medikamente, die auch gegen Depressionen eingesetzt werden. Benzodiazepine sollen dort nur in begründeten Ausnahmefällen oder in einer akuten Situation kurzfristig und eng ärztlich begleitet zum Einsatz kommen.

Woher kommen Benzodiazepine?

Das erste Benzodiazepin, Chlordiazepoxid, wurde 1958 patentiert und kam 1960 in die Behandlung. Seine Entdeckung war laut einer Übersichtsarbeit von Zufällen und Irrwegen geprägt. Benzodiazepine wurden danach zu den weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Ihre Andockstelle im Gehirn wurde 1977 entdeckt.

Wofür werden Benzodiazepine eingesetzt?

Verordnet werden sie kurzfristig bei Erregungs- und Angstzuständen, etwa bei Panikattacken, und zeitlich begrenzt bei Schlafstörungen oder Muskelverspannungen. Auch zur Einleitung einer Narkose und bei Krampfanfällen kommen sie zum Einsatz, dort können sie unumgänglich sein. Bei Schlafstörungen helfen sie für kurze Zeit, beseitigen aber nicht die Ursache. Fachleute empfehlen bei Schlafstörungen in erster Linie die kognitive Verhaltenstherapie.

Wie schnell machen Benzodiazepine abhängig?

Eine Abhängigkeit kann schon nach wenigen Wochen entstehen und bleibt oft unbemerkt. Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) empfiehlt deshalb, Benzodiazepine nicht länger als vier Wochen einzunehmen, die Phase des Ausschleichens eingerechnet. Abhängig machen können sie auch in niedriger, ärztlich verordneter Dosis, vor allem bei Einnahme über Monate oder Jahre. Zudem gewöhnt sich der Körper an den Wirkstoff, sodass manche Menschen die Dosis immer weiter steigern.

Was ist beim Absetzen zu beachten?

Nach längerer Einnahme sollen Benzodiazepine nie plötzlich abgesetzt werden. Sonst drohen Schlafstörungen, Unruhe, Angst und Kopfschmerzen, im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Entzugsanfälle oder ein Entzugsdelir. Auch Panikattacken und Suizidimpulse kommen vor. Weil die Entzugsbeschwerden den ursprünglichen Beschwerden ähneln, werden sie leicht als Verschlechterung der Grunderkrankung missverstanden. Deshalb wird die Dosis mit ärztlicher Begleitung über Wochen oder Monate verringert.

Psychologische Unterstützung hilft laut Studien mehr Menschen, von Benzodiazepinen loszukommen, am erfolgreichsten ist dabei offenbar die kognitive Verhaltenstherapie. Erste Anlaufstelle ist die Arztpraxis, wer den Konsum nicht mehr im Griff hat, kann sich auch an eine Suchtberatungsstelle wenden. Eine Abhängigkeit von hohen Dosen wird meist stationär behandelt.

Welche Gefahren gibt es im Alltag?

Benzodiazepine können noch am nächsten Tag Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsvermögen deutlich verringern. Das schränkt die Fahrtüchtigkeit ein und macht das Bedienen von Maschinen gefährlich. Arzneimittel mit dieser Wirkung tragen in Österreich einen Warnhinweis zur Verkehrstüchtigkeit. Weil sie die Muskeln entspannen, erhöhen sie bei älteren Menschen außerdem das Sturzrisiko.

Zusammen mit Alkohol, Opioiden oder anderen dämpfenden Mitteln kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen bis zum Atemstillstand kommen. Bei Verdacht auf eine Überdosis berät die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43, bei schweren Anzeichen wie Bewusstlosigkeit ist die Rettung unter 144 zu rufen. Bei Kindern können schon kleine Mengen Beschwerden auslösen, sie sollen nach einer Einnahme immer in einer Kinderklinik überwacht werden. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (13)