Was ist Gesundheitsförderung?
Gesundheitsförderung will gesunde Lebensbedingungen schaffen und Menschen zu einer gesunden Lebensführung motivieren. Ob jemand gesund bleibt, hängt nämlich nicht nur vom eigenen Verhalten ab. Auch die Lebensverhältnisse tragen zu einem beträchtlichen Teil bei, etwa Bildung, Arbeitssituation, Verkehr oder Umweltbelastungen. Armut, geringe Bildung und soziale Ausgrenzung gelten nach wie vor als Nährboden für schlechte Gesundheit.
Fachleute unterscheiden deshalb zwei Ansatzpunkte. Beim Verhalten geht es etwa um Bewegung, Ernährung oder soziale Kontakte. Bei den Verhältnissen geht es um die Rahmenbedingungen, zum Beispiel um gesundheitsfördernde Arbeitsplätze oder ein Rauchverbot in Gaststätten. Laut Fonds Gesundes Österreich ist vor allem die Veränderung der Verhältnisse ein wesentlicher Bestandteil.
Gesundheitsförderung findet in Lebenswelten statt, Fachleute sagen auch Settings. Das sind Orte und soziale Zusammenhänge, in denen sich der Alltag abspielt, etwa Kindergarten, Schule, Betrieb, Gemeinde oder Pflegeheim. Besonderes Augenmerk gilt Bevölkerungsgruppen, die sozial oder wirtschaftlich benachteiligt sind.
Woher kommt der Begriff?
Das heutige Verständnis geht auf die Ottawa-Charta zurück, die die erste Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung im November 1986 in Ottawa vorlegte. Die Charta sieht Gesundheit als Ressource für den Alltag und nicht als Ziel des Lebens. Gesundheit entsteht demnach dort, wo Menschen lernen, arbeiten, spielen und lieben.
Die Wurzeln reichen weiter zurück. Schon Ende des 19. Jahrhunderts forderten reformorientierte Politiker:innen, dass Gesundheitspolitik auch die Bedingungen berücksichtigt, unter denen Gesundheit und Krankheit entstehen. 1948 beschrieb die WHO Gesundheit als Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und damit als mehr als die Abwesenheit von Krankheit.
Die Ottawa-Charta nennt fünf Handlungsfelder: eine gesundheitsfördernde Gesamtpolitik, gesundheitsförderliche Lebenswelten, gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen, persönliche Kompetenzen und eine Neuorientierung der Gesundheitsdienste.
Was unterscheidet Gesundheitsförderung von Prävention?
Prävention will Krankheiten verhindern, Gesundheitsförderung will Gesundheit stärken. Prävention richtet sich auf das Vermeiden von Krankheitsrisiken und auf die Früherkennung. Gesundheitsförderung setzt dagegen bei den Ressourcen an, also bei dem, was Menschen gesund hält. Im österreichischen Gesundheitsförderungsgesetz werden beide dennoch mehrfach gemeinsam genannt, als „Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention“.
Was ist Betriebliche Gesundheitsförderung?
Betriebliche Gesundheitsförderung, kurz BGF, umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgeber:innen, Arbeitnehmer:innen und Gesellschaft, um Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu verbessern. So beschreibt es die Luxemburger Deklaration des Europäischen Netzwerks für Betriebliche Gesundheitsförderung von 1997. Sie verbindet bessere Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen, aktive Beteiligung der Beschäftigten und die Stärkung persönlicher Kompetenzen.
Zu den Leitlinien gehört, die gesamte Belegschaft einzubeziehen und systematisch vorzugehen, von der Bedarfsanalyse bis zur Bewertung der Ergebnisse. Der Schwerpunkt liegt laut Fonds Gesundes Österreich eindeutig bei den Verhältnissen.
In Österreich begleitet die Österreichische Gesundheitskasse Betriebe jeder Größe und Branche bei einem BGF-Projekt. Erstgespräch, Prozessbegleitung und die Zertifizierung mit dem BGF-Gütesiegel sind kostenlos. Auch die beiden anderen Sozialversicherungsträger BVAEB und SVS haben eigene Angebote, gebündelt im Österreichischen Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung.
Wer bietet Gesundheitsförderung in Österreich an?
Getragen wird Gesundheitsförderung in Österreich unter anderem vom Fonds Gesundes Österreich, von Gemeinden, von der Sozialversicherung und von Gesundheitsberufen. Gesetzlich verankert ist sie seit 1998 im Gesundheitsförderungsgesetz, das Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, -aufklärung und -information regelt. Finanziert werden diese Maßnahmen aus einem Anteil am Umsatzsteueraufkommen.
Per Gesetz zuständig ist der Fonds Gesundes Österreich, ein Geschäftsbereich der Gesundheit Österreich GmbH. Er fördert vor allem Projekte, etwa in Schulen, Betrieben und Gemeinden, und bietet Fortbildungen an.
In mehreren Bundesländern gibt es Netzwerke „Gesunder Gemeinden“. Dort bearbeitet ein Arbeitskreis, in dem etwa Ärzt:innen, Apotheker:innen und interessierte Bürger:innen mitarbeiten, Gesundheitsthemen vor Ort.
Zu den gesetzlich beschriebenen Aufgaben von Gesundheitspsycholog:innen gehört es zum Beispiel, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Projekte zu entwickeln, durchzuführen und zu bewerten. Sie beraten Menschen auch zu Gesundheitsverhalten wie Ernährung, Bewegung oder Rauchen.