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Chronische Schmerzen

09:09

Auf den Punkt gebracht

Von chronischen Schmerzen sprechen Fachleute, wenn Schmerzen länger als drei Monate anhalten oder immer wiederkehren. Sie haben ihre Warnfunktion verloren und können zu einer eigenständigen Erkrankung werden. Oft sind mehrere aufeinander abgestimmte Behandlungen nötig, bei stärkerer Belastung in Form einer sogenannten multimodalen Schmerztherapie.

Was sind chronische Schmerzen?

Chronische Schmerzen sind Schmerzen, die länger als drei Monate andauern oder immer wiederkehren. Akute Schmerzen haben dagegen eine Schutzfunktion: Sie zeigen etwa eine Verletzung an und sorgen dafür, dass sich der Körper schont und heilen kann. Bei anhaltenden Schmerzen geht diese warnende Funktion verloren.

Für Betroffene ist der Alltag oft spürbar eingeschränkt. Viele sind weniger beweglich, schlafen schlecht und sind weniger leistungsfähig als früher. Dazu können seelische Probleme kommen.

In Österreich leben laut Gesundheitsportal etwa 1,8 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen, am häufigsten mit Rücken-, Gelenk- und Kopfschmerzen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Woher kommen Begriff und Einteilung?

Das Wort „chronisch“ geht auf das griechische „chrónos“ für „Zeit“ zurück.

Vor der ICD-11 galten Schmerzen meist ab drei bis sechs Monaten als chronisch, und bis heute finden sich unterschiedliche Zeitangaben. In der älteren Klassifikation ICD-10 waren Schmerzdiagnosen über verschiedene Kapitel verstreut, und oft wurde nicht zwischen akutem und chronischem Schmerz unterschieden. Eine Arbeitsgruppe der IASP entwickelte deshalb gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO eine neue Einteilung.

Sie ist Teil der ICD-11, die 2019 beschlossen wurde und seit 1. Jänner 2022 gilt. Dort steht chronischer Schmerz unter dem Code MG30 und ist einheitlich als Schmerz definiert, der länger als drei Monate anhält oder wiederkehrt.

Die ICD-11 unterscheidet zwei große Gruppen. Beim chronischen primären Schmerz gilt der Schmerz als eigene Erkrankung, etwa bei Fibromyalgie oder unspezifischen Kreuzschmerzen. Er geht mit deutlicher seelischer Belastung oder Einschränkungen im Alltag einher und lässt sich nicht besser durch eine andere Erkrankung erklären. Beim chronischen sekundären Schmerz ist der Schmerz zumindest anfangs Zeichen einer anderen Erkrankung, etwa bei Krebs, bei Nervenschäden oder nach Operationen und Verletzungen.

Wie entstehen chronische Schmerzen?

Bei der Entstehung chronischer Schmerzen können körperliche, psychische und soziale Einflüsse zusammenwirken. Am Anfang kann eine körperliche Ursache stehen, etwa eine Verletzung, eine Operation oder eine Erkrankung wie Arthrose. Werden starke Schmerzen nicht ausreichend behandelt, können sie bestehen bleiben, manchmal auch dann, wenn die ursprüngliche Ursache gar nicht mehr besteht.

Fachleute erklären das unter anderem mit Veränderungen im Nervensystem, die Nervenzellen empfindlicher machen. Oft ist dann vom „Schmerzgedächtnis“ die Rede. Auch langanhaltender Stress kann die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinträchtigen, sodass Schmerzen eher oder stärker wahrgenommen werden.

Seele und Schmerz beeinflussen sich gegenseitig. Anhaltende Schmerzen können verzweifelt, ängstlich und depressiv machen, und Angst und Depression können die Schmerzen wiederum verstärken. Manche Betroffene meiden aus Angst vor Schmerzen Bewegung und Unternehmungen, die ihnen eigentlich guttun, und geraten so in einen Kreislauf aus Angst und Rückzug. Auch die Situation in der Familie oder am Arbeitsplatz kann eine Rolle spielen.

Wie werden chronische Schmerzen festgestellt?

Am Anfang steht ein ausführliches ärztliches Gespräch, die Anamnese. Dabei geht es um Erkrankungen, Medikamente und Vorbefunde, aber auch um seelische, familiäre oder berufliche Belastungen. Gefragt wird auch, wie stark die Schmerzen den Alltag einschränken.

Fragebögen, ein Schmerztagebuch und eine Skala von 0 (schmerzfrei) bis 10 (unerträglich) helfen, Art, Häufigkeit und Stärke der Schmerzen zu erfassen. Danach folgen eine körperliche und neurologische Untersuchung und je nach Fall weitere Untersuchungen wie Ultraschall, CT, MRT oder Laborwerte.

Was hilft bei chronischen Schmerzen?

Bei chronischen Schmerzen hilft meist nicht ein einzelnes Mittel, sondern eine Kombination mehrerer Behandlungen. Werden Medikamente mit Physio- und Bewegungstherapie, Psychotherapie, Schulungen und Entspannungsmethoden verbunden, sprechen Fachleute von multimodaler Schmerztherapie. Betreut wird man dabei von Fachleuten aus verschiedenen Berufen, etwa aus Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Für chronische Rückenschmerzen ist belegt, dass solche Programme auch über längere Zeit helfen können.

Bei Schmerzen, die nicht durch Krebs entstehen, empfehlen Ärzt:innen bevorzugt Behandlungen ohne Medikamente. Früher wurde Schonung empfohlen, heute raten Fachleute dazu, körperlich aktiv zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen. Wer bisher wenig aktiv war, beginnt besser langsam, um Überlastungen zu vermeiden. Entspannungsmethoden wie autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelentspannung können helfen, Angst und Anspannung zu verringern. In einer kognitiven Verhaltenstherapie können Betroffene lernen, besser mit den Schmerzen umzugehen und Ängste und belastende Gedanken abzubauen.

Gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol bringen vielen Betroffenen kaum Linderung. Bei Nervenschmerzen können bestimmte Antidepressiva oder Mittel gegen Krampfanfälle helfen.

Bei längerer Einnahme können Schmerzmittel schwere Nebenwirkungen haben. Entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen (NSAR) begünstigen etwa Magengeschwüre und in manchen Fällen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Opioide können zudem körperlich abhängig machen. Fachleute raten deshalb auch vor der Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel zu ärztlichem Rat.

Wer hilft in Österreich?

Wenn Schmerzen erstmals auftreten, sind die Gesundheitsberatung 1450, Ärzt:innen für Allgemeinmedizin und Primärversorgungseinheiten die ersten Ansprechstellen. Multimodale Programme bieten spezielle Schmerzambulanzen und Schmerzkliniken an. Eine Übersicht über Schmerzeinrichtungen nach Bundesländern veröffentlicht die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG).

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) bietet etwa im Gesundheitszentrum Neubau in Wien ambulante Gruppenprogramme für Menschen mit chronischen Nacken-, Rücken- oder Kreuzbeschwerden an. Vorher ist eine fachärztliche Untersuchung dort nötig. Im März 2025 eröffnete im Traumazentrum Wien-Meidling das erste kassenfinanzierte Schmerzzentrum Österreichs, geführt von einem fächerübergreifenden Team.

Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, bei manchen Leistungen fallen Selbstbehalte oder Kostenbeiträge an. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten, auch wenn dabei komplementäre Methoden zum Einsatz kommen. Psychische Leidenszustände dürfen auch Psychotherapeut:innen sowie Klinische Psycholog:innen und Gesundheitspsycholog:innen diagnostizieren und behandeln. Gewerbliche Anbieter:innen ohne Gesundheitsberuf, etwa aus dem Massagegewerbe, dürfen keine Krankheiten feststellen oder behandeln. Ihre Angebote ersetzen deshalb keine ärztliche Abklärung.

Wo liegen die Grenzen?

Chronische Schmerzen lassen sich nicht immer ganz beseitigen. In den meisten Fällen können sie aber so weit gelindert werden, dass ein Leben mit guter Lebensqualität möglich ist. Deshalb wird der Erfolg einer Behandlung nicht nur an der Schmerzstärke gemessen, sondern auch daran, ob jemand den Alltag besser bewältigt und besser schläft.

Wiederholte Untersuchungen finden manchmal Befunde, die mit den Beschwerden nichts zu tun haben, etwa normale altersbedingte Veränderungen der Wirbelsäule. Solche Befunde können unnötige Ängste und Behandlungen bis hin zu Operationen nach sich ziehen. Schmerzen ohne erkennbare körperliche Ursache sind dabei nicht eingebildet, sie entstehen nur anders.

Wer durch die Schmerzen in eine seelische Krise gerät oder an Suizid denkt, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142. Im Notfall hilft die Rettung unter 144.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (16)