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Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

09:12

Auf den Punkt gebracht

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung, die sich nach einem extrem bedrohlichen oder entsetzlichen Erlebnis entwickeln kann. Typisch sind ungewolltes Wiedererleben des Ereignisses, das Vermeiden von Erinnerungen daran und ein anhaltendes Gefühl von Gefahr. Es gibt wirksame Behandlungen, an erster Stelle steht eine traumafokussierte Psychotherapie.

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?

Eine PTBS ist eine verzögerte oder verlängerte Reaktion auf eine schwere Belastung oder Bedrohung. Auslöser können etwa Krieg, Terroranschläge, schwere Unfälle, Gewalt oder Naturkatastrophen sein.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erleben rund 70 Prozent der Menschen im Lauf des Lebens ein potenziell traumatisches Ereignis. Die meisten sind danach belastet, erholen sich aber mit der Zeit von selbst. Nur ein kleiner Teil entwickelt eine PTBS, weltweit sind schätzungsweise 3,9 Prozent der Menschen irgendwann im Leben betroffen.

Woher kommt der Begriff?

Beschrieben wurde das Störungsbild zuerst im Zusammenhang mit Kriegserlebnissen. Schon im 19. Jahrhundert rätselte die Medizin aber auch über die seelischen Beschwerden von Menschen, die die ersten großen Eisenbahnunglücke überlebt hatten. Im Ersten Weltkrieg sprach man bei Soldaten von „Shell Shock“ oder von „Kriegsneurose“.

Den heutigen Namen gibt es seit 1980. Damals nahm die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung die Diagnose in ihr Handbuch DSM-III auf. Den Anstoß gaben viele Veteranen des Vietnamkriegs, die an verzögerten und chronischen Beschwerden litten.

Woran erkennt man eine PTBS?

Kennzeichnend sind drei Gruppen von Beschwerden. Betroffene erleben das Ereignis ungewollt immer wieder, als würde es gerade noch einmal geschehen. Diese Erinnerungen kommen als Bilder, Geräusche, Gerüche oder Körperempfindungen, in Albträumen oder als sogenannte Flashbacks, und sie gehen mit starker Angst oder Entsetzen einher.

Außerdem meiden Betroffene Orte, Menschen, Tätigkeiten oder Gedanken, die an das Erlebte erinnern. Das soll belastende Erinnerungen fernhalten, kann das Wiedererleben auf Dauer aber verstärken. Schließlich bleibt ein Gefühl erhöhter Gefahr, auch wenn keine Gefahr mehr besteht. Betroffene sind dann übermäßig wachsam und schrecken leicht auf, etwa bei lauten Geräuschen.

Hinzu kommen können Schlafstörungen, Reizbarkeit, Wutausbrüche und Konzentrationsprobleme. Auch Erinnerungslücken rund um das Ereignis sowie starke Schuld- und Schamgefühle sind möglich. Häufig bestehen zugleich Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen.

Ab wann spricht man von einer PTBS?

Von einer PTBS spricht man erst, wenn die Beschwerden über die ersten Wochen nach dem Ereignis hinaus anhalten. Das österreichische Gesundheitsportal nennt dafür vier bis acht Wochen, das MSD Manual länger als einen Monat. Sie können auch erst Monate oder Jahre später einsetzen. Dauern sie länger als sechs Monate, gilt die PTBS als chronisch.

Davon zu unterscheiden ist die akute Belastungsreaktion, im Volksmund Nervenzusammenbruch genannt. Sie beginnt meist innerhalb von Minuten nach dem Ereignis und hält Stunden bis Tage an. Die ICD-11, die aktuelle Klassifikation der WHO, führt sie nicht mehr als Krankheit, sondern als normale Reaktion, die in der Regel rasch abklingt.

Was ist eine komplexe PTBS?

Die komplexe PTBS ist eine eigene Diagnose der ICD-11. Sie entsteht meist nach besonders schweren, lang andauernden oder wiederholten Traumata, denen Betroffene kaum oder gar nicht entkommen konnten. Beispiele sind anhaltende häusliche Gewalt, wiederholter Missbrauch in der Kindheit oder Folter.

Zu den Beschwerden einer PTBS kommen drei weitere Bereiche hinzu. Betroffene können Gefühle nur schwer regulieren, haben ein tief negatives Selbstbild mit Scham- oder Schuldgefühlen und Probleme in Beziehungen. In der älteren ICD-10 entsprach dem am ehesten die „andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung“.

Wer ist besonders gefährdet?

Eine PTBS kann jeden Menschen treffen, der ein potenziell traumatisches Ereignis erlebt hat. Das Risiko hängt auch von der Art des Ereignisses ab. Besonders häufig ist eine PTBS nach Krieg und bewaffneten Konflikten sowie nach sexueller Gewalt. Gewalt durch nahestehende Menschen hinterlässt besonders tiefe Spuren, weil sie einen massiven Vertrauensbruch bedeutet.

Das Risiko steigt außerdem durch frühere Traumata, vor allem in der Kindheit, durch bereits bestehende psychische Erkrankungen und durch fehlende soziale Unterstützung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Gute Bindungen, sozialer Rückhalt und Schutz vor weiteren Belastungen wirken dagegen schützend.

Was hilft bei einer PTBS?

Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt an erster Stelle eine traumafokussierte Psychotherapie. Dabei setzen sich Betroffene in einem sicheren Rahmen mit dem Erlebten und den damit verbundenen Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen auseinander.

Am besten untersucht sind laut WHO die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und EMDR. Bei EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) erinnern sich Betroffene an das Trauma und folgen dabei gezielten Augenbewegungen. Wie die Methode genau wirkt, ist noch nicht vollständig geklärt.

Das Gesundheitsportal beschreibt für die Traumatherapie drei Phasen: Stabilisierung, Bearbeitung des Traumas und Einordnung des Erlebten in die eigene Lebensgeschichte. Nach der S3-Leitlinie ist eine vorgeschaltete Stabilisierungsphase bei PTBS aber nicht generell nötig. Sie rät, möglichst früh mit der Traumabearbeitung zu beginnen, und sieht eine Vorbereitungsphase nur in besonderen Fällen vor. Bei einer komplexen PTBS empfiehlt sie, die Traumabearbeitung mit Techniken etwa zur Regulation von Gefühlen zu verbinden.

Medikamente gelten laut Leitlinie als Behandlung der zweiten Wahl, etwa wenn keine traumafokussierte Psychotherapie verfügbar ist oder sie nicht ausreichend hilft. Infrage kommen vor allem bestimmte Antidepressiva. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine sollen dagegen nicht eingesetzt werden, unter anderem wegen der Suchtgefahr.

Begleitend können Bewegung und Sport, Achtsamkeitstraining, Physio- oder Ergotherapie und Hilfe in sozialrechtlichen Fragen sinnvoll sein. Im Alltag rät die WHO, gewohnte Abläufe möglichst beizubehalten, auf guten Schlaf zu achten und Alkohol und Drogen zu meiden oder einzuschränken. Auch Gespräche mit vertrauten Menschen können unterstützen, sobald sich Betroffene dazu bereit fühlen.

Wer hilft in Österreich?

Anlaufstellen sind vor allem Fachärzt:innen für Psychiatrie, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Das Gesundheitsportal rät, dabei auf eine traumaspezifische Zusatzqualifikation zu achten. Auch Kriseninterventionseinrichtungen und Ambulanzen für Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychotherapie helfen weiter.

Der Begriff „Traumatherapie“ ist nicht geschützt. Wichtig ist deshalb ein anerkannter Gesundheitsberuf wie Ärzt:in, Psychotherapeut:in oder Klinische:r Psycholog:in, denn eine unsachgemäße Traumabehandlung kann schaden. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die Sozialversicherung, bei manchen Leistungen können Selbstbehalte oder Kostenbeiträge anfallen.

Wo liegen die Grenzen?

Eine Behandlung kann die Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern, ganz verschwinden sie aber nicht immer. Deshalb ist es oft hilfreich, möglichst früh Hilfe zu suchen. Nicht immer ist eine direkte Auseinandersetzung mit dem Trauma angezeigt, etwa bei akuter Suizidgefahr, einer Psychose oder anhaltendem Kontakt zu Täter:innen.

Nach traumatischen Erlebnissen können auch Gedanken an Suizid auftreten. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)