Was ist Angst?
Angst ist ein Gefühl der Nervosität, Besorgnis oder Unsicherheit und gehört zum normalen menschlichen Erleben. Sie hilft, Gefahren wahrzunehmen, darauf zu reagieren und gefährliche Situationen zu meiden. Aus Sicht der Evolution ist sie nützlich, weil sie Menschen von gefährlichen Orten fernhält und so das Überleben fördert.
Was unterscheidet Angst von Furcht?
Fachleute unterscheiden die beiden Gefühle nach dem Zeitpunkt der Bedrohung. Die WHO beschreibt Furcht in ihrer Klassifikation ICD-11 als Reaktion auf eine unmittelbar drohende Gefahr, verbunden mit dem Drang zu fliehen oder zu kämpfen. Angst richtet sich dagegen auf eine erwartete Gefahr oder ein befürchtetes Unglück in der Zukunft. Sie geht mit Besorgnis, innerer Not oder körperlicher Anspannung einher, und die befürchtete Gefahr kann von außen kommen oder im Inneren liegen.
Schon der römische Philosoph Cicero (106 bis 43 v. Chr.) unterschied zwischen der Neigung, leicht ängstlich zu werden, und der Angst im Augenblick. Diese Unterscheidung kennt die Psychologie bis heute als Eigenschafts- und Zustandsangst.
Was passiert bei Angst im Körper?
In einer gefährlichen Situation löst Angst eine sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion aus. Herz und Muskeln werden stärker durchblutet, damit der Körper genug Energie und Kraft hat, um etwa vor einem aggressiven Tier zu fliehen oder sich gegen einen Angriff zu wehren.
Gesteuert wird diese Reaktion vom Sympathikus, einem Teil des vegetativen Nervensystems. Er beschleunigt den Puls, weitet die Atemwege, setzt gespeicherte Energie frei und bremst die Verdauung. Spürbar wird das etwa als Herzrasen, Kurzatmigkeit, Schwindel, Schwitzen oder Zittern.
Wozu ist Angst gut?
Angst motiviert dazu, sich auf schwierige Situationen vorzubereiten, etwa durch Üben und gedankliches Durchspielen. Sie kann auch dazu führen, dass Menschen sich möglichen Gefahren mit der nötigen Vorsicht nähern.
Bis zu einem gewissen Punkt steigert Angst sogar die Leistung. Wird sie noch stärker, sinkt die Leistungsfähigkeit wieder, und die Angst belastet mehr, als sie nützt.
Haben schon Babys Angst?
Ja, manche Ängste gehören zur normalen Entwicklung. Säuglinge fürchten sich häufig vor Fremden oder davor, von ihren Eltern getrennt zu werden. Diese Trennungsangst beginnt meist mit etwa acht Monaten und ist zwischen 10 und 18 Monaten am stärksten. Etwa mit zwei Jahren haben Kinder gelernt, dass ihre Bezugspersonen wiederkommen, und die Angst lässt nach.
Wann wird Angst zum Problem?
Angst gilt als Störung, wenn sie in unpassenden Momenten oder zu häufig auftritt oder so intensiv und anhaltend ist, dass sie den Alltag beeinträchtigt. Wo genau die Grenze zwischen normaler und krankhafter Angst liegt, beurteilen Fachleute im Einzelfall. Verstärken können Angst unter anderem negativer Stress, Koffein und der Missbrauch von Medikamenten. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Angststörungen“.
Eine erste Anlaufstelle bei belastenden Ängsten kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiterhelfen können Fachärzt:innen für Psychiatrie, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Bei überwältigender Angst in einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 zu rufen.