Die Psychosomatik ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit dem Einfluss psychischer und sozialer Faktoren auf den Körper befasst. Psychosomatische Beschwerden sind echte körperliche Beschwerden, bei denen seelische Belastungen eine Rolle spielen und für die sich oft keine organische Ursache findet. Eingebildet sind sie nicht.
Was ist Psychosomatik?
Die Psychosomatik ist ein interdisziplinäres Fachgebiet und beschäftigt sich mit der Wechselwirkung von Psyche und Körper. Seelische Belastungen, Stress, Lebenskrisen oder traumatische Erfahrungen können körperliche Beschwerden auslösen oder verstärken. Umgekehrt können schwere körperliche Erkrankungen die Psyche belasten, etwa wenn nach einem Herzinfarkt eine depressive Reaktion folgt. Dann ist von somatopsychischen Reaktionen die Rede.
Als Vorreiter der Psychosomatik gilt Thure von Uexküll. Er sprach vom Menschen als „biopsychosozialem System“: Bei allen Erkrankungen hängen demnach Körper und Psyche zusammen, und auch Beruf oder Wohnverhältnisse spielen eine große Rolle.
Woher kommt der Begriff?
Das Wort verbindet die griechischen Begriffe „psychē“ für Hauch, Atem und Seele und „sōma“ für Körper oder Leib. In die medizinische Fachliteratur führte es der Leipziger Arzt Johann Christian August Heinroth ein, in seinem Lehrbuch über die Störungen des Seelenlebens von 1818. Eine Forschungsgruppe fand das Wort allerdings 2019 schon im Titel einer Doktorarbeit, die 1784 in Montpellier erschien.
Was sind psychosomatische Beschwerden?
Zu den psychosomatischen Erkrankungen im engeren Sinn zählen die funktionellen oder somatoformen Störungen. Dabei bestehen körperliche Beschwerden, ohne dass sich eine organische Ursache wie eine Entzündung oder Verletzung feststellen lässt. Häufig sind Kopf-, Bauch-, Rücken- und Muskelschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Herzrasen, Schwindel und Erschöpfung. Auch beim Reizdarmsyndrom oder bei Tinnitus können seelische Belastungen eine Rolle spielen.
Betroffene empfinden die Symptome wirklich, sie bilden sie sich nicht ein. Schätzungen zufolge hat etwa jede zehnte Person Beschwerden ohne eindeutige Erklärung, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Oft verschwinden sie nach einigen Wochen von selbst. Halten sie an, können sie Familien- und Berufsleben stark erschweren, die Lebenserwartung beeinflussen sie in der Regel aber nicht.
Wie entstehen psychosomatische Beschwerden?
Meist wirken mehrere Faktoren zusammen, darunter genetische, biologische, psychische und soziale. Ein Erklärungsmodell setzt die Belastungen eines Menschen in Beziehung zu seinen Möglichkeiten, sie zu bewältigen. Gerät diese Balance länger aus dem Lot, etwa durch schwere Belastungen, Traumata oder geringe eigene Ressourcen, können psychosomatische Folgen entstehen. Wer sich wegen der Beschwerden stark schont, kann in einen Teufelskreis geraten, denn Muskel- und Gelenkschmerzen etwa verstärken sich durch Schonung oft noch.
Wie werden psychosomatische Beschwerden behandelt?
Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch, auch über belastende Lebensumstände, und eine körperliche Untersuchung. Weitere Untersuchungen werden sorgfältig abgewogen, denn nicht jede mögliche Untersuchung ist sinnvoll. Manche bergen Risiken oder führen zu falschen Verdachtsbefunden, die unnötig Sorgen machen.
Bei leichten Beschwerden stehen Beratung und Beruhigung im Vordergrund, ergänzt durch Tipps wie körperliche Aktivität, soziale Kontakte und genug Schlaf. Bei anhaltenden, belastenden Beschwerden kommen Psychotherapie und etwa Physiotherapie, Ergotherapie, Entspannungsverfahren oder Achtsamkeitstraining infrage. Medikamente werden eher zurückhaltend eingesetzt.
Wer hilft in Österreich?
Bei psychischen Beschwerden kann die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen und Ambulanzen für Psychosomatik. Manche Ärzt:innen haben zudem das Diplom „Psychosomatische Medizin“ der Österreichischen Ärztekammer. Notwendige und zweckm äßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die Sozialversicherung, teils mit Selbstbehalt oder Kostenbeitrag.
Anhaltende Beschwerden können auch die Psyche stark belasten: Etwa die Hälfte der Betroffenen entwickelt depressive Symptome oder eine Angststörung. Bei einer akuten Krise oder Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, im Notfall die Rettung unter 144.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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