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Bipolare Störung

09:22

Auf den Punkt gebracht

Die Bipolare Störung ist eine psychische Erkrankung, bei der die Stimmung zwischen zwei entgegengesetzten Polen schwankt. Phasen der Depression wechseln sich mit Hochphasen ab, die als Manie oder in schwächerer Form als Hypomanie auftreten. Die Behandlung mit Medikamenten und Psychotherapie soll akute Beschwerden lindern und neuen Krankheitsphasen vorbeugen.

Was ist eine Bipolare Störung?

Bei einer Bipolaren Störung erleben Menschen Zeiten, in denen ihre Stimmung weit über das gewohnte Maß steigt, und Zeiten, in denen sie tief abstürzt. Das österreichische Gesundheitsportal beschreibt diesen Wechsel mit der Redewendung „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“. In den Hochphasen sind Betroffene unter anderem überschwänglich, extrem aktiv, reizbar und sprunghaft. In den Tiefphasen fühlen sie sich sehr niedergeschlagen und antriebslos, ihr Selbstwertgefühl nimmt stark ab.

Meist überwiegen die depressiven Phasen. Weltweit lebten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2023 schätzungsweise 36 Millionen Menschen mit einer Bipolaren Störung, Frauen und Männer etwa gleich häufig. Früher wurde die Erkrankung manisch-depressive Erkrankung genannt.

Woher kommt der Begriff?

Der Name „bipolar“ beschreibt den Wechsel zwischen zwei Extremen oder Polen der Stimmung, der Depression und der Manie. Das moderne Verständnis begann in Frankreich mit Beschreibungen von Falret (1851) und Baillarger (1854).

Emil Kraepelin, einer der Begründer der modernen psychiatrischen Krankheitslehre, fasste 1899 in seinem Lehrbuch die verschiedenen Formen zu einem einheitlichen manisch-depressiven Krankheitsbild zusammen. Im Jahr 1957 schlug Karl Leonhard vor, unipolare und bipolare Formen zu unterscheiden.

Woran erkennt man eine Bipolare Störung?

Kennzeichen sind wiederkehrende Krankheitsphasen, deren Art die Diagnose bestimmt. In einer Manie halten die Beschwerden mindestens eine Woche durchgehend an. Typisch sind Überaktivität, starker Rededrang, ein Gefühl, „schneller“ zu denken, wenig Schlafbedürfnis und ein gesteigertes Selbstwertgefühl bis hin zum Größenwahn. Manche handeln enthemmt oder rücksichtslos, ohne es selbst zu bemerken, und es können Wahnvorstellungen oder Halluzinationen hinzukommen.

Eine Hypomanie ist eine schwächere Form der Manie, die nach den in Österreich verwendeten Kriterien mindestens vier Tage dauert. Depressive Phasen unterscheiden sich in den Beschwerden nicht von einer schweren Depression, werden aber anders behandelt. In einer gemischten Phase treten manische und depressive Beschwerden gleichzeitig auf, etwa gesteigerter Antrieb trotz gedrückter Stimmung. Das Suizidrisiko ist dann besonders hoch.

Fachleute unterscheiden zwei Haupttypen. Beim Typ I kommt es zu Manien und meist auch zu Depressionen. Beim Typ II wechseln schwere Depressionen mit mindestens einer Hypomanie, eine ausgeprägte Manie tritt nicht auf.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch über die Krankengeschichte sowie eine körperliche und neurologische Untersuchung. Weil Menschen in einer Manie ihre Beschwerden oft nicht als Problem wahrnehmen, befragen Ärzt:innen häufig auch Angehörige. Ausgeschlossen werden andere Ursachen, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, Drogen wie Kokain oder Medikamente wie Kortikosteroide und manche Antidepressiva.

Wie entsteht eine Bipolare Störung?

Die genauen Ursachen sind nicht geklärt, Fachleute gehen von mehreren zusammenwirkenden Faktoren aus. Eine familiäre Veranlagung spielt vermutlich in den meisten Fällen eine Rolle. Belastende Ereignisse wie ein Todesfall, Gewalt oder eine Trennung können Beschwerden auslösen oder verstärken, ebenso Alkohol und Drogen.

Wie verläuft die Erkrankung?

Der Verlauf ist sehr verschieden, eine Krankheitsphase kann einige Tage bis mehrere Monate dauern, in sehr seltenen Fällen auch Jahre. Ohne Behandlung kehren die Phasen bei den meisten Betroffenen immer wieder.

Eine Manie kündigt sich oft an, und auch für andere Phasen gibt es Frühwarnzeichen. Zu den Frühwarnzeichen zählen etwa Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, Gedankenflut oder das Gefühl, durch nichts zu stoppen zu sein. Nahestehende Menschen können helfen, solche Zeichen rechtzeitig zu erkennen.

Wie wird eine Bipolare Störung behandelt?

Die Behandlung verfolgt zwei Ziele: akute Beschwerden zu verringern und neuen Phasen vorzubeugen, die sogenannte Phasenprophylaxe. Die Akutbehandlung erfolgt laut Gesundheitsportal meist in einem Krankenhaus oder einer Tagesklinik. Eingesetzt werden Stimmungsstabilisierer wie Lithium oder bestimmte Antiepileptika sowie Antipsychotika. Antidepressiva sollen nur gemeinsam mit Stimmungsstabilisierern und nicht in einer manischen oder gemischten Phase gegeben werden.

Einige Medikamente verlangen besondere Vorsicht. Bei Lithium sind regelmäßige Kontrollen des Blutspiegels nötig. Die britische Leitlinie NICE rät, bei Durchfall, Erbrechen oder einer akuten Erkrankung ärztliche Hilfe zu suchen und besonders nach dem Schwitzen, etwa bei Sport, Hitze oder Fieber, ausreichend zu trinken. Rezeptfreie entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) sollen Menschen, die Lithium nehmen, laut NICE nicht einnehmen.

Valproinsäure kann ein ungeborenes Kind schwer schädigen. Laut WHO sollen Mädchen und Frauen, die schwanger werden können, schwanger sind oder stillen, Valproinsäure nicht einnehmen. Laut der in Österreich vorgeschriebenen Produktinformation (BASG) ist sie bei einer Bipolaren Störung in der Schwangerschaft kontraindiziert, darf also nicht eingesetzt werden, und bei Frauen im gebärfähigen Alter nur mit einem Schwangerschaftsverhütungsprogramm und nur, wenn andere Behandlungen nicht wirken oder nicht vertragen werden. Auch Männer sollen laut BASG während der Einnahme und drei Monate danach zuverlässig verhüten, weil eine Studie auf ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen bei Kindern hinweist. Auch Lithium und Carbamazepin sollen laut WHO in Schwangerschaft und Stillzeit möglichst vermieden werden. Wer Lithium nimmt und schwanger ist oder es werden möchte, soll das laut NICE so bald wie möglich ärztlich besprechen. Auch rezeptfreie oder pflanzliche Mittel und hormonelle Verhütungsmittel gehören wegen möglicher Wechselwirkungen in ärztliche Absprache.

Medikamente gegen eine Bipolare Störung sollen nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Laut NICE erhöht ein rasches Absetzen von Lithium das Rückfallrisiko, die Dosis wird deshalb über mindestens vier Wochen schrittweise verringert. Auch nach dem Abklingen einer Phase wird laut WHO meist mindestens sechs Monate weiterbehandelt.

Psychotherapie ergänzt die medikamentöse Behandlung. Laut WHO können kognitive Verhaltenstherapie, interpersonelle Therapie und Psychoedukation depressive Beschwerden verringern und Rückfälle seltener machen. Hilfreich sind ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus und ein Stimmungstagebuch, während Alkohol und Drogen die Erkrankung verschlimmern.

Bei schweren depressiven oder manischen Phasen ist die Elektrokonvulsionstherapie in Kurznarkose eine etablierte Behandlung, bei depressiven Phasen, vor allem wenn sie im Winter wiederkehren, kommt Lichttherapie infrage. Auch wenn Beschwerden oft wiederkehren, ist laut WHO eine Genesung möglich, und Betroffene können mit passender Behandlung ein erfülltes Leben führen.

Wer hilft in Österreich?

Diagnose und Behandlung liegen bei Fachärzt:innen für Psychiatrie (und psychotherapeutische Medizin), bei Jugendlichen unter 18 Jahren auch bei Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Meist werden Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen oder Ergotherapeut:innen einbezogen. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die Sozialversicherung, bei manchen Leistungen können Selbstbehalte anfallen.

Angehörige in die Behandlung einzubeziehen, ist meist hilfreich, wenn die betroffene Person zustimmt.

Menschen mit einer Bipolaren Störung haben ein erhöhtes Suizidrisiko. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 zu rufen, wenn möglich hilft auch die nächste Ambulanz für Psychiatrie.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (8)