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Krisenintervention

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Auf den Punkt gebracht

Krisenintervention ist eine kurze, zeitlich begrenzte Form der Beratung und Behandlung für Menschen in einer akuten psychosozialen Krise. Geschulte Fachleute helfen dabei, belastende Beschwerden rasch zu lindern, gefährlichen Situationen wie Gewalt oder Suizid vorzubeugen und gemeinsam Wege aus der Krise zu finden. Bei akuter Gefahr hilft die Rettung unter 144, die Telefonseelsorge ist unter 142 rund um die Uhr erreichbar.

Was ist Krisenintervention?

Krisenintervention ist eine Methode der Beratung oder Behandlung, die Menschen in einer akuten psychosozialen Krise kurzfristig passende Unterstützung bietet. Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer vertrauensvollen und tragfähigen Beziehung. Begleitend können medizinische Hilfe, etwa durch Medikamente, oder die Organisation von Unterstützung im Alltag wichtig sein.

Eine Krisenintervention ist zeitlich begrenzt und kann einige Wochen bis zu ein paar Monate dauern. Sie soll Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Deshalb richten sich ihre Ziele stark nach der Lebenssituation und den Bedürfnissen der Betroffenen, auch kulturelle Aspekte werden berücksichtigt.

Was ist eine psychosoziale Krise?

In einer Krise trifft ein Mensch auf Ereignisse oder Lebensumstände, die seine Belastungsfähigkeit und seine gewohnten Bewältigungsstrategien übersteigen können. Auslöser sind etwa Probleme am Arbeitsplatz, finanzielle Sorgen, Konflikte und Trennungen, ein Todesfall oder eine schwere Erkrankung. Krisen können plötzlich auftreten oder sich durch eine Häufung von Belastungen allmählich zuspitzen.

Betroffene erleben dann oft Angst, Wut, Überforderung, Ratlosigkeit oder Hilflosigkeit, im schlimmsten Fall Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Fachleute unterscheiden grob Lebensveränderungskrisen, Verlustkrisen und Traumata. Eine Krise ist keine Krankheit, und sie ist bewältigbar. Aus einer schweren Lebenskrise kann sich aber eine seelische Erkrankung entwickeln, die Grenzen sind mitunter fließend.

Woher kommen Begriff und Methode?

Das Wort „Krise“ stammt vom griechischen „krísis“, das „Entscheidung“ und „entscheidende Wendung von Krankheiten“ bedeutete. Über das Lateinische gelangte es im 16. Jahrhundert in die medizinische Fachsprache und wurde später auch auf wirtschaftliche und politische Zustände übertragen.

Die moderne Krisentheorie geht unter anderem auf Erich Lindemann zurück. Er untersuchte die Folgen eines Brandes im Bostoner „Cocoanut Grove“ 1942 und veröffentlichte 1944 eine Arbeit über akute Trauer. Von Überlebenden lernte er, dass auch psychisch gesunde Menschen nach schrecklichen Erlebnissen in eine emotionale Krise geraten können. Darauf aufbauend entwickelte Gerald Caplan Krisenbehandlungen, die in den 1960er- und 1970er-Jahren für die gemeindenahe psychiatrische Versorgung wichtig wurden. Er beschrieb die Krise als Gefahr und zugleich als Chance zur Weiterentwicklung.

Wann kommt Krisenintervention zum Einsatz?

Krisenintervention kommt in der akuten Phase einer psychosozialen Krise zum Einsatz. Anlässe sind etwa Verluste oder komplizierte Trauerprozesse, ein akutes seelisches Trauma, die akute Phase eines Burnouts oder Lebensveränderungen, die gerade nicht bewältigbar scheinen. Daraus können Schlafstörungen, Angst und Panik, Verzweiflung oder Suizidgedanken entstehen.

Wie läuft eine Krisenintervention ab?

Den Ablauf beschreibt das sogenannte BELLA-System in fünf Schritten. Zuerst geht es darum, eine Beziehung aufzubauen und die Situation zu erfassen. Danach werden schwere Beschwerden gelindert, unterstützende Menschen aus dem Umfeld einbezogen und Ansätze zur Problembewältigung gesucht.

Geschulte Fachleute führen dabei entlastende Gespräche und leiten manchmal Übungen zur Entspannung und Bewältigung an. Bei Bedarf gehören ärztliche Untersuchungen und Medikamente dazu, in sehr akuten Fällen auch ein Spitalsaufenthalt. Angehörige werden nur mit Einverständnis der Betroffenen einbezogen.

Ziel ist, belastende Beschwerden wie Panikattacken oder Schlafstörungen rasch zu lindern und gefährlichen Situationen wie Gewalt oder Suizid vorzubeugen. Gemeinsam werden Strategien erarbeitet, damit Betroffene ihren Alltag wieder eigenständig bewältigen. Dabei spielen auch neue Einsichten, die wiedergewonnene Fähigkeit zu entscheiden und ein wiederhergestelltes Selbstwertgefühl eine Rolle.

Krise oder psychiatrischer Notfall?

Eine psychosoziale Krise ist von einem psychiatrischen Notfall zu unterscheiden. Bei einer psychosozialen Krise besteht keine unmittelbare Gefährdung, sie ist aber sehr belastend und kann zu einem Notfall werden. Bei einem psychiatrischen Notfall liegt meist eine akute psychische Erkrankung oder ein körperliches Leiden mit psychiatrischen Symptomen vor, und Leben und Gesundheit sind unmittelbar gefährdet.

Dazu zählen etwa konkrete Suizidpläne, starke Erregung, Halluzinationen und Wahnvorstellungen, schwere Vergiftungen durch Alkohol, Medikamente oder Drogen sowie ein Delir. Auch bei Suizidgedanken ohne konkreten Plan kann eine Notfallbehandlung nötig sein. In solchen Fällen ist sofort ärztliche Hilfe nötig, über die Rettung unter 144 oder bei akuter Gefahr für die Sicherheit über die Polizei unter 133.

Wo gibt es sofort Hilfe?

In Österreich sind mehrere Krisennummern rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonseelsorge berät unter 142 täglich von 0 bis 24 Uhr am Telefon, per E-Mail und im Chat. Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht anonym und rund um die Uhr unter 147. Im Notfall hilft die Rettung unter 144. Diese Beratungsangebote sind grundsätzlich kostenlos und anonym, bei den dreistelligen Notrufnummern fallen keine Telefongebühren an.

Wer bietet Krisenintervention in Österreich an?

Krisenintervention bieten Ärzt:innen, Klinische Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen und Sozialarbeiter:innen mit entsprechender Weiterbildung an. Üblich ist auch die Arbeit in multidisziplinären Teams, etwa in einem Kriseninterventionszentrum oder in mobilen Krisenteams. Weitere Anlaufstellen sind Ambulanzen für Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychotherapie sowie psychosoziale Dienste in den Bundesländern.

Das Kriseninterventionszentrum in Wien ist eine Ambulanz für akute psychosoziale Krisen und berät telefonisch, persönlich oder per E-Mail. Es ist Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr unter 01 4069595 erreichbar. Ein Erstgespräch ist nach telefonischer Vereinbarung noch am selben Tag oder an einem der zwei folgenden Werktage möglich. Es richtet sich an Erwachsene ab 18 Jahren und an Angehörige. In Wien hilft der Sozialpsychiatrische Notdienst rund um die Uhr unter 01 31330. Über die Kosten einer Krisenintervention informieren die jeweilige Einrichtung und der Sozialversicherungsträger.

Wie können Angehörige und Freund:innen helfen?

Oft hilft schon ein vertrauensvolles Gespräch mit einer verständnisvollen Person. Fachleute empfehlen drei Schritte: hinschauen, aktiv zuhören und vernetzen. Dazu gehört, die Lage einzuschätzen, Hilfe anzubieten, geduldig zuzuhören und gemeinsam nach Unterstützung im Umfeld oder bei Fachstellen zu suchen. Wer eine Gefahr für die betroffene Person oder andere bemerkt, ruft die Rettung oder die Polizei und bleibt möglichst bei ihr, bis Hilfe eintrifft.

Nicht hilfreich sind Vorwürfe, das Verharmlosen der Lage oder gut gemeinte Ratschläge wie „Reiß dich zusammen“. Auch der Versuch, alle Probleme selbst zu lösen, unterstützt Betroffene nicht. Kurse in psychischer Erster Hilfe bietet etwa das Rote Kreuz an.

Wo liegen die Grenzen?

Krisenintervention ist auf die akute Phase ausgerichtet und zeitlich begrenzt. Bei Bedarf kann danach eine weiterführende Psychotherapie oder psychiatrische Behandlung folgen.

Auch die Studienlage hat Grenzen. Eine Cochrane-Übersicht von 2015 zu Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen hält eine Versorgung nach Grundsätzen der Krisenintervention für machbar und für Betroffene annehmbar. Sie stützt sich aber nur auf acht kleine Studien mit Belegen von niedriger bis mittlerer Qualität, deshalb halten die Autor:innen weitere Untersuchungen für nötig.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (14)