Was ist Bluthochdruck?
Bluthochdruck heißt, dass das Blut dauerhaft mit zu viel Druck gegen die Wände der Arterien drückt. Mit jedem Herzschlag pumpt das Herz Blut in die Arterien, dabei steigt der Druck. Den höchsten Wert nennen Fachleute den systolischen Blutdruck. Wenn sich das Herz danach entspannt, sinkt der Druck auf den niedrigsten, den diastolischen Wert.
Angegeben werden beide Werte in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg), zum Beispiel als 120/80. Verlässlich und ohne Eingriff messbar wurde der Blutdruck erst Ende des 19. Jahrhunderts. 1896 entwickelte der italienische Arzt Scipione Riva-Rocci ein Messgerät mit aufblasbarer Manschette und Quecksilbersäule. Breit gemessen wird der Blutdruck seit gut 100 Jahren.
Der Fachbegriff Hypertonie stammt aus dem Griechischen. Die Vorsilbe hyper- bedeutet „über“, das griechische hypértonos „überspannt“. In Österreich hat ungefähr jeder vierte Mensch einen zu hohen Blutdruck. Weltweit hatten laut WHO 2024 rund 1,4 Milliarden Erwachsene zwischen 30 und 79 Jahren Bluthochdruck.
Ab wann ist der Blutdruck zu hoch?
Von Bluthochdruck sprechen Fachleute, wenn wiederholte Messungen einen oberen Wert ab 140 mmHg oder einen unteren Wert ab 90 mmHg ergeben. Ein einzelner hoher Wert reicht dafür nicht, denn der Blutdruck schwankt ganz natürlich. Im Schlaf sinkt er, bei körperlicher Anstrengung, Stress, Aufregung oder Angst steigt er an. Erst Messungen an verschiedenen Tagen zeigen, ob er dauerhaft erhöht ist.
Am besten für die Gesundheit ist laut Gesundheitsportal ein Blutdruck, der nicht höher als 120/80 mmHg liegt. Den Bluthochdruck selbst teilen Fachleute in drei Schweregrade ein: Grad 1 beginnt bei 140/90, Grad 2 bei 160/100 und Grad 3 bei 180/110 mmHg.
Woran merkt man Bluthochdruck?
Die meisten Betroffenen spüren ihren erhöhten Blutdruck nicht, deshalb bleibt er oft jahrelang unerkannt. Beschwerden zeigen sich häufig erst, wenn er sehr hoch ist oder schon Folgeschäden entstanden sind. Dann sind etwa Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Nasenbluten, Herzklopfen, Sehstörungen oder Atemnot möglich.
Feststellen lässt sich Bluthochdruck deshalb nur durch Messen. In Österreich kann jede Person ab 18 Jahren einmal im Jahr kostenlos zur Vorsorgeuntersuchung gehen, dabei wird auch der Blutdruck gemessen.
Wie entsteht Bluthochdruck?
Bei den meisten Betroffenen lässt sich keine eindeutige Ursache finden, Fachleute sprechen dann von primärer oder essenzieller Hypertonie. An ihr wirken mehrere Faktoren mit. Das Risiko steigt mit dem Alter und wenn Eltern oder Geschwister Bluthochdruck haben. Ungünstig wirken außerdem Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, salzreiches Essen, zu viel Alkohol und anhaltender Stress.
Seltener steckt eine andere Erkrankung dahinter, etwa der Schilddrüse oder der Nieren, oder eine Schlafapnoe. Dann heißt die Form sekundäre Hypertonie. Auch manche Medikamente können den Blutdruck erhöhen, zum Beispiel entzündungshemmende Schmerzmittel, abschwellende Nasentropfen, östrogenhaltige Antibabypillen oder Kortison. Dasselbe gilt für bestimmte Drogen und für Lakritze, wenn sie in größeren Mengen gegessen wird.
Warum ist Bluthochdruck gefährlich?
Ein dauerhaft zu hoher Druck schädigt mit der Zeit die Arterien. Sie werden steifer, Fett und Kalk lagern sich ab und es entstehen Engstellen. Dadurch werden Organe schlechter mit Blut versorgt, und das Herz muss mehr Kraft aufwenden.
Mögliche Folgen sind Herzschwäche, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und Schlaganfall. Auch Hirnblutungen, eine vaskuläre Demenz, Nierenschäden bis zum Nierenversagen, Schäden an der Netzhaut und Durchblutungsstörungen der Beine können entstehen. Viele dieser Schäden lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Das Gesundheitsportal nennt Bluthochdruck den bedeutendsten Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daneben spielen aber auch Rauchen, Diabetes oder ungünstige Cholesterinwerte eine Rolle.
Wann ist hoher Blutdruck ein Notfall?
Gefährlich wird es, wenn der Blutdruck plötzlich sehr stark ansteigt. Das Gesundheitsportal nennt dafür Werte über 180/110 mmHg, die WHO Werte ab 180/120 mmHg. Fachleute sprechen dann von einer Blutdruckentgleisung oder hypertensiven Krise. Hat die betroffene Person sonst keine Beschwerden, raten sie, Ruhe zu bewahren, sich hinzulegen und nach einer halben Stunde nochmals zu messen. Bleibt der Wert erhöht, sollte möglichst bald ärztlicher Rat eingeholt werden.
Kommen zum stark erhöhten Blutdruck akute Beschwerden hinzu, kann ein lebensbedrohlicher hypertensiver Notfall vorliegen. Dann sollte sofort die Rettung unter 144 verständigt werden. Warnzeichen sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen, Verwirrtheit, Lähmungen, Taubheitsgefühle, Seh- oder Sprechstörungen und Krampfanfälle.
Was hilft bei Bluthochdruck?
Am Anfang steht meist eine Änderung der Lebensgewohnheiten. Dazu zählen, bei Übergewicht etwas abzunehmen, sich regelmäßig zu bewegen, weniger Salz zu essen, wenig Alkohol zu trinken und nicht zu rauchen. Fachleute empfehlen nicht mehr als sechs Gramm Salz pro Tag, etwa einen Teelöffel. Viel Salz steckt versteckt in Brot, Käse, Wurst, Knabbereien und Fertigprodukten. Bei leicht erhöhtem Blutdruck können solche Änderungen schon reichen.
Reicht das nicht, verordnen Ärzt:innen zusätzlich blutdrucksenkende Medikamente. Sie werden gemeinsam mit der betroffenen Person ausgewählt, oft auch kombiniert, und senken das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Bis sie richtig wirken, vergehen meist drei bis vier Wochen. Manche fühlen sich anfangs müde und schlapp, das bessert sich meist mit der Zeit.
Wichtig ist, die Medikamente wie vereinbart einzunehmen und nicht eigenmächtig abzusetzen. Andere Arzneimittel sollten nur nach ärztlicher Rücksprache dazukommen, weil etwa bestimmte Schmerzmittel, die Antibabypille oder trizyklische Antidepressiva die Wirkung beeinflussen können. Regelmäßiges Messen zu Hause zeigt, ob die Behandlung wirkt. Verlässlich wird es, wenn im Sitzen und in Ruhe gemessen wird, immer am gleichen Arm, mit passender Manschette und einem geprüften Gerät.
Wer hilft in Österreich?
Anlaufstellen für Diagnose und Behandlung sind Ärzt:innen für Allgemeinmedizin und Fachärzt:innen für Innere Medizin. Die Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie verleiht speziell weitergebildeten Ärzt:innen den Titel „Hochdruckspezialist“. In Schulungsprogrammen lernen Betroffene unter anderem, richtig zu messen, ihre Medikamente wie vereinbart einzunehmen und bei einem plötzlichen Anstieg angemessen zu handeln. Notwendige und zweckmäßige Untersuchungen und Behandlungen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, bei manchen Leistungen fallen Selbstbehalte an.