Antipsychotika, auch Neuroleptika genannt, sind Medikamente, die vor allem bei Psychosen eingesetzt werden. Sie lindern etwa Halluzinationen, Wahnvorstellungen und starke Erregung und beugen Rückfällen vor. Weil sie Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen oder Gewichtszunahme haben können, werden Nutzen und Risiken ärztlich abgewogen.
Was sind Antipsychotika?
Antipsychotika sind Psychopharmaka, die vor allem bei Psychosen angewendet werden, also bei psychischen Erkrankungen mit verändertem Erleben wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen. Am häufigsten werden sie bei Schizophrenie verordnet. Sie kommen auch bei bipolaren Störungen und bei einer Psychose im Rahmen einer schweren Depression zum Einsatz. In geringer Dosis lindern sie zudem Brechreiz und wirken beruhigend und angstlösend.
Am besten wirken sie gegen Stimmenhören, Wahnvorstellungen und Erregungszustände, weniger gegen Antriebslosigkeit oder Gedächtnisprobleme. Eine Schizophrenie heilen sie nicht. Sie können aber die Beschwerden lindern und neuen akuten Psychosen vorbeugen.
Woher kommt der Name Neuroleptika?
Das Wort ist eine moderne Bildung aus „neuro-“ und dem griechischen lēptós, „greifbar“. Delay und Deniker führten 1952 Chlorpromazin als erstes Antipsychotikum in die Behandlung psychisch kranker Menschen ein. Danach prägten sie den Begriff „neuroleptisch“ für Mittel, die ähnlich auf das Seelenleben wirkten. Heute sind beide Bezeichnungen gebräuchlich.
Wie wirken Antipsychotika und welche Arten gibt es?
Antipsychotika hemmen die Aktivität bestimmter Nervenzellen im Gehirn. Psychotische Beschwerden hängen offenbar mit einer Überaktivität von Zellen zusammen, die auf den Botenstoff Dopamin reagieren, und alle Antipsychotika beeinflussen dieses System. Traditionell unterscheidet man Mittel der ersten Generation (typische) und der zweiten Generation (atypische), die zusätzlich auf Serotonin wirken.
Beide Gruppen lindern die Beschwerden ähnlich gut. Mittel der ersten Generation lösen häufiger Bewegungsstörungen aus, jene der zweiten Generation häufiger Übergewicht und Stoffwechselstörungen. Laut IQWiG ist diese Einteilung aber nicht mehr ganz zeitgemäß, weil viel vom einzelnen Wirkstoff abhängt. Neben Tabletten und Tropfen gibt es Depotspritzen, die im Abstand von Wochen oder Monaten in den Muskel gegeben werden. Clozapin gilt als besonders wirksam, wird wegen schwerer Nebenwirkungen wie einer Hemmung der Blutbildung aber meist erst eingesetzt, wenn andere Mittel nicht geholfen haben.
Oft wirken Antipsychotika innerhalb von Stunden bis Tagen, manchmal erst nach einigen Wochen. In Studien hatten innerhalb eines Jahres etwa 23 von 100 Menschen mit Schizophrenie unter Antipsychotika einen Rückfall, mit Scheinmedikament etwa 61 von 100.
Welche Nebenwirkungen und Risiken gibt es?
Mögliche Nebenwirkungen sind Zittern, Muskelsteifheit, innere Unruhe, Müdigkeit, Gewichtszunahme und ein höheres Diabetesrisiko. Manche Bewegungsstörungen wie Schmatzen oder Grimassieren entwickeln sich erst nach längerer Einnahme, manchmal erst nach Jahren, und halten dann oft lange an (siehe Glossarbegriff „Dyskinesie“). Selten kommt es zu Herzrhythmusstörungen oder Störungen der Blutbildung, deshalb gehören Blutkontrollen und bei manchen Wirkstoffen EKG-Kontrollen dazu.
Eine seltene, aber potenziell tödliche Nebenwirkung ist das maligne neuroleptische Syndrom mit Muskelstarre, Fieber, hohem Blutdruck und Verwirrtheit. Bei solchen Anzeichen ist die Rettung unter 144 zu rufen. Bei älteren Menschen mit Demenz können laut MSD Manual manche Antipsychotika das Risiko für Schlaganfall und Tod erhöhen. Laut MSD Manual sollen sie dort nur eingesetzt werden, wenn auch Wahn oder Halluzinationen bestehen.
Antipsychotika vertragen sich nicht mit Alkohol und einigen anderen Medikamenten. Einige machen sehr müde. Arzneimittel, die Reaktionsfähigkeit und Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen können, tragen in Österreich einen entsprechenden Warnhinweis.
Was ist beim Absetzen zu beachten?
Antipsychotika sollen nicht plötzlich abgesetzt werden, weil sonst eher ein Rückfall droht. Manche Menschen nehmen sie nur kurz, andere über viele Jahre. Wie lange, hängt unter anderem davon ab, wie viele und wie schwere akute Psychosen schon aufgetreten sind. Ob und wie die Behandlung endet, wird deshalb mit der Ärztin oder dem Arzt geplant, und die Wünsche der Betroffenen sollen dabei zählen.
In einer akuten psychischen Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.