Eine Psychose ist ein psychischer Zustand, in dem Wahrnehmung, Erleben und Denken so verändert sind, dass der Bezug zur Wirklichkeit teilweise verloren geht. Typisch sind Wahnvorstellungen und Halluzinationen wie das Hören von Stimmen. Psychosen können bei verschiedenen psychischen und körperlichen Erkrankungen auftreten und sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
Was ist eine Psychose?
Bei einer Psychose sind Wahrnehmung, Erleben und Denken gestört. Betroffene nehmen ihre Umgebung und sich selbst anders wahr als sonst, sie hören zum Beispiel Stimmen oder fühlen sich verfolgt. Das Wort „psychotisch“ drückt aus, dass bis zu einem gewissen Grad der Bezug zur Realität verloren geht. Manche verlieren ihn in einer akuten Phase fast völlig.
Eine Psychose ist kein eigenes Krankheitsbild, sondern ein Zustand, der bei verschiedenen Erkrankungen vorkommt. Die heutigen Diagnosesysteme verwenden „Psychose“ deshalb kaum noch als Diagnose. An ihre Stelle ist laut einer Fachübersicht das Beiwort „psychotisch“ getreten, etwa in „psychotische Störung“.
Woher kommt der Begriff?
Das Wort ist eine moderne Bildung aus dem griechischen psychḗ, das „Hauch, Atem, Leben, Seele“ bedeutet, und der bei Krankheitsnamen üblichen Endung „-ose“. Als Fachbegriff für psychische Störungen prägte es 1845 der österreichische Psychiater Ernst von Feuchtersleben. Eine andere Fachübersicht nennt Canstatt als denjenigen, der das Wort zuerst verwendete. Damals bezeichnete „Psychose“ noch ganz allgemein eine psychische Erkrankung, erst im 20. Jahrhundert wurde daraus ein engerer Krankheitsbegriff. Wie weit er genau reicht, war unter Fachleuten laut einer Fachübersicht aus dem Jahr 2003 nicht einheitlich geklärt.
Woran erkennt man eine Psychose?
Zu den psychotischen Beschwerden zählen Wahnvorstellungen, Halluzinationen, ungeordnetes Denken und Sprechen sowie auffälliges, ungeordnetes Verhalten. Ein Wahn ist eine feste Überzeugung, an der Betroffene trotz eindeutiger Gegenbeweise festhalten, etwa als Verfolgungs-, Größen- oder Eifersuchtswahn. Halluzinationen sind Sinnestäuschungen, also Wahrnehmungen ohne äußeren Reiz. Manche haben auch das Gefühl, von anderen beeinflusst oder beobachtet zu werden.
Hinzu kommen können Bewegungsauffälligkeiten bis hin zur Katatonie, bei der Betroffene etwa in bestimmten Haltungen verharren. Oft erkennen Menschen in einer akuten Psychose selbst nicht, dass sie krank sind. Bei einer Schizophrenie kündigen sich akute Psychosen meist schon Wochen oder Monate vorher an, zum Beispiel durch Unruhe, Anspannung, schlechten Schlaf oder Konzentrationsprobleme.
Bei welchen Erkrankungen tritt eine Psychose auf?
Die Ursachen sind sehr vielfältig. Häufig ist eine Psychose Teil einer psychischen Erkrankung, etwa einer Schizophrenie, einer schizoaffektiven Störung, einer wahnhaften Störung oder einer kurzen psychotischen Störung. Auch bei einer Bipolaren Störung oder einer schweren Depression sind psychotische Beschwerden möglich. Eine seltene Sonderform ist die Wochenbettpsychose, die etwa in den ersten zwei Wochen nach einer Geburt auftritt.
Eine Psychose kann außerdem durch Drogen ausgelöst werden oder die direkte Folge einer körperlichen Erkrankung sein, etwa einer Epilepsie oder eines Gehirntumors. Tritt eine Psychose erstmals auf, ziehen Ärzt:innen deshalb auch körperliche Ursachen in Betracht. Untersuchungen des Körpers und des Nervensystems sowie bildgebende Verfahren helfen, solche Ursachen zu erkennen oder auszuschließen.
Bei Psychosen im Rahmen einer Schizophrenie wirken vermutlich mehrere Faktoren zusammen. Dazu zählen Veränderungen im Gehirn, Schlafstörungen, Drogen wie Cannabis oder Amphetamine, traumatische Erfahrungen und psychischer Stress. Häufig tritt eine Psychose im Zusammenhang mit großen Lebensveränderungen auf, etwa einer Trennung oder dem Start ins Berufsleben.
Sind Menschen in einer Psychose gefährlich?
Die meisten Menschen in einer akuten Psychose werden anderen gegenüber nicht gewalttätig, auch wenn das oft angenommen wird. Im Wahn ist zwar mehr Aggression möglich, wahrscheinlicher ist aber, dass Betroffene selbst Opfer von Gewalt oder Unfällen werden, etwa wenn sie riskanten Wahnideen folgen.
Wie wird eine Psychose behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Hat die Psychose eine körperliche Ursache, wird vor allem die Grunderkrankung behandelt. Bei Psychosen im Rahmen einer Schizophrenie gehören Medikamente, Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung zu den wirksamen Behandlungen.
Antipsychotika, auch Neuroleptika genannt, wirken beruhigend und mildern Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Heilen können sie die zugrunde liegende Erkrankung nicht. Mögliche Nebenwirkungen sind etwa Bewegungsstörungen, Gewichtszunahme und Müdigkeit, selten auch Herzrhythmus- oder Blutbildstörungen, weshalb das Blut regelmäßig kontrolliert wird. Plötzlich abgesetzt werden sollten Antipsychotika nicht, weil dann eher ein Rückfall droht.
Psychotherapie kann Beschwerden verringern und beim Umgang mit der Erkrankung helfen, auch schon während einer akuten Psychose. Gängig sind die kognitive Verhaltenstherapie und die Familientherapie. In der Psychoedukation lernen Betroffene und Angehörige, Warnzeichen früh zu erkennen, was das Rückfallrisiko senken kann.
Eine Leitlinie des britischen Instituts NICE empfiehlt Menschen mit einer ersten Psychose Antipsychotika zusammen mit Familienintervention und kognitiver Verhaltenstherapie. Steht eine Bipolare Störung oder eine Depression mit psychotischen Beschwerden dahinter, richtet sich die Behandlung nach deren Leitlinien. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen auf einen günstigen Verlauf.
Wer hilft in Österreich?
Psychotische Beschwerden gehören immer in ärztliche Abklärung. Bei Verdacht auf eine Schizophrenie nennt das Gesundheitsportal Fachärzt:innen für Psychiatrie als erste Anlaufstelle, für Jugendliche unter 18 Jahren auch Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ein erstes Gespräch ist auch bei Hausärzt:innen möglich. In die Behandlung können Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen, Ergotherapeut:innen und psychosoziale Dienste eingebunden sein. Angehörige finden Unterstützung etwa beim Verein HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter).
Psychotische Beschwerden können auch Teil eines psychiatrischen Notfalls sein. Bei völligem Realitätsverlust oder Anzeichen von Selbst- oder Fremdgefährdung ist die Rettung unter 144 zu rufen. Bei akuter Gefahr für die Sicherheit hilft die Polizei unter 133. Eine Wochenbettpsychose gilt immer als Notfall, weil ein deutliches Suizidrisiko besteht und auch das Baby gefährdet sein kann. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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