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Suizidalität

07:57

Auf den Punkt gebracht

Wer daran denkt, sich das Leben zu nehmen, oder sich um einen nahestehenden Menschen sorgt, findet sofort Hilfe: Telefonseelsorge 142 (rund um die Uhr, kostenlos) · im Notfall Rettung 144 oder Polizei 133 · für Kinder und Jugendliche: Rat auf Draht 147 (rund um die Uhr).

Suizidalität umfasst alle Gedanken und Handlungen, die darauf abzielen, sich das Leben zu nehmen – von Suizidgedanken über Pläne und Ankündigungen bis zu Suizidversuchen und Suiziden. Sie ist keine eigene Krankheit, sondern Ausdruck von Hoffnungslosigkeit in einer Krise, die unlösbar erscheint. In den meisten Fällen verschwinden Suizidgedanken wieder, wenn die Krise bewältigt ist – und ein offenes Gespräch ist meist ein ganz wichtiger erster Schritt.

Was bedeutet Suizidalität?

Unter Suizidalität verstehen Fachleute Handlungen, Gedanken oder Wünsche, das eigene Leben zu beenden. Zu suizidalem Verhalten zählen:

  • Suizidgedanken und Suizidvorstellungen
  • Suizidpläne und Vorbereitungshandlungen
  • Suizidankündigungen, direkt oder indirekt
  • Suizidversuche und Suizide

Dahinter steht ein Zustand des Leidens, aus dem der Wunsch entsteht, nicht mehr oder so nicht mehr weiterleben zu wollen. Meist dominiert dabei der Wunsch nach Ruhe oder nach einem Ende der Krise, die als aussichtslos empfunden wird. Der Wunsch nach dem Tod selbst steht seltener im Vordergrund. In solchen Lebenskrisen kann eine Art Tunnelblick entstehen: Positives wird ausgeblendet, Negatives rückt in den Vordergrund. Ein anderer Ausweg ist für Betroffene dann nicht mehr erkennbar. Fachleute verwenden bewusst das Wort Suizid, weil ältere umgangssprachliche Begriffe wertend sind oder eine freie Entscheidung unterstellen.

Wie kommt es dazu?

Einen einzelnen Grund für Suizidalität gibt es nie. Sie entwickelt sich aus einem Zusammenspiel biologischer, sozialer, psychologischer und kultureller Faktoren. Eine akute Krise, eine lang andauernde Belastung oder eine psychische Erkrankung wie eine Depression können zu Überforderung und Erschöpfung führen, aus denen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit wachsen. Ein erhöhtes Risiko besteht etwa bei psychischen Erkrankungen, nach früherem suizidalem Verhalten, bei chronischen Erkrankungen, bei Einsamkeit und in wirtschaftlicher Not. Auch akute psychosoziale Krisen wie Partnerschaftskonflikte oder der Verlust des Arbeitsplatzes zählen dazu. Suizidgedanken sind dabei eine normale Reaktion auf bedrohliche Krisen und Situationen, die überfordern. Sie sind ein Zeichen dafür, dass jemand Hilfe braucht.

Woran lässt sich eine Gefährdung erkennen?

Mögliche Warnsignale sind:

  • eine akute psychische Krise, Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung
  • direkte Ankündigungen eines Suizids oder indirekte Sätze wie „Ich will nicht mehr“ oder „Alles ist sinnlos“
  • zunehmender Rückzug von Freund:innen, Familie und anderen nahestehenden Menschen
  • Verlust des Interesses an Hobbys und bisher wichtigen Dingen
  • Verschenken von Besitz
  • Schlafstörungen und Appetitverlust
  • Konzentrationsschwierigkeiten und nachlassende Leistung in Schule, Ausbildung oder Beruf
  • häufiges Sprechen über den Tod
  • auffällige Ruhe, nachdem Suizidgedanken geäußert wurden, ohne dass sich an der Lage etwas geändert hat
  • leichtsinniges oder selbstverletzendes Verhalten

Einzelne Warnsignale bedeuten nicht zwingend eine konkrete Gefährdung. Sie sollten aber ernst genommen und abgeklärt werden, denn ob eine akute Gefährdung besteht, lässt sich nur im Gespräch klären.

Was hilft Betroffenen?

Darüber zu sprechen hilft: Betroffene berichten, dass ihre Suizidgedanken nach einem hilfreichen Gespräch abnahmen, sie besser schliefen und wieder Hoffnung schöpften. Ansprechpersonen können Menschen aus dem Freundeskreis oder der Familie sein, aber auch Ärzt:innen, Klinische Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen oder Mitarbeiter:innen einer Beratungsstelle. Wer sich mit Suizidgedanken trägt, sollte sich jedenfalls auch professionelle Hilfe suchen, weil Fachleute im Umgang damit geschult sind.

Bei akuten oder stärker werdenden Suizidgedanken gilt: nicht allein bleiben und sofort Hilfe holen – bei einem Krisentelefon, bei der Rettung unter 144 oder in einer psychiatrischen Ambulanz. Hilfreich ist eine vorbereitete Liste mit Notruf- und Kontaktnummern: eine Vertrauensperson, die eigenen professionellen Helfer:innen, eine 24-Stunden-Hotline und die Rettung.

Was hilft Angehörigen und Freund:innen?

  • Ansprechen: Die betroffene Person direkt auf Suizidgedanken anzusprechen, bringt sie nicht erst auf die Idee. Für gewöhnlich reagieren Menschen erleichtert, wenn sie offen darüber sprechen können. Ein Einstieg kann sein: „Ich habe den Eindruck, dass es dir sehr schlecht geht, möchtest du mit mir darüber reden?“
  • Zuhören und ernst nehmen: Zuhören, Einfühlungsvermögen und das direkte Ansprechen der Gedanken sind Erste Hilfe. Suizidandeutungen und -ankündigungen immer ernst nehmen.
  • Nicht allein lassen: Bei akuter Suizidgefahr die Person nicht alleine lassen.
  • Hilfe holen: Rat bei professionellen Hilfseinrichtungen holen und die betroffene Person ermutigen, selbst Hilfe anzunehmen – und auch für sich selbst Unterstützung suchen, wenn die Situation überfordert.
  • Notruf: Scheint eine suizidale Handlung unmittelbar bevorzustehen, sofort die Polizei (133) oder die Rettung (144) verständigen.

Nicht hilfreich sind moralisierende Vorhaltungen, Belehrungen, vorschnelle Ratschläge oder einfache Aufmunterungen wie „Kopf hoch“.

Welche Vorurteile gibt es?

Die meisten Suizide werden angekündigt – wer davon spricht, meint es also nicht „nur so“. Ansprechen ist nicht gefährlich: Kein Mensch nimmt sich das Leben, weil er auf Suizidgedanken angesprochen wurde. Und Suizidgedanken bleiben nicht für immer: Sie entstehen oft in Krisen oder im Rahmen einer Depression. Ist die Krise bewältigt oder die Depression überstanden, verschwinden sie für gewöhnlich wieder. Suizidale Menschen durchlaufen zudem eine Phase der Zwiespältigkeit zwischen Leben und Tod. Gerade dann sind sie für Hilfe zugänglich.

Wer hilft in Österreich?

Kostenlos und anonym erreichbar:

  • Telefonseelsorge: 142 (täglich 0–24 Uhr)
  • Rat auf Draht für Kinder und Jugendliche: 147 (rund um die Uhr)
  • Kindernotruf: 0800 567 567 (rund um die Uhr)
  • Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555 (rund um die Uhr)
  • Männerberatung: 0800 400 777 (rund um die Uhr)
  • Rettung 144, Polizei 133

Anlaufstellen in den Bundesländern listet das Gesundheitsportal unter gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention. Längerfristige Unterstützung bieten unter anderem Fachärzt:innen für Psychiatrie, Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)