Was ist Physiotherapie?
Physiotherapie befasst sich mit der Verbesserung, Wiederherstellung oder dem Erhalt von Beweglichkeit, Kraft, Koordination und körperlicher Belastbarkeit – bei Menschen aller Altersgruppen. Nach dem MTD-Gesetz 2024 umfasst der Beruf alle physiotherapeutischen Maßnahmen in Therapie, Rehabilitation und Vorbeugung, einschließlich der Gesundheitserziehung, wobei funktionelle Zusammenhänge besonders berücksichtigt werden. Grundlage jeder Behandlung ist deshalb eine funktionelle Untersuchung, bei der etwa Bewegungsabläufe, Haltung, Muskelkraft, Gelenkbeweglichkeit, Koordination und Schmerzreaktionen analysiert werden.
Wann hilft Physiotherapie?
Physiotherapeut:innen betreuen Menschen nach Verletzungen und operativen Eingriffen sowie bei akuten und chronischen Erkrankungen. Nach Herz- und Lungeneingriffen gehören etwa Atemtherapie, Mobilisation und Hustentechniken dazu. Nach Bauch- und Beckenoperationen oder bei gynäkologischen Beschwerden kommen gezielte Übungen für Beckenboden, Kontinenz und Mobilität zum Einsatz. Ein weiterer Teil der Arbeit ist die Vorbeugung, etwa mit Beratung zu Bewegung im Alltag, ergonomischem Verhalten oder Sturzprävention.
Welche Behandlungen gehören dazu?
Im Mittelpunkt stehen individuell abgestimmte Bewegungs- und Übungsprogramme. Dazu zählen aktive und passive Bewegungsübungen, Kräftigungs- und Dehnübungen, Koordinations- und Gleichgewichtstraining sowie Atemtherapie. Ergänzend werden Alltagsbewegungen wie Gehen, Treppensteigen, Aufstehen oder Heben gezielt geübt, weil genau diese Bewegungen im Alltag wieder gelingen sollen.
Je nach Therapieziel kommen Hilfsmittel und Geräte zum Einsatz, etwa Therapiebänder, Bälle, Gewichte, Balance-Geräte oder medizinische Trainingsgeräte. Dazu kommen physikalische Maßnahmen wie Wärme- oder Kälteanwendungen und Elektrotherapie. Bei Bedarf arbeiten Physiotherapeut:innen nach ärztlicher Anordnung auch mit Schienen und Orthesen. Auch Massagen zu Heilzwecken gehören zum möglichen Repertoire: Das Medizinischer Masseur- und Heilmasseurgesetz berechtigt Physiotherapeut:innen ausdrücklich, den Beruf der medizinischen Masseurin bzw. des medizinischen Masseurs auszuüben. Das frühere MTD-Gesetz zählte zudem manuelle Therapie der Gelenke, Reflexzonentherapien und Lymphdrainagen ausdrücklich zu den physiotherapeutischen Maßnahmen, das MTD-Gesetz 2024 beschreibt den Beruf ohne eine solche Liste. Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist schließlich die Anleitung zu Eigenübungen.
Wie läuft eine Behandlung ab?
Eine Physiotherapie folgt einem strukturierten Ablauf, den das MTD-Gesetz als physiotherapeutischen Prozess beschreibt:
- Anamnese und Analyse – das Gespräch über Beschwerden und Vorgeschichte
- Befundung einschließlich physiotherapeutischer Diagnosestellung
- Festlegen der Ziele und Planen der Interventionen
- Durchführung der Interventionen
- Evaluierung und Reflexion – wurden die Ziele erreicht?
Verlaufskontrolle und Dokumentation gehören fix dazu. Wenn es für das Behandlungsziel nötig ist, können Physiotherapeut:innen Hilfsmittel mitentwickeln und anpassen. Die Behandlung erfolgt nach ärztlicher oder zahnärztlicher Anordnung eigenverantwortlich. In der Gesundheitsförderung sowie in der Primär- und Sekundärprävention dürfen Physiotherapeut:innen auch ohne Anordnung tätig werden, also wenn es darum geht, gesund zu bleiben oder Erkrankungen früh zu erkennen. Häufig arbeiten sie eng mit anderen Gesundheitsberufen zusammen.
Wer darf Physiotherapie anbieten?
Physiotherapie dürfen in Österreich nur Personen ausüben, die eine gesetzlich anerkannte Ausbildung abgeschlossen haben und im Gesundheitsberuferegister (GBR) eingetragen sind. Physiotherapeut:innen zählen zu den gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufen. Gesetzliche Grundlage ist das MTD-Gesetz 2024 (MTDG), und die Berufsbezeichnung darf nur von Berechtigten geführt werden.
Die Ausbildung findet an Fachhochschulen statt, dauert sechs Semester und schließt mit dem Bachelor of Science ab. Danach gilt eine Fortbildungspflicht von mindestens 60 Stunden innerhalb von fünf Jahren. Weiterbildungen ermöglichen Spezialisierungen, etwa in Manueller Therapie, Sportphysiotherapie, Neurologie, Pädiatrie, Beckenbodentherapie oder Geriatrie.
Physiotherapeut:innen arbeiten angestellt oder selbständig, unter anderem in Krankenanstalten, Rehabilitations- und Kureinrichtungen, Ambulatorien, Primärversorgungseinrichtungen und Pflegeeinrichtungen sowie mobil im häuslichen Umfeld.
Was kostet Physiotherapie, und zahlt die Krankenkasse?
Physiotherapie kann grundsätzlich direkt in Anspruch genommen werden. Für eine teilweise oder vollständige Kostenübernahme durch die Sozialversicherung ist jedoch in der Regel eine ärztliche Verordnung erforderlich. Je nach Krankenversicherungsträger kann vor Therapiebeginn zusätzlich eine Bewilligung nötig sein. Ohne Verordnung ist Physiotherapie eine Privatleistung, und die Kosten richten sich nach Dauer, Art der Behandlung und Versorgungsrahmen.
Im niedergelassenen Bereich gibt es zwei Wege: Physiotherapeut:innen mit Kassenvertrag rechnen direkt mit der Krankenkasse ab, sodass keine Rechnung an die Patient:innen geht. Bei Wahl-Physiotherapeut:innen wird die Behandlung zuerst selbst bezahlt. Ein Teil der Kosten kann von der Sozialversicherung rückerstattet werden.
Wo liegen die Grenzen?
Plötzliche starke Schmerzen, Lähmungserscheinungen oder Beschwerden nach einem Unfall gehören zuerst ärztlich abgeklärt. Physiotherapie setzt bei der Krankenbehandlung auf einer ärztlichen oder zahnärztlichen Anordnung auf und ersetzt deshalb keine ärztliche Diagnose. Das MTD-Gesetz 2024 verpflichtet Physiotherapeut:innen außerdem, ärztliche Hilfe beizuziehen, wenn der Gesundheitszustand das erfordert oder Komplikationen auftreten.