Was ist Akupunktur?
Akupunktur ist ein Teilgebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die Nadeln werden an Punkten eingestochen, die nach der TCM auf gedachten Linien im Körper liegen, den Meridianen. Laut dieser Lehre sind das Energiebahnen, und der Energiefluss entlang dieser Bahnen hängt mit der Gesundheit zusammen. Was mit diesen Energien gemeint ist, bleibt unklar, und die Existenz der Meridiane konnte bisher nicht bestätigt werden.
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wird Akupunktur im westpazifischen Raum seit mehr als 2500 Jahren angewendet. Das Wort setzt sich aus den lateinischen Wörtern „acus“ für Nadel und „punctura“ für Stich zusammen. Die neulateinische Form „acupunctura“ ist seit dem 17. Jahrhundert belegt, im Deutschen ist Akupunktur seit dem 19. Jahrhundert gebräuchlich.
Wie läuft eine Akupunktur ab?
Die Nadeln werden in die Haut und das darunterliegende Gewebe gestochen. Weil sie sehr fein sind, ist die Behandlung meist nicht schmerzhaft, oft ist der Einstich gar nicht spürbar. Ein Kribbeln kann auftreten. Um Infektionen zu vermeiden, sind sterile Einwegnadeln wichtig.
Manchmal wird der Reiz verstärkt, indem die Nadel gedreht oder erwärmt wird. Bei der Elektroakupunktur fließt ein sehr schwacher Strom über die Nadel. Die Punkte lassen sich auch ohne Nadeln reizen, etwa mit Druck wie bei der Akupressur, mit Laser oder mit Ultraschall.
Was sagt die Forschung?
Akupunktur wurde in vielen Studien untersucht, die Ergebnisse sind aber nicht eindeutig und teils widersprüchlich. Das österreichische Gesundheitsportal sieht Hinweise auf eine kleine, zumindest kurzfristige Wirkung bei Rückenschmerzen, bei Fibromyalgie und zur Vorbeugung von Migräneanfällen. Gegen eine Wirkung sprechen Studien bei Nackenschmerzen, Gelenkschmerzen durch Arthrose, Tinnitus und zur Einleitung der Geburt. Bei vielen weiteren Beschwerden, etwa Schlafstörungen, Allergien oder Wechseljahrsbeschwerden, ist die Wirkung unbelegt oder unklar.
Die Forschung ist schwierig, weil eine überzeugende Scheinbehandlung kaum möglich ist. Behandelte spüren meist, ob eine Nadel wirklich eingestochen wird. Zudem sprechen manche Studien dafür, dass es kaum eine Rolle spielt, an welchen Punkten genau die Nadeln gesetzt werden. Nach einer gängigen Theorie setzt der Einstich körpereigene Schmerzmittel frei, die Endorphine. Das Muster der bisherigen Studienergebnisse passt aber nicht zu dieser Erklärung.
Laut MSD Manual scheinen Studien aus China günstiger auszufallen als solche aus anderen Ländern. Das könnte an Verzerrungen liegen oder daran, dass dort die gesamte Behandlung der TCM angewendet wird und nicht nur Nadeln.
Ist Akupunktur sicher?
Durch Ärzt:innen ausgeführt, gilt Akupunktur als eher sicher, unerwünschte Wirkungen sind selten. Nur in Ausnahmefällen kommt es zu Blutungen, Infektionen der Einstichstelle oder Nervenschäden. Manche Menschen fühlen sich einer Ohnmacht nahe und müssen sich hinlegen. Auch eine vorübergehende Verschlimmerung der Beschwerden, Kopfschmerzen oder Schwindel sind möglich, aber selten.
Bei schweren Blutgerinnungsstörungen oder unter gerinnungshemmenden Medikamenten bilden sich leichter blaue Flecken, oder die Einstichstellen bluten. In seltenen Fällen führt eine zu tief gestochene Nadel zu einem Lungenkollaps oder zu inneren Verletzungen.
Fachgesellschaften raten von Akupunktur an infizierten, entzündeten oder bösartig veränderten Hautstellen ab. Auch bei einem stark geschwächten Immunsystem, etwa durch eine Chemotherapie, wird sie nicht empfohlen.
Wer bietet Akupunktur in Österreich an?
In Österreich dürfen nur Ärzt:innen und Hebammen Akupunktur anbieten, Voraussetzung ist eine spezielle Zusatzausbildung. Hebammen setzen sie bei Anliegen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ein. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten komplementärmedizinischer Behandlungen im Regelfall nicht und nur in wenigen Fällen nach chefärztlicher Bewilligung.