Was ist Prävention?
Prävention meint Krankheitsvorbeugung oder Krankheitsverhütung. Das Wort kam über das französische „prévention“ ins Deutsche und geht auf das spätlateinische „praeventio“ zurück, das „Zuvorkommen“. Gemeint ist ein Handeln, mit dem man einer drohenden Gefahr zuvorkommen oder ein Risiko verringern möchte.
Prävention kann beim Verhalten einzelner Menschen ansetzen oder bei ihren Lebensbedingungen. Die Verhaltensprävention will Menschen etwa durch Aufklärung und Information dazu bewegen, Risiken zu meiden, sich ausreichend zu bewegen und gesund zu ernähren. Die Verhältnisprävention verändert dagegen die Bedingungen in Arbeit, Familie, Freizeit und Umwelt, zum Beispiel durch ein Rauchverbot in Gaststätten.
Was bedeuten primär, sekundär und tertiär?
Die drei Stufen unterscheiden sich danach, wann eine Maßnahme ansetzt. Primärprävention setzt an, noch bevor es zur Krankheit kommt. Sie soll gesundheitsschädigende Faktoren erkennen und vermeiden, damit eine Krankheit nicht entsteht. Impfungen etwa sollen eine Erkrankung schon im Vorfeld verhindern oder abschwächen.
Sekundärprävention soll verhindern, dass eine Krankheit fortschreitet. Im Mittelpunkt steht die Früherkennung, also das Entdecken von Krankheiten in einem möglichst frühen, noch gut behandelbaren Stadium.
Tertiärprävention richtet sich an Menschen, die bereits erkrankt sind. Sie soll Folgeschäden vorbeugen und Rehabilitation ermöglichen. Die medizinische Rehabilitation etwa soll den Erfolg einer Krankenbehandlung sichern und die Folgen einer Erkrankung erleichtern.
Was unterscheidet Prävention von Gesundheitsförderung?
Prävention will Krankheiten verhindern, Gesundheitsförderung will Gesundheit stärken. Prävention richtet sich auf das Vermeiden von Krankheitsrisiken und auf die Früherkennung. Gesundheitsförderung setzt dagegen bei den Ressourcen an, die Menschen gesund halten. In der Praxis greifen beide ineinander, so gehört zur Vorsorgeuntersuchung auch ein Beratungsgespräch über einen gesundheitsfördernden Lebensstil. Mehr dazu im Glossarbegriff „Gesundheitsförderung“.
Welche Vorsorge gibt es in Österreich?
Die Vorsorgeuntersuchung steht allen Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Österreich einmal im Jahr kostenlos offen. Sie verfolgt zwei Ziele, nämlich Risikofaktoren zu vermeiden und Krankheiten früh zu erkennen, mit Schwerpunkten auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, häufigen Krebserkrankungen, Sucht und Parodontitis, ab 65 Jahren zusätzlich auf Hören und Sehen. Auch Menschen ohne Krankenversicherung haben Anspruch, sie brauchen dafür einen Ersatzkrankenschein der Österreichischen Gesundheitskasse.
Zur Krebsfrüherkennung zählen der PAP-Abstrich für Frauen ab 18 Jahren und die Mammografie alle zwei Jahre für Frauen zwischen 45 und 74 Jahren, auf Wunsch auch ab 40 oder ab 75. Ab 45 Jahren werden zudem alle zwei Jahre ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl und alle zehn Jahre eine Vorsorge-Koloskopie angeboten.
Berufstätige, pflichtversicherte Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren können jährlich zur Jugendlichenuntersuchung gehen. Für Schwangere und Kinder bis zum sechsten Lebensjahr gibt es seit 1974 das Programm des heutigen Eltern-Kind-Passes.
Wer arbeitet präventiv?
Neben Ärzt:innen sind mehrere Gesundheitsberufe in der Prävention tätig. Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen und Diätolog:innen dürfen in der Gesundheitsförderung sowie in der Primär- und Sekundärprävention ohne ärztliche Anordnung arbeiten. Gesundheitspsycholog:innen beraten unter anderem zu gesundheitsbezogenem Risikoverhalten wie Ernährung, Bewegung oder Rauchen und zur Vermeidung von Gesundheitsrisiken.
Wo liegen die Grenzen?
Nicht jede Früherkennung nützt. Manche Untersuchungen helfen, Krankheiten zu verhindern, oder erleichtern ihre Behandlung. Für viele sind aber keine gesundheitlichen Vorteile nachgewiesen, und einige schaden sogar mehr, als sie nutzen. Streng genommen kann eine Früherkennungsuntersuchung eine Krankheit nur dann vermeiden, wenn Vorstufen entdeckt und entfernt werden, etwa bei der Darmspiegelung.
Am Beispiel der Mammografie zeigt sich, dass Nutzen und Nachteile nebeneinanderstehen. Sie kann Brustkrebs früh entdecken und die Heilungschancen erhöhen. Manchmal findet sie aber Veränderungen, die zeitlebens keine Probleme gemacht hätten, oder einen auffälligen Befund, der sich später als harmlos herausstellt. Die Teilnahme an der Früherkennung ist eine freie Entscheidung, und es lohnt sich, die Vor- und Nachteile einer Untersuchung zu kennen.