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Trauma

09:02

Auf den Punkt gebracht

Ein seelisches Trauma ist eine psychische Ausnahmesituation nach einem überwältigenden Ereignis wie Gewalt, einem schweren Unfall, Krieg oder einer Katastrophe. Betroffene erleben dabei extreme Angst, Ohnmacht und Kontrollverlust. Viele verarbeiten das Erlebte mit der Zeit, bei manchen entwickelt sich aber eine Traumafolgestörung wie die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Was ist ein Trauma?

In der Psychologie bedeutet Trauma eine seelische Verletzung durch ein schreckliches Erlebnis. Ausgelöst wird sie durch Ereignisse, die das Leben oder die körperliche Unversehrtheit bedrohen, entweder die eigene oder die eines nahestehenden Menschen. Dazu zählen Gewalttaten, sexueller Missbrauch, Krieg, Naturkatastrophen und schwere Unfälle im Straßenverkehr oder beim Sport. Auch ein medizinischer Notfall wie ein Herzinfarkt oder die Nachricht vom Tod eines nahestehenden Menschen kann traumatisch wirken.

Im Moment des Ereignisses reichen die gewohnten Wege, mit Belastungen umzugehen, nicht aus. Fachleute unterscheiden ein Schocktrauma nach einem einzelnen Ereignis von einem anhaltenden Trauma, zum Beispiel infolge von Vernachlässigung.

Woher kommt der Begriff?

Das Wort stammt vom griechischen „trauma“, das „Verletzung, Wunde, Schaden“ bedeutet. Im 18. Jahrhundert wurde es Teil der lateinischen Fachsprache der Medizin. In der Medizin steht es bis heute auch für schwere körperliche Verletzungen.

Für eine seelische Erschütterung verwendete es in der Psychologie Ende des 19. Jahrhunderts Sigmund Freud. Die Mehrzahl lautet Traumata oder Traumen.

Wie reagieren Menschen auf ein Trauma?

Menschen reagieren auf ein schlimmes Ereignis unterschiedlich. Manche erstarren und fühlen sich wie taub, andere sind verwirrt, weinen oder reagieren verzweifelt und wütend. Wieder andere wirken kontrolliert und zeigen kaum Stressreaktionen.

In der Zeit danach können sich Bilder des Erlebten immer wieder aufdrängen. Dazu kommen oft Albträume, Schlafstörungen, starke Angst und eine ständige Alarmbereitschaft, manchmal auch Herzklopfen oder starkes Schwitzen. Zunächst sind das normale Reaktionen auf ein außergewöhnliches Ereignis. Körperliche Beschwerden sollten trotzdem ärztlich abgeklärt werden. Bei vielen wechselt der Wunsch, über das Geschehene zu sprechen, mit dem Bedürfnis, alles zu meiden, was daran erinnert.

Bei extremer Belastung ist das Stresssystem des Körpers überfordert. Erinnerungen werden dann manchmal nicht als zusammenhängendes Ganzes gespeichert, sondern in Bruchstücken. Sie können später plötzlich als Bilder, Geräusche oder Gerüche wiederkehren, als würde das Ereignis noch einmal geschehen, sogenannte Flashbacks.

Wann wird aus einem Trauma eine Traumafolgestörung?

Die meisten Menschen verarbeiten ein traumatisches Erlebnis nach und nach. Nach Schätzungen der WHO erleben weltweit rund 70 % der Menschen im Lauf ihres Lebens ein möglicherweise traumatisches Ereignis. Nur eine Minderheit entwickelt danach eine PTBS.

Unmittelbar nach dem Ereignis kann eine akute Belastungsreaktion auftreten, umgangssprachlich Nervenzusammenbruch genannt. Sie beginnt meist innerhalb von Minuten und dauert Stunden bis Tage. Mit passender Unterstützung klingt sie in der Regel weitgehend ab.

Bleiben die Beschwerden länger bestehen, kann sich eine Traumafolgestörung entwickeln. Dazu zählt die posttraumatische Belastungsstörung mit wiederkehrenden Erinnerungen, Vermeidung und Übererregung, für die es einen eigenen Glossareintrag gibt. Auch Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen und Suchterkrankungen können Folgen eines Traumas sein. Laut den meisten Studien sind Frauen etwa doppelt so häufig betroffen.

Das Risiko steigt, wenn die Gewalt von einem vertrauten Menschen ausgeht und damit Vertrauen bricht. Auch frühere Traumatisierungen, besonders in der Kindheit, bestehende psychische Erkrankungen und fehlende soziale Unterstützung erhöhen es. Schützend wirken dagegen gute Bindungen, sozialer Rückhalt, Schutz vor weiteren Belastungen und das Gefühl, das eigene Leben selbst gestalten zu können. Bei sehr schweren Erlebnissen stößt dieser Schutz an Grenzen, was nichts mit fehlender Stärke zu tun hat.

Was hilft nach einem Trauma?

Unmittelbar nach einem Trauma brauchen Betroffene vor allem Zuwendung, eine sichere Umgebung, verständliche Informationen über das Geschehene und praktische Hilfe. Betroffene sollten Zeit bekommen und nicht gedrängt werden, über das Erlebte zu sprechen.

Vielen reicht die Unterstützung durch Familie, Freundeskreis und Kolleg:innen. Ist das Trauma sehr schwer oder die Person stark beeinträchtigt, ist eine Krisenintervention sinnvoll, die in Gesprächen akut bei der Bewältigung hilft. Ein angeleitetes Gespräch über das Erlebte kurz nach dem Ereignis, das sogenannte Debriefing, beugt einer PTBS dagegen laut Studien nicht vor und könnte manchen Betroffenen sogar schaden. Zur Vorbeugung sind auch Medikamente in der Regel nicht geeignet.

Wie läuft eine Traumatherapie ab?

Halten die Beschwerden an, steht eine Psychotherapie mit traumatherapeutischen Methoden im Mittelpunkt. Am besten belegt sind bei einer PTBS laut WHO die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Bei EMDR folgen Patient:innen etwa mit den Augen einem Finger, während sie sich an das Erlebte erinnern.

Das Gesundheitsportal beschreibt drei Phasen: Stabilisierung, also innere und äußere Sicherheit, dann die Auseinandersetzung mit den Erinnerungen, zuletzt die Integration in die eigene Lebensgeschichte. Die aktuelle S3-Leitlinie sieht für eine generell vorgeschaltete Stabilisierungsphase bei PTBS allerdings keine Evidenz und rät, möglichst früh mit der Traumabearbeitung zu beginnen. Eine vorbereitende Phase ist nur in besonderen Fällen nötig. Nicht angezeigt ist die direkte Auseinandersetzung mit dem Trauma etwa bei akuter Suizidgefahr, einer Psychose oder weiterem Kontakt zu Täter:innen.

Bei einer bestehenden PTBS können bestimmte Antidepressiva die Behandlung unterstützen, eine Psychotherapie aber nicht ersetzen. Von Beruhigungsmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine raten Fachleute wegen der Suchtgefahr ab. Die WHO nennt außerdem einen möglichst normalen Tagesablauf, Bewegung und gesunden Schlaf als hilfreich und rät, Alkohol und Drogen zu meiden oder einzuschränken. Beschwerden lassen sich unter Behandlung lindern, ganz verschwinden sie aber nicht immer.

Können auch Helfer:innen traumatisiert werden?

Auch wer anderen nach einem schrecklichen Ereignis hilft, kann stark belastet werden, ohne selbst unmittelbar betroffen zu sein. Diese sekundäre Traumatisierung kann Einsatzkräfte bei Rettung und Feuerwehr ebenso treffen wie Menschen in helfenden Berufen. Mögliche Folgen sind Grübeln, Schlafstörungen, Erschöpfung oder Angstzustände, deshalb ist es oft sinnvoll, Erlebtes in einer Supervision zu besprechen.

Wer hilft in Österreich?

Anlaufstellen bei Traumafolgen sind Fachärzt:innen für Psychiatrie, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Dazu kommen Kriseninterventionseinrichtungen und Ambulanzen für Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychotherapie. Das Gesundheitsportal rät, auf eine traumaspezifische Zusatzqualifikation zu achten.

Der Begriff „Traumatherapie“ ist nicht geschützt. Deshalb lohnt ein Blick darauf, ob die Person einen anerkannten Gesundheitsberuf ausübt. Eine unsachgemäße Traumabehandlung oder eine fehlende Abklärung, wie schwer die Beschwerden sind, kann schaden. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die Sozialversicherung, bei manchen Leistungen können Selbstbehalte oder Kostenbeiträge anfallen.

Nach einem Trauma können auch Gedanken an Suizid auftreten. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Frauen, die Gewalt erleben, finden bei der Frauenhelpline unter 0800 222 555 rund um die Uhr Unterstützung. Im Notfall hilft die Rettung unter 144.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (10)