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Dyskinesie

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Auf den Punkt gebracht

Eine Dyskinesie ist eine krankhafte Bewegung, die unwillkürlich abläuft, also ohne dass die betroffene Person sie beabsichtigt. Sie zeigt sich etwa an Mund, Gesicht, Rumpf oder Gliedmaßen und ist Zeichen einer anderen Erkrankung oder einer Medikamentenwirkung. Oft ist damit eine Folge der Parkinson-Behandlung mit L-Dopa oder eine Spätdyskinesie nach längerer Einnahme von Antipsychotika gemeint.

Was ist eine Dyskinesie?

Bei einer Dyskinesie bewegt sich der Körper, ohne dass die betroffene Person das will. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet „abnorme Bewegung“. In der Medizin bezeichnet es unwillkürliche Bewegungen, die vor allem Gliedmaßen, Rumpf oder Kiefer betreffen und Ausdruck einer zugrunde liegenden Erkrankung sind.

Tief im Gehirn liegen die Basalganglien, Ansammlungen von Nervenzellen, die unter anderem unwillkürliche Bewegungen unterdrücken. Sind sie geschädigt oder arbeiten sie fehlerhaft, kann es zu ungewollten Bewegungen kommen, ohne dass die Muskeln schwächer werden. Bei den meisten Formen der Chorea und bei Dyskinesien unter Parkinson-Medikamenten liegt in diesen Hirnregionen zu viel vom Botenstoff Dopamin vor.

Warum gilt der Begriff als ungenau?

Weil „abnorme Bewegung“ sehr vieles umfassen kann, gilt der Begriff in der Neurologie als unscharf. Die Neurologin Ruth H. Walker empfahl 2013 in einer Fachzeitschrift, ihn vor allem für zwei Fälle zu verwenden: bei Parkinson unter L-Dopa und für Spätdyskinesien nach Medikamenten, die Dopamin blockieren. In anderen Fällen helfen genauere Bezeichnungen bei Diagnose und Behandlung, etwa Chorea für sprunghafte, tanzartig wirkende Bewegungen.

Wie hängen Parkinson und Dyskinesie zusammen?

L-Dopa gilt als das wirksamste Medikament gegen die Parkinson-Krankheit, bei einer Langzeittherapie können jedoch Überbewegungen hinzukommen. Das österreichische Gesundheitsportal zählt sie zum sogenannten L-Dopa-Spätsyndrom und nennt sie L-Dopa-induzierte Dyskinesien. Typisch sind unkontrollierte Bewegungen von Mund, Gesicht und Gliedmaßen, manchmal auch ein Sich-Winden.

Solche Bewegungen sind laut IQWiG ein Zeichen dafür, dass in manchen Hirnregionen zu viel Dopamin vorhanden ist. Menschen unter 60 bis 70 Jahren wird deshalb meist ein Dopaminagonist empfohlen, der das Auftreten solcher Bewegungsstörungen hinauszögern kann. Diagnose und Therapie der Parkinson-Krankheit liegen bei Fachärzt:innen für Neurologie.

Was ist eine Spätdyskinesie?

Eine Spätdyskinesie, auch tardive Dyskinesie genannt, entwickelt sich erst nach längerer Einnahme von Antipsychotika, manchmal erst nach Jahren. Typisch sind Schmatzen, Kauen und Grimassieren, ein Verziehen von Lippen und Zunge oder windende Bewegungen von Armen und Beinen. Die Bewegungen halten oft lange an, können auch nach dem Absetzen bestehen bleiben und sind schwer zu behandeln.

Antipsychotika der ersten Generation lösen sie häufiger aus als jene der zweiten Generation. Beschrieben hat solche Bewegungen erstmals Schoenecker im Jahr 1957. Den Namen „tardive Dyskinesie“ schlugen Faurbye und Kollegen 1964 vor.

Was hilft bei einer Dyskinesie?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einer neu aufgetretenen Chorea etwa fragen Ärzt:innen deshalb auch nach eingenommenen Medikamenten, je nach Verdacht folgen Bluttests oder eine Bildgebung des Gehirns. Chorea bei einer Schilddrüsenüberfunktion oder bei hohem Blutzucker bessert sich meist, wenn diese Erkrankung behandelt wird.

Bei Parkinson zielt die Behandlung auf eine möglichst gleichmäßige Wirkung der Medikamente, etwa über angepasste Einnahmezeiten, Retard-Tabletten oder geänderte Dosierungen. Der Wirkstoff Amantadin kann L-Dopa-induzierte Dyskinesien lindern. Reicht das in fortgeschrittenen Stadien nicht mehr, kommen eine Medikamentenpumpe oder die Tiefe Hirnstimulation infrage.

Parkinson-Medikamente wie L-Dopa oder Amantadin dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Ein plötzliches Absetzen kann ein lebensgefährliches Syndrom mit hohem Fieber, Muskelsteife und Verwirrtheit auslösen.

Spätdyskinesien gelten als schwer behandelbar, einzelne Medikamente können die Beschwerden etwas lindern. Menschen, die über längere Zeit Antipsychotika einnehmen, sollten deshalb regelmäßig auf erste Anzeichen untersucht werden. Antipsychotika sollten aber nicht plötzlich abgesetzt werden, weil sonst eher ein Rückfall droht. Jede Änderung, bei Parkinson-Mitteln wie bei Antipsychotika, gehört in ärztliche Hände.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (11)