Was bedeutet „chronisch“?
„Chronisch“ bedeutet in der Medizin langsam entstehend und langwierig verlaufend, im Gegensatz zu „akut“. Das Wort geht auf das griechische „chrónos“ für „Zeit“ zurück. Schon römische Ärzte nannten eine langsam verlaufende Krankheit „morbus chronicus“.
Ab wann eine Krankheit als chronisch gilt, wird unterschiedlich festgelegt. Die Österreichische Gesundheitsbefragung fragt etwa nach Krankheiten und Gesundheitsproblemen, die mindestens sechs Monate andauern oder voraussichtlich andauern werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von nichtübertragbaren Krankheiten, die auch als chronische Krankheiten bekannt sind und in der Regel lange dauern.
Welche Erkrankungen zählen dazu?
Zu den wichtigsten chronischen Krankheiten zählt die WHO Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen wie COPD und Asthma sowie Diabetes. In Österreich sind laut Gesundheitsbefragung chronische Rückenschmerzen am häufigsten, sie betreffen 26 Prozent der Menschen ab 15 Jahren. Es folgen Bluthochdruck mit 22 Prozent, Allergien und chronische Nackenschmerzen mit je 20 Prozent, erhöhte Blutfette mit 19 Prozent sowie Arthrose, chronische Kopfschmerzen, Diabetes und Depression.
Viele Menschen zählen manche Beschwerden gar nicht zu den chronischen Gesundheitsproblemen. Allgemein gefragt nennen in Österreich nur rund 38 Prozent mindestens eine dauerhafte Krankheit. Fragt man gezielt nach 19 häufigen Krankheiten, darunter Allergien, erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Rückenschmerzen oder Arthrose, sind es 66 Prozent.
Wer ist betroffen und warum?
Mit dem Alter steigt die Zahl der Betroffenen deutlich, von rund 42 Prozent bei 15- bis 29-Jährigen auf etwa 90 Prozent ab 75 Jahren. Menschen mit geringerer formaler Bildung oder niedrigerem Einkommen sind häufiger chronisch krank und haben mehr Einschränkungen im Alltag.
Chronische Krankheiten entstehen laut WHO aus einem Zusammenspiel von Veranlagung, körperlichen Faktoren, Umwelt und Verhalten. Risiken sind vor allem Rauchen, Bewegungsmangel, schädlicher Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und Luftverschmutzung. Ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel können sich etwa in hohem Blutdruck, Übergewicht, erhöhtem Blutzucker oder erhöhten Blutfetten zeigen. Auch der österreichische Gesundheitsbericht führt chronische Krankheiten großteils auf einen ungesunden Lebensstil zurück.
Wie lebt man mit einer chronischen Erkrankung?
Die Diagnose bedeutet für viele Betroffene eine herausfordernde Umstellung im Leben. Manche Erkrankungen erfordern eine intensive Behandlung, andere schränken Lebensqualität und gesunde Lebensjahre deutlich ein. Frauen verbringen in Österreich wegen chronischer Krankheiten im Schnitt 19,5 Lebensjahre, Männer 16,4 Lebensjahre in mittelmäßiger bis schlechter Gesundheit.
Auch die Seele kann mitbetroffen sein. Chronische Erkrankungen zählen zu den Risikofaktoren für eine Depression, und eine Depression kann ihrerseits die Folgen einer körperlichen Erkrankung verschlimmern.
Viele Betroffene finden Halt in einer Selbsthilfegruppe. Dort können sie mit anderen über Ängste und Belastungen sprechen und sich gegenseitig stärken. Es gibt praktische Tipps, Informationen, Gruppentreffen und Schulungen, auch für pflegende Angehörige. Selbsthilfegruppen ergänzen so die medizinische Versorgung.
Welche Unterstützung gibt es in Österreich?
In Österreich gibt es rund 1.700 Selbsthilfegruppen und -organisationen, in denen etwa 250.000 Menschen organisiert sind. Bei der Suche nach einer passenden Gruppe oder bei der Gründung einer eigenen helfen die Selbsthilfe-Unterstützungsstellen der Bundesländer. Eine Übersicht bietet die Österreichische Kompetenz- und Servicestelle für Selbsthilfe (ÖKUSS).
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes gibt es das Betreuungsprogramm „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“, ein sogenanntes Disease-Management-Programm. Es soll die Lebensqualität verbessern und Folgeerkrankungen, Komplikationen und frühe Todesfälle verringern.
Wichtig ist nach Ansicht der WHO auch, chronische Krankheiten früh zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln. Die Vorsorgeuntersuchung nutzten laut Gesundheitsbericht 2024 nur rund 15 Prozent der Menschen.