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Tinnitus

05:08

Auf den Punkt gebracht

Tinnitus bezeichnet Ohrgeräusche wie Pfeifen, Rauschen, Brummen oder Klingeln, die meist nur die Betroffenen selbst wahrnehmen. Meist ist er keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Hinweis auf eine Störung im Hörsystem, oft nach Lärm. Viele Ohrgeräusche verschwinden von selbst, bei anhaltendem Tinnitus kann vor allem eine kognitive Verhaltenstherapie helfen, besser damit zu leben.

Was ist Tinnitus?

Nach einem lauten Konzert oder einem Knall kann es im Ohr pfeifen, meist vergeht das von selbst wieder. Solche Ohrgeräusche nennt die Medizin Tinnitus. Zu hören ist etwa ein Pfeifen, Summen, Brummen, Rauschen, Klicken oder Klopfen, auf einem oder beiden Ohren oder im ganzen Kopf.

Von länger andauernden Ohrgeräuschen sind laut Gesundheitsportal rund zwölf Prozent der Bevölkerung betroffen, in Österreich beinahe eine Million Menschen. Die meisten hören normal, ein Tinnitus kann aber mit Schwerhörigkeit einhergehen. Der Begriff stammt vom lateinischen tinnitus, „das Klingeln“.

Wie entsteht Tinnitus?

Sehr oft hat Lärm die Sinneszellen im Innenohr geschädigt, etwa ein Knall aus nächster Nähe oder dauernder Lärm im Beruf. Warum dabei Ohrgeräusche entstehen, ist nicht genau bekannt.

Weitere mögliche Ursachen sind etwa ein Ohrenschmalzpfropf, eine chronische Mittelohrentzündung, ein Hörsturz, die Menière-Krankheit oder Probleme mit dem Kiefergelenk. Vereinzelt sind Medikamente der Auslöser, etwa bestimmte Antibiotika, Krebs- oder Malariamittel oder Acetylsalicylsäure in sehr hoher Dosis. Bei vielen Menschen lässt sich keine Ursache finden, dann sprechen Fachleute von idiopathischem Tinnitus.

Akut oder chronisch?

Unterschieden wird zunächst nach der Dauer. Laut IQWiG gilt ein Tinnitus als chronisch, wenn er länger als drei Monate anhält. Das Gesundheitsportal spricht erst ab einem Jahr von chronisch und nennt die Zeit von drei bis zwölf Monaten subakut.

Wie sehr ein Tinnitus belastet, ist sehr unterschiedlich. Beim kompensierten Tinnitus nehmen Betroffene das Geräusch wahr, kommen aber gut damit zurecht. Beim dekompensierten Tinnitus wirkt es sich auf alle Lebensbereiche aus, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Ängste oder Depressionen können dazukommen.

Wann zur HNO-Ärztin oder zum HNO-Arzt?

Jedes neu auftretende Ohrgeräusch sollte laut Gesundheitsportal rasch fachärztlich abgeklärt werden, weil eine frühe Behandlung meist die besten Chancen bietet. Anlaufstellen sind die Hausärztin oder der Hausarzt und Fachärzt:innen für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Ein einseitiger Tinnitus mit Beschwerden wie Ohrenschmerzen weist auf eine bestimmte, meist behandelbare Ursache hin.

Manche Warnzeichen brauchen sofortige Abklärung. Die britische Leitlinie von NICE nennt Tinnitus zusammen mit plötzlichen neurologischen Ausfällen wie einer Gesichtslähmung, mit plötzlichem, nicht beherrschbarem Schwindel oder bei Verdacht auf Schlaganfall. Im Notfall ist die Rettung unter 144 zu rufen. Wer Tinnitus hat und in den letzten 30 Tagen innerhalb weniger Tage deutlich schlechter hört, soll laut NICE innerhalb von 24 Stunden untersucht werden.

Wer wegen des Tinnitus an Suizid denkt, findet bei der Telefonseelsorge unter 142 rund um die Uhr Hilfe, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.

Was hilft bei Tinnitus?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Lässt sich eine zugrunde liegende Erkrankung behandeln, verschwindet meist auch das Ohrgeräusch. Bei plötzlichem Tinnitus werden oft Infusionen angeboten, für Infusionen mit Hydroxyethylstärke fehlt laut IQWiG ein Nachweis, und sie können schwere allergische Reaktionen auslösen. Bei chronischem Tinnitus mit unbekannter Ursache ist laut IQWiG bislang für keine Therapie nachgewiesen, dass sie das Geräusch selbst lindert. Am besten untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sie beseitigt das Ohrgeräusch nicht, kann aber helfen, besser damit zurechtzukommen, und die Lebensqualität verbessern.

Geht der Tinnitus mit Hörverlust einher, kann ein Hörgerät sinnvoll sein. Für Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Akupunktur, Entspannungstechniken und Rauschgeräte fehlt dagegen ein Wirksamkeitsnachweis. Das Gesundheitsportal beschreibt solche Rauschgeräte und das Tinnitus-Retraining als Behandlungsmöglichkeit, laut IQWiG ist ihre Wirksamkeit nicht nachgewiesen. Manche Mittel haben Nebenwirkungen, Ginkgo kann etwa die Wirkung von Blutverdünnern verstärken. Absolute Stille macht laut Gesundheitsportal besonders hellhörig für das Geräusch, leise Musik oder ein Zimmerbrunnen können ablenken. Wer sich vor Lärm schützt, etwa mit Gehörschutzstöpseln, senkt das Risiko für einen Tinnitus.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (7)