Was ist Co-Abhängigkeit?
Co-Abhängigkeit meint Verhalten von Angehörigen, das eine Sucht ungewollt aufrechterhält oder verstärkt. Wenn ein nahestehender Mensch suchtkrank ist, kreist das Leben vieler Angehöriger um dieses Problem. Viele erleben Gefühle von Entsetzen und Wut bis zu Hilflosigkeit und fühlen sich oft schuldig. Manche verhalten sich dabei so, dass die Sucht bestehen bleibt oder sich verstärkt.
Das geschieht meist ungewollt und unbewusst, oft als Versuch, mit einer belastenden Lage zurechtzukommen. Der Einfluss von Angehörigen ist dabei begrenzt, denn das Verhalten eines anderen Menschen lässt sich nicht zur Gänze kontrollieren. Nicht jede Person im Umfeld eines suchtkranken Menschen ist co-abhängig.
Woher kommt der Begriff?
Ursprünglich bezog sich der Begriff auf Angehörige von Menschen mit Alkoholabhängigkeit. Später weiteten manche Fachleute ihn auf alle Süchte, auf andere Erkrankungen und fast das ganze soziale Umfeld aus. Eine einheitliche Definition gibt es bis heute nicht.
Eine Arbeit von Cermak aus dem Jahr 1986 schlug vor, Co-Abhängigkeit als eigene Diagnose anzuerkennen. Das förderte die Sicht als persönliche Störung. Feministische Kritik wandte ein, dass so Fürsorge zur Krankheit erklärt werde und vor allem Frauen betroffen seien. Der Wiener Suchtforscher Alfred Uhl kritisiert zudem, dass der Begriff Angehörigen eher die Rolle von Mitschuldigen als von Leidtragenden zuschreibt. Positiv sieht er, dass der Blick auf das ganze Beziehungsgefüge gelenkt wird.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 hält fest, dass es weiterhin keine formalen Diagnosekriterien gibt. Co-Abhängigkeit hing in den ausgewerteten Studien durchwegs mit seelischer Belastung zusammen. Die Autor:innen empfehlen, sie als ungünstiges Bewältigungsmuster in Beziehungen zu verstehen und nicht als Diagnose.
Welches Verhalten kann eine Sucht fördern?
Das Gesundheitsportal nennt mehrere Beispiele. Dazu gehört, das Suchtproblem zu verdrängen oder zu verharmlosen und das Suchtmittel zu besorgen oder Geld dafür zuzustecken. Ebenso zählen dazu, Pflichten und Verantwortung für die betroffene Person zu übernehmen sowie ihren Konsum zu entschuldigen oder zu verheimlichen.
Solches Verhalten erspart suchtkranken Menschen, sich mit den Folgen ihrer Sucht auseinanderzusetzen. Oft steckt dahinter der verständliche Wunsch zu helfen oder die betroffene Person zu schützen.
Was hilft Angehörigen?
Ein erster Schritt ist, sich einzugestehen, dass man allein nicht weiterweiß. Hilfreich ist, auf die eigene Gesundheit zu achten, ein eigenständiges Leben mit eigenen Kontakten zu führen und Grenzen zu setzen. Eine Partnerin oder ein Partner kann nicht die Rolle einer Therapeutin oder eines Therapeuten übernehmen. Angehörige sind auch nicht für die Entscheidungen der suchtkranken Person verantwortlich.
Angehörige können das Problem in Ruhe ansprechen, Anlaufstellen nennen und Unterstützung anbieten, müssen aber mit Widerstand rechnen. Ob jemand Hilfe annimmt, entscheidet die betroffene Person selbst. Auch Kinder suchtkranker Eltern brauchen rechtzeitig Unterstützung.
Wo finden Angehörige Rat in Österreich?
Angehörige können sich in Suchtberatungsstellen kostenlos und anonym beraten lassen, auch wenn die betroffene Person selbst keine Hilfe möchte. Adressen finden sich im Österreichischen Suchthilfekompass. Die Dachverbände der Selbsthilfegruppen in den Bundesländern nennen Gruppen in der Nähe. In einer seelischen Krise erreicht man die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142.