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Sucht

08:11

Auf den Punkt gebracht

Sucht, in der Fachsprache meist Abhängigkeit genannt, ist eine Krankheit, bei der ein Mensch die Kontrolle über den Konsum einer Substanz oder über ein bestimmtes Verhalten verliert. Das Verlangen bestimmt zunehmend den Alltag, auch wenn schon Schäden entstanden sind. Sucht ist behandelbar, und in Österreich helfen Suchtberatungsstellen Betroffenen wie Angehörigen weiter.

Was ist Sucht?

Bei einer Sucht prägt ein starkes, oft ständiges Verlangen nach einer Substanz oder einer bestimmten Handlung den Alltag. Das Leben richtet sich danach aus, andere Bedürfnisse treten zurück. Typisch ist der Kontrollverlust, sodass Betroffene meist mehr konsumieren, als sie sich vorgenommen haben.

Der Weg in die Abhängigkeit verläuft oft unbemerkt, vom kontrollierten zum unkontrollierten Konsum. Viele Betroffene nehmen die Entwicklung selbst kaum wahr oder verdrängen das Problem, und auch Angehörige bemerken sie oft erst spät. Das österreichische Sozialministerium betont, dass Sucht keine moralische Verfehlung ist, sondern eine Krankheit.

Woher kommt das Wort?

Das Wort „Sucht“ hat mit „suchen“ nichts zu tun. Es geht auf das althochdeutsche „suht“ für Krankheit zurück und ist mit „siech“ verwandt. Diese alte Bedeutung lebt in Wörtern wie Gelbsucht oder Schwindsucht weiter.

Vermutlich unter dem Einfluss des ähnlich klingenden „suchen“ bekam das Wort später die Bedeutung „intensives Verlangen“. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitete es sich als Bezeichnung für die krankhafte Abhängigkeit von Rauschmitteln. In Medizin und Klassifikationen ist heute meist von Abhängigkeit die Rede.

Welche Formen gibt es?

Unterschieden werden Abhängigkeiten von Substanzen und von Verhaltensweisen. Zu den Substanzen zählen legale wie Alkohol, Nikotin und bestimmte Medikamente, etwa Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine, ebenso illegale wie Cannabis, Heroin oder Kokain. Auch bei ärztlich verordneten, niedrigen Dosen von Benzodiazepinen kann sich bei langer Einnahme eine Abhängigkeit entwickeln.

Bei den Verhaltenssüchten erkennt die Weltgesundheitsorganisation WHO nur wenige Formen als eigene Diagnose an. Die Klassifikation ICD-11 nennt als Störungen durch Suchtverhalten (englisch disorders due to addictive behaviours) die Glücksspielstörung (gambling disorder) und die Computerspielstörung (gaming disorder). Eine offizielle deutsche Fassung der ICD-11 war laut Sozialministerium 2025 noch in Arbeit, die deutschen Bezeichnungen sind daher sinngemäß. Für andere Formen wie Kaufsucht oder Internetsucht gibt es keine eigene Diagnose. Fachleute ordnen die Kaufsucht derzeit als Störung der Impulskontrolle ein.

Auch das oft „Sexsucht“ genannte Verhalten steht in der ICD-11 nicht bei den Süchten, sondern als zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung (compulsive sexual behaviour disorder) bei den Impulskontrollstörungen. Essstörungen bilden in der ICD-11 eine eigene Gruppe und zählen dort nicht zu den Suchterkrankungen, auch wenn umgangssprachlich von „Esssucht“ die Rede ist. Mehr dazu im Glossarbegriff „Essstörungen“.

Woran erkennt man eine Abhängigkeit?

Eine Abhängigkeit von einer Substanz liegt nach der bisher gebräuchlichen Einteilung vor, wenn innerhalb eines Jahres mindestens drei von sechs Merkmalen auftreten. Dazu gehören ein starkes Verlangen (Craving), der Verlust der Kontrolle über Beginn, Ende oder Menge des Konsums und Entzugserscheinungen beim Weglassen. Weitere Merkmale sind eine steigende Verträglichkeit (Toleranz), das Vernachlässigen anderer Interessen und weiterer Konsum trotz eindeutiger Schäden.

Die ICD-11 beschreibt Abhängigkeit, etwa von Alkohol, ähnlich als Störung der Steuerung des Konsums. Der Konsum bekommt Vorrang vor anderen Tätigkeiten und geht trotz negativer Folgen weiter. Bei Glücksspiel und Computerspielen gelten dieselben Kernmerkmale, also Kontrollverlust, wachsender Vorrang und Weitermachen trotz Folgen, meist über mindestens zwölf Monate. Die Diagnose stellen Ärzt:innen. Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen können daran mitwirken.

Wie entsteht eine Sucht?

Eine typische Suchtpersönlichkeit gibt es nicht, vielmehr wirken mehrere Faktoren zusammen. Eine Rolle spielen die Substanz selbst mit ihrer Wirkung, ihrem Abhängigkeitspotenzial und ihrer Verfügbarkeit, die Person mit ihrer Veranlagung und Lebensgeschichte sowie das soziale Umfeld. Viele Drogen steigern die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin und aktivieren so das Belohnungssystem im Gehirn.

Kinder suchtkranker Eltern haben ein deutlich höheres Risiko, selbst eine Abhängigkeit zu entwickeln. Auch belastende Verhältnisse in Familie, Schule oder Arbeit und fehlender sozialer Rückhalt können beitragen. Wer Risikofaktoren hat, wird aber nicht automatisch abhängig. Als schützend gelten etwa ein gesundes Selbstwertgefühl, gute Fähigkeiten im Umgang mit Belastungen und eine erfüllende Freizeit.

Was hilft bei Sucht?

Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen. Der erste Schritt ist meist, sich das Problem einzugestehen, denn allein schaffen es die meisten Betroffenen nicht. Ziel ist oft die Abstinenz, also der völlige Verzicht. Bei Alkohol kann das Ziel auch sein, weniger zu trinken, wenn Verzicht nicht vorstellbar ist.

Die Behandlung verläuft meist in Schritten. Zuerst steht der körperliche Entzug, danach die Entwöhnung, in der Betroffene mit Psychotherapie, Gruppen- und Einzelgesprächen ein Leben ohne die Substanz lernen. Begleitende Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen werden mitbehandelt, und Nachbetreuung sowie Selbsthilfegruppen helfen, Rückfällen vorzubeugen. Bei einer Abhängigkeit von Heroin kann eine ärztlich verordnete Substitutionstherapie, auch Drogenersatztherapie, Teil der Behandlung sein.

Nach einem Entzug ist bei erneutem Konsum die Gefahr einer Überdosierung besonders groß, eine Überdosierung ist ein Notfall für die Rettung unter 144.

Ein Entzug braucht ärztliche Begleitung. Wer von Alkohol abhängig ist und plötzlich aufhört, riskiert Krampfanfälle bis hin zu einem lebensgefährlichen Delirium tremens. Ein unkontrolliertes Absetzen von Benzodiazepinen birgt ähnliche Gefahren. Deshalb gehört ein solcher Entzug in ärztliche Begleitung, oft im Krankenhaus.

Eine Sucht belastet auch Angehörige stark. Manche verhalten sich ungewollt so, dass sie die Sucht fördern, was Fachleute Co-Abhängigkeit nennen. Der Begriff soll keine Schuld zuweisen. Angehörige können sich selbst kostenlos und anonym in Suchtberatungsstellen beraten lassen.

Wer hilft in Österreich?

Eine erste Anlaufstelle sind Suchtberatungsstellen oder die Hausärztin bzw. der Hausarzt. Der Österreichische Suchthilfekompass bietet eine bundesweite Suche nach Beratungs- und Behandlungseinrichtungen. Bei der Rauchentwöhnung berät das Rauchfrei Telefon kostenlos unter 0800 810 013. Für die Vorbeugung gibt es in den Bundesländern Fachstellen für Suchtprävention.

Bei Verdacht auf eine Vergiftung mit Alkohol oder Drogen hilft die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43 weiter. Bei schweren Beschwerden ist sofort die Rettung unter 144 zu rufen. In einer seelischen Krise erreicht man die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche Rat auf Draht unter 147.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (16)