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Psychiatrie

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Auf den Punkt gebracht

Psychiatrie ist das Fachgebiet der Medizin, das psychische Krankheiten, Störungen und Verhaltensauffälligkeiten erkennt, behandelt und ihnen vorbeugt. In Österreich sind dafür Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin ausgebildet. Je nach Erkrankung kommen Psychotherapie, Medikamente oder beides zum Einsatz.

Was ist Psychiatrie?

Psychiatrie ist die ärztliche Fachrichtung für die seelische Gesundheit. Laut Ärzteausbildungsordnung umfasst sie Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung psychischer Krankheiten, Störungen und Verhaltensauffälligkeiten, dazu Rehabilitation und fachliche Begutachtung. Auch die forensische Psychiatrie, die im Dienst der Rechtspflege steht, gehört zu diesem Fach.

Psychiater:innen sind Ärzt:innen. Zu ihrem Beruf gehört daher, Menschen auf körperliche und psychische Krankheiten zu untersuchen und Heilmittel zu verordnen. Das unterscheidet sie von Psychotherapeut:innen und Klinischen Psycholog:innen, die keine Medikamente verschreiben.

Woher kommt der Begriff?

Das Wort setzt sich aus dem griechischen psychḗ für „Seele, Geist, Gemüt“ und iātreía für „Heilung, ärztliche Behandlung“ zusammen. Geprägt hat es 1808 Johann Christian Reil, Professor an der Universität Halle, zunächst in der Form „Psychiaterie“. Reil vertrat die Ansicht, dass psychisch kranke Menschen von Ärzt:innen behandelt werden sollten, und forderte dafür ein eigenes medizinisches Fach.

Wie wird in der Psychiatrie behandelt?

Die meisten Behandlungen lassen sich laut MSD Manual in körperliche und psychotherapeutische Verfahren einteilen. Zu den körperlichen zählen vor allem Medikamente, also Psychopharmaka wie Antidepressiva, Antipsychotika, angstlösende Mittel und Stimmungsstabilisierer. Psychotherapeutische Behandlung gibt es als Einzel-, Gruppen-, Paar- oder Familientherapie. Bei schweren psychischen Erkrankungen wirkt eine Verbindung aus Medikamenten und Psychotherapie laut den meisten Studien oft besser als eine der beiden allein.

Bei schweren Depressionen kann auch eine Elektrokrampftherapie infrage kommen. Dabei lösen Stromimpulse unter Narkose kurze Krampfanfälle im Gehirn aus. Viele Behandelte haben danach vorübergehend Gedächtnislücken, andere Komplikationen sind laut MSD Manual selten.

Wer hilft in Österreich?

Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein, die oder der bei Bedarf weiterüberweist. Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin durchlaufen nach dem Medizinstudium eine Ausbildung von mindestens 69 Monaten. Weil sich die Ausbildungsordnungen mehrfach geändert haben, tragen manche noch ältere Titel wie „Fachärztin für Psychiatrie“ oder „Facharzt für Psychiatrie und Neurologie“.

Für Kinder und Jugendliche gibt es ein eigenes Fach, die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ärzt:innen anderer Fachrichtungen können mit Diplomen der Ärztekammer zusätzliches Wissen erwerben, etwa in psychosozialer oder psychotherapeutischer Medizin. In allen Bundesländern ergänzen psychosoziale Dienste die Versorgung.

Was gilt bei einer Aufnahme gegen den eigenen Willen?

Gegen den eigenen Willen darf in Österreich nur aufgenommen werden, wer psychisch krank ist und dadurch das eigene Leben oder die eigene Gesundheit oder die anderer ernstlich und erheblich gefährdet. Zusätzlich darf keine andere ausreichende Behandlung außerhalb der psychiatrischen Abteilung möglich sein. So regelt es das Unterbringungsgesetz, das die Menschenwürde psychisch Kranker ausdrücklich schützt.

In der Regel muss vor einer solchen Aufnahme eine dazu befugte Ärztin oder ein befugter Arzt untersuchen und bescheinigen, dass die Voraussetzungen vorliegen. Die Abteilung muss das Gericht verständigen, und das Gericht muss sich binnen vier Tagen einen persönlichen Eindruck verschaffen. Ab der Aufnahme vertritt eine Patientenanwältin oder ein Patientenanwalt die betroffene Person.

Wer selbst um Aufnahme in einen geschlossenen Bereich bittet, muss dabei entscheidungsfähig sein. Dieser Wunsch kann jederzeit widerrufen werden.

Wann ist rasche Hilfe nötig?

Bei Gedanken an Suizid oder in einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142. Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (11)