Autogenes Training ist eine Entspannungsmethode, bei der Übende sich Formeln wie „Meine Arme sind schwer“ vorsagen, um Schwere, Wärme und Ruhe im Körper hervorzurufen. Entwickelt hat sie der Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz aus der Hypnose. Das österreichische Sozialministerium rät zu fachlich qualifizierter Anleitung, weil die Methode auch starke seelische Belastungen auslösen kann.
Was ist Autogenes Training?
Autogenes Training ist eine Technik der Selbstentspannung, die auf Autosuggestion beruht, also auf Vorstellungen, die man sich selbst eingibt. Sie soll über eine Art Selbsthypnose zu körperlicher und seelischer Entspannung führen. Das Wort „autogen“ bedeutet wörtlich „aus sich heraus entstehend“.
Entwickelt hat die Methode der Psychiater Johannes Heinrich Schultz (1884–1970), der sie aus der Hypnose weiterentwickelte. Sie ist rund hundert Jahre alt. Medizinhistoriker:innen haben auch seine Rolle im Nationalsozialismus untersucht. Er war von 1936 bis 1945 stellvertretender Leiter des sogenannten Göring-Instituts und trat öffentlich für Zwangssterilisationen ein.
Wie läuft Autogenes Training ab?
Geübt wird in einer ruhigen, ungestörten Umgebung im Sitzen oder Liegen. Übende richten die Aufmerksamkeit auf einzelne Körperstellen und sagen sich kurze Formeln vor, etwa „Mein Herz schlägt langsam und gleichmäßig“. So sollen nach und nach Gefühle von Schwere, Wärme, Kühle und Ruhe entstehen.
In seiner klassischen Form besteht das Training aus sechs Standardübungen. Sie werden einzeln oder in der Gruppe meist über sechs bis acht Wochen erlernt. Laut Sozialministerium stellen sich Übende zuerst Schwere und Wärme in Armen und Beinen vor. Dann folgen die Beruhigung von Puls und Atmung, „Wärme im Sonnengeflecht“ und „Kühle der Stirn“. Fortgeschrittene sollen mit der Zeit lernen, auch unwillkürliche Körperfunktionen wie den Herzschlag zu beeinflussen.
Fachleute unterscheiden eine Grund-, eine Mittel- und eine Oberstufe. In der Mittelstufe werden persönliche „Vorsatzformeln“ genutzt, in der Oberstufe steigen traumähnliche Bilder auf. Alle drei Stufen sind Bausteine der Autogenen Psychotherapie, einer in Österreich anerkannten psychotherapeutischen Methode. Die Grundstufe wird darüber hinaus auch für sich allein als Entspannungstechnik eingesetzt.
Wofür wird Autogenes Training eingesetzt?
Die Grundstufe dient laut Sozialministerium vor allem der Gesundheitsvorsorge und Psychohygiene. Als Ziele nennt das Ministerium etwa mehr Ruhe und Gelassenheit, bessere Konzentration, weniger Muskelverspannungen und Hilfe vor Prüfungen oder bei Einschlafproblemen.
In Studien wurde Autogenes Training vielfach untersucht. Eine Metaanalyse von 2002 wertete 60 kontrollierte Studien aus. Gegenüber Kontrollgruppen zeigten sich mittlere Effekte, etwa bei Spannungskopfschmerz und Migräne, leichtem Bluthochdruck, Angststörungen und leichten Depressionen. Im Vergleich mit anderen psychologischen Behandlungen schnitt die Methode meist nicht besser ab.
Bei chronischen Schmerzen fand eine Übersichtsarbeit von 2022 mit 13 Studien eine mäßige Linderung gegenüber Gruppen ohne Behandlung. Gegenüber anderen psychologischen Verfahren gab es keinen Unterschied. Die meisten Studien hatten allerdings methodische Schwächen.
Wer darf Autogenes Training in Österreich anbieten?
Im Rahmen einer Krankenbehandlung dürfen nur dafür gesetzlich berechtigte Gesundheitsberufe Autogenes Training berufsmäßig anwenden. Dazu zählen laut Sozialministerium Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen, Gesundheitspsycholog:innen, Musiktherapeut:innen und Ärzt:innen, sofern ihre Fachrichtung die Methode umfasst. Auch sie müssen ausreichende Kenntnisse in der Methode nachweisen können.
Die Grundstufe kann bei gesunden Menschen auch zur Vorbeugung und im gewerblichen Bereich angeboten werden. Bietet jemand ohne Gesundheitsberuf Autogenes Training kranken Menschen an, sind rechtliche Folgen nicht auszuschließen. Ausbildungen in Autogenem Training außerhalb der Ausbildungseinrichtungen für Gesundheitsberufe können gegen das Ausbildungsvorbehaltsgesetz verstoßen.
Wo liegen die Grenzen?
Entspannung lenkt die Aufmerksamkeit nach innen. Dabei können verdrängte oder vergessene, unter Umständen sehr schmerzhafte Erlebnisse wieder auftauchen. Ohne qualifizierte Anleitung kann Autogenes Training laut Sozialministerium zu schweren Belastungsreaktionen wie Verunsicherung, Depression oder körperlichen Beschwerden führen.
Auch das deutsche Gesundheitsinstitut IQWiG weist darauf hin, dass sich Entspannungsübungen wie Autogenes Training nicht für alle eignen. Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung werden meist aktivere Methoden empfohlen. Wer unter seelischer oder körperlicher Belastung steht, kann vorab ein Informationsgespräch bei Psychotherapeut:innen, Klinischen Psycholog:innen oder Ärzt:innen führen. Angebote ohne Gesundheitsberuf empfiehlt das Ministerium nur Gesunden, die die Methode zur Entspannung für sich selbst erlernen wollen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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