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Alkoholabhängigkeit

08:00

Auf den Punkt gebracht

Alkoholabhängigkeit, auch Alkoholsucht oder Alkoholismus genannt, ist eine Krankheit, bei der ein Mensch die Kontrolle über das Trinken verliert. Typisch sind ein starkes Verlangen nach Alkohol, eine wachsende Gewöhnung und Entzugserscheinungen, wenn der Alkohol fehlt. Die Krankheit ist behandelbar, ein Entzug gehört wegen möglicher lebensgefährlicher Komplikationen in ärztliche Begleitung.

Was ist Alkoholabhängigkeit?

Eine Alkoholabhängigkeit ist keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit, die behandelt werden kann. Sie entwickelt sich meist schleichend über Jahre. Oft wird Alkohol zunächst getrunken, um zu entspannen oder Stress besser zu bewältigen. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an die Wirkung, und es braucht immer mehr, um sich gut zu fühlen.

Das Trinkverhalten kann dabei sehr verschieden aussehen. Manche Betroffene trinken jeden Tag, um Entzugserscheinungen zu vermeiden, ohne je merkbar betrunken zu sein. Fachleute sprechen von Spiegeltrinken. Andere kommen wochen- oder monatelang ohne Alkohol aus, können nach dem ersten Glas aber nicht mehr aufhören und trinken dann tagelang große Mengen. Dafür ist der Ausdruck Quartalstrinken üblich.

Laut dem Handbuch Alkohol – Österreich, das das Sozialministerium veröffentlicht, sind in Österreich etwa fünf Prozent der Menschen ab 15 Jahren alkoholkrank. Das sind rund 378.000 Personen. Männer sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Frauen.

Woher kommt das Wort?

Das Wort Alkohol hat einen arabischen Ursprung. Arabisch kuḥl bezeichnete ein fein pulverisiertes Färbemittel, aber auch Stoffe, die durch Destillation gewonnen wurden. Über das Spanische gelangte das Wort zu den Alchimisten. Paracelsus sprach 1526/27 von „alcohol vini“, der Essenz des Weines, woraus die heutige Bedeutung entstand. Das Wort Alkoholismus für die Abhängigkeit ist seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts belegt.

Woran erkennt man eine Alkoholabhängigkeit?

Ärzt:innen stellen die Diagnose, wenn mindestens drei von sechs Kriterien zutreffen. Dazu gehören ein starkes Verlangen nach Alkohol und der Verlust der Kontrolle darüber, wann und wie viel getrunken wird. Weitere Kriterien sind Entzugserscheinungen wie Zittern, Übelkeit oder Angst sowie eine Toleranz, bei der für dieselbe Wirkung immer mehr Alkohol nötig ist. Hinzu kommen vernachlässigte Interessen und Kontakte sowie Weitertrinken trotz Schäden für Gesundheit, Arbeit oder Familie.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt Alkoholabhängigkeit in ihrer Klassifikation ICD-11 ähnlich, als Störung in der Steuerung des Trinkens (englisch disorder of regulation of alcohol use). Die ICD-11 liegt im Original englisch vor, die deutsche Wiedergabe ist sinngemäß. Die Merkmale zeigen sich meist über mindestens zwölf Monate. Bei täglichem oder fast täglichem Trinken kann die Diagnose schon nach drei Monaten gestellt werden. Zur Abklärung gehören ein ausführliches Gespräch sowie Untersuchungen von Körper und Blut, mit denen sich auch Organschäden erkennen lassen.

Selbsttests und ein Trinktagebuch helfen, das eigene Trinkverhalten einzuschätzen. Eine ärztliche Diagnose ersetzen sie nicht. Oft wird die Abhängigkeit erst erkannt, wenn bereits körperliche oder psychische Folgen bestehen. Mehr zu den allgemeinen Merkmalen einer Abhängigkeit steht im Glossarbegriff „Sucht“.

Welche Folgen kann sie haben?

Langfristig hoher Alkoholkonsum kann viele Organe schädigen. Die Leber kann sich entzünden, bis hin zu einer Leberzirrhose. Auch Bauchspeicheldrüse, Herz und Gefäße, Nerven und Gehirn können Schaden nehmen, etwa mit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Gedächtnisstörungen. Das Risiko für Krebs in Mund, Speiseröhre, Magen und Darm steigt.

Depressionen und Angststörungen treten häufig gemeinsam mit einer Alkoholabhängigkeit auf. Sie können eine Folge des Trinkens sein, aber auch zu ihm beitragen. Dazu kommen oft soziale Folgen wie Unfälle, Jobverlust, Geldsorgen und Konflikte in der Familie. Alkohol kann außerdem die Wirkung mancher Medikamente verstärken oder abschwächen, etwa von Schlafmitteln und bestimmten Schmerzmitteln.

Warum gehört der Entzug in ärztliche Begleitung?

Wer alkoholabhängig ist und plötzlich zu trinken aufhört, riskiert ernsthafte Komplikationen. Möglich sind starke Krampfanfälle bis hin zu einem lebensgefährlichen Delirium tremens. Ein „kalter“ Entzug ohne ärztliche Begleitung ist deshalb gefährlich.

Leichte Entzugserscheinungen wie Zittern, Kopfschmerzen, Schwitzen und Übelkeit beginnen laut MSD Manual meist innerhalb von sechs Stunden nach dem letzten Glas. Ein Delirium tremens setzt meist zwei bis drei Tage danach ein, mit Verwirrtheit, starkem Schwitzen, Fieber und Halluzinationen. Dieser Zustand braucht sofort ärztliche Behandlung. Auch eine gedrückte Stimmung bis hin zu Suizidgedanken kann zum Entzug gehören.

Der körperliche Entzug findet deshalb oft im Krankenhaus statt. Dort lindern Medikamente die Entzugserscheinungen, man spricht vom „warmen Entzug“. Laut MSD Manual erhalten Betroffene bei Verdacht auf eine langjährige Alkoholabhängigkeit zusätzlich Vitamin B1 (Thiamin), um einer durch Mangel ausgelösten Erkrankung des Gehirns vorzubeugen, der Wernicke-Enzephalopathie.

Wie wird Alkoholabhängigkeit behandelt?

Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen. Die meisten Betroffenen schaffen es nicht allein, ihre Trinkgewohnheiten zu ändern. Auf den körperlichen Entzug folgt die Entwöhnung. Darin lernen sie in Gruppen- und Einzelgesprächen, persönliche Auslöser zu erkennen und ohne Alkohol zurechtzukommen.

Begleiterkrankungen wie Depressionen werden mitbehandelt, weil das die Chancen verbessert. Danach helfen regelmäßige Kontakte zu einer Suchtberatungsstelle, ärztliche Betreuung und Selbsthilfegruppen, Rückfällen vorzubeugen. Laut MSD Manual können Medikamente wie Naltrexon, Acamprosat oder Disulfiram manchmal helfen, vom Trinken loszukommen. Sie wirken meist nur zusammen mit einer begleitenden Gesprächstherapie, die Ergebnisse schwanken. Welches Mittel infrage kommt, klären Ärzt:innen, denn es gibt Gegenanzeigen, etwa Lebererkrankungen bei Naltrexon.

Ob das Ziel der völlige Verzicht oder weniger Trinken ist, bewerten Fachstellen unterschiedlich. Das österreichische Gesundheitsportal nennt weniger Trinken als mögliches Ziel, wenn Verzicht nicht vorstellbar ist. Das deutsche Institut IQWiG sieht dagegen keine verlässlichen Belege, dass kontrolliertes Trinken bei einer Abhängigkeit gelingt, und rät nach einer Entwöhnung zu völligem Verzicht. Oft braucht es mehrere Anläufe, das ist kein Grund zur Entmutigung.

Wo gibt es Hilfe in Österreich?

Erste Anlaufstellen sind Suchtberatungsstellen und die Hausärztin oder der Hausarzt. Der Österreichische Suchthilfekompass zeigt Beratungs- und Behandlungseinrichtungen in ganz Österreich. Angehörige können sich in Suchtberatungsstellen kostenlos und anonym beraten lassen, mehr dazu im Glossarbegriff „Co-Abhängigkeit“.

Bei Bewusstlosigkeit nach starkem Trinken ist sofort die Rettung unter 144 zu rufen. In einer seelischen Krise erreicht man die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche Rat auf Draht unter 147.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (12)