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Elektrotherapie

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Auf den Punkt gebracht

Elektrotherapie ist die Anwendung von elektrischem Strom zu Heilzwecken, etwa mit Nieder-, Mittel- oder Hochfrequenzströmen. Sie zählt zur physikalischen Therapie und wird vor allem gegen Schmerzen und zur Anregung von Muskeln eingesetzt, mit unterschiedlich gut belegtem Nutzen. Menschen mit Herzschrittmacher oder schwerem Herzleiden sollten die häufig genutzte Form TENS nicht anwenden.

Was ist Elektrotherapie?

Das österreichische Masseurgesetz beschreibt Elektrotherapie als Anwendung von elektrischem Strom zu Heilzwecken, insbesondere durch Nieder-, Mittel- und Hochfrequenztherapie. Sie zählt zur physikalischen Therapie, also zu Heilverfahren, die mit physikalischen Reizen wie Wärme, Kälte, Licht oder elektrischen Reizen arbeiten. Meist werden dafür Elektroden auf die Haut gelegt, über die ein Gerät den Strom überträgt.

Woher kommt die Elektrotherapie?

Die Idee, Beschwerden mit Strom zu behandeln, reicht bis in die Antike zurück. Damals nutzte man die elektrischen Eigenschaften von Zitterrochen gegen Kopfschmerzen und Gicht. Der römische Arzt Scribonius Largus riet Menschen mit Gicht, sich auf einen solchen Fisch zu stellen.

Im 18. Jahrhundert kamen elektrostatische Geräte hinzu, mit denen etwa Nervenschmerzen und Lähmungen behandelt wurden. Die Entdeckungen von Luigi Galvani und Alessandro Volta weckten neues Interesse, und Mitte des 19. Jahrhunderts verfeinerte Duchenne de Boulogne die Verfahren. Seit den 1960er-Jahren ermöglichen Elektronik und kleinere Geräte die heutigen Formen der Elektrostimulation.

Wie läuft eine Elektrotherapie ab?

Häufig genutzt wird die transkutane elektrische Nervenstimulation, kurz TENS. Ein kleines, batteriebetriebenes Gerät schickt schwachen Strom über Hautelektroden in den Körper. Das erzeugt ein Kribbeln, ist aber nicht schmerzhaft und spannt die Muskeln nicht an.

Die Reize sollen die Weiterleitung von Schmerzsignalen ans Gehirn hemmen. Oft lernen Patient:innen, das Gerät zu Hause selbst zu verwenden, je nach Bedarf mehrmals täglich für 20 Minuten bis mehrere Stunden.

Andere Verfahren bringen Muskeln gezielt dazu, sich anzuspannen. Das wird etwa eingesetzt, wenn Muskeln nach einer Nervenverletzung, einer Rückenmarkserkrankung oder einem Schlaganfall nicht mehr richtig angesteuert werden und sonst rasch schwinden. Mit Hochfrequenz arbeitet die Kurzwellendiathermie, die Gewebe erwärmt. Sie ist laut MSD Manual einfacheren Wärmeanwendungen aber nicht überlegen und wird inzwischen selten verwendet.

Was ist über die Wirkung bekannt?

Zu TENS gegen Schmerzen gibt es viele Studien, ihre Bewertung fällt jedoch unterschiedlich aus. Eine große Auswertung von 381 Studien fand mit mittlerer Aussagekraft, dass Schmerzen während oder direkt nach der Anwendung geringer waren als bei einer Schein-Behandlung. Eine Cochrane-Übersicht zu chronischen Schmerzen stufte die Daten dagegen als sehr unsicher ein und konnte weder Nutzen noch Schaden sicher belegen.

Bei chronischen Rückenschmerzen ist laut IQWiG nicht belegt, dass Elektrotherapie lindert. Fachleute empfehlen solche passiven Behandlungen dort höchstens als Ergänzung zu aktiven Maßnahmen wie Bewegungstherapie. Auch dass Muskelstimulation nach einer Kreuzband-Operation die Heilung verkürzt, ist nicht nachgewiesen.

Wo liegen die Grenzen?

Für die häufig genutzte Form TENS nennt das MSD Manual klare Grenzen: Sie kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Menschen mit schwerem Herzleiden oder Herzschrittmacher sollten sie deshalb nicht anwenden.

Auch über oder nahe anderen implantierten elektronischen Geräten sollte sie nicht angewendet werden, weil diese gestört werden können. An den Augen und rund um die Augen wird TENS nicht angewendet. Wird der Strom über Akupunkturnadeln abgegeben, kann es an den Einstichstellen zu kleinen Blutungen oder Infektionen kommen.

Wer bietet Elektrotherapie in Österreich an?

Physiotherapeut:innen setzen Elektrotherapie als eine ihrer physikalischen Maßnahmen ein, in der Regel nach ärztlicher Anordnung. Medizinische Masseur:innen und Heilmasseur:innen dürfen sie nach einer Zusatzausbildung von 140 Stunden ebenfalls durchführen. Sie dürfen dann die Zusatzbezeichnung „Elektrotherapie“ in Klammer führen.

Heilmasseur:innen arbeiten dabei nach ärztlicher Anordnung eigenverantwortlich, medizinische Masseur:innen zusätzlich unter Anleitung und Aufsicht von Ärzt:innen oder Physiotherapeut:innen. Damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, braucht es in der Regel eine ärztliche Verordnung.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (13)