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Schlafstörung

08:08

Auf den Punkt gebracht

Von einer Schlafstörung spricht man, wenn der Schlaf über längere Zeit nicht erholsam ist und darunter das Befinden am Tag leidet. Am häufigsten genannt werden Ein- und Durchschlafstörungen, die Fachleute Insomnie nennen. Daneben gibt es eigene Schlafstörungen wie Atemaussetzer im Schlaf, das Restless-Legs-Syndrom oder die Narkolepsie.

Was ist eine Schlafstörung?

Eine Schlafstörung ist mehr als eine schlechte Nacht. Fast alle Menschen liegen hin und wieder wach und fragen sich, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen, und das ist kein Grund zur Sorge. Von einer Schlafstörung sprechen Fachleute erst, wenn die Probleme mehrmals pro Woche auftreten, über Wochen oder Monate anhalten und den Alltag beeinträchtigen. Das österreichische Gesundheitsportal und das IQWiG nennen als Richtwert mindestens drei Nächte pro Woche über mindestens einen Monat. Die Klassifikation ICD-11 der WHO spricht von einer chronischen Insomnie, wenn die Beschwerden mindestens drei Monate lang mehrmals pro Woche bestehen, kürzere Verläufe gelten dort als kurzzeitige Insomnie.

Der Begriff fasst sehr unterschiedliche Beschwerden zusammen. Dazu gehört die Insomnie, bei der Einschlafen, Durchschlafen oder die Schlafqualität gestört sind. Zu den weiteren Schlafstörungen zählen die obstruktive Schlafapnoe, das Restless-Legs-Syndrom, die Narkolepsie, Zähneknirschen, Schlafwandeln und Albträume. Auch eine innere Uhr, die nicht zu Tag und Nacht passt, kann den Schlaf stören, etwa bei Schichtarbeit oder nach Flügen über mehrere Zeitzonen.

Woran erkennt man eine Schlafstörung?

Typisch für eine Insomnie ist, dass das Einschlafen sehr lange dauert, die Nacht unruhig verläuft oder man viel zu früh aufwacht. Tagsüber fühlen sich Betroffene müde und abgeschlagen, sie können sich schwer konzentrieren und sorgen sich oft gerade nachts über die Folgen des schlechten Schlafs. Auch Stimmungsschwankungen können hinzukommen.

Wie viel Schlaf genug ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Erwachsene schlafen im Durchschnitt ungefähr sieben Stunden, über 80-Jährige etwa sechs, manche Menschen brauchen aber mehr oder weniger. Eine halbe Stunde bis zum Einschlafen gilt als normal.

Andere Schlafstörungen zeigen sich anders. Bei der obstruktiven Schlafapnoe setzt die Atmung im Schlaf immer wieder aus, Betroffene schnarchen oft laut und unregelmäßig und sind tagsüber schläfrig. Das fällt oft der Partnerin oder dem Partner auf. Diese Schläfrigkeit erhöht die Unfallgefahr beim Autofahren, und eine schwere, unbehandelte Schlafapnoe kann das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigern.

Beim Restless-Legs-Syndrom entsteht abends oder in Ruhe ein Drang, die Beine zu bewegen, meist mit unangenehmen Missempfindungen. Bei einer Narkolepsie überkommt Betroffene trotz ausreichendem Nachtschlaf tagsüber eine Schläfrigkeit, der sie nicht widerstehen können.

Wie entsteht eine Schlafstörung?

Es kommen viele Ursachen infrage, manchmal auch mehrere zugleich. Häufig sind Stress, Sorgen oder einschneidende Erlebnisse wie eine Trennung oder eine schwere Krankheit, aber auch Schichtarbeit, Lärm, Licht oder eine ungünstige Raumtemperatur. Koffein, Nikotin und Alkohol beeinflussen den Schlaf ebenfalls. Alkohol lässt manche Menschen zwar schneller einschlafen, macht den Schlaf aber unruhiger und weniger erholsam.

Schlafprobleme können außerdem mit Erkrankungen zusammenhängen, etwa mit Depressionen, Angststörungen, Schmerzen, Schilddrüsenerkrankungen oder den Wechseljahren. Auch Nebenwirkungen von Medikamenten und der Konsum von Drogen kommen infrage. Eine Insomnie kann aber auch eine eigenständige Erkrankung sein, und manchmal findet sich keine Ursache.

Schlaflosigkeit kann sich zudem selbst verstärken. Wer sich große Sorgen über den Schlaf und den nächsten erschöpften Tag macht, schläft oft noch schlechter. Ein spätes Ausschlafen oder ein Mittagsschlaf, um Versäumtes nachzuholen, erschwert den Schlaf in der folgenden Nacht.

Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?

Wer über längere Zeit schlecht schläft und sich tagsüber müde oder weniger leistungsfähig fühlt, sollte das ärztlich abklären lassen, spätestens nach einigen Wochen. Auch Atemaussetzer beim Schnarchen sollten ärztlich abgeklärt werden.

Im Gespräch geht es um Schlafgewohnheiten, Medikamente, Koffein, Alkohol, Belastungen und mögliche Erkrankungen. Hilfreich kann ein Schlaftagebuch sein, das schon einige Wochen vor dem Termin geführt wird. Dazu kommen eine körperliche Untersuchung und eine Blutabnahme. Bei Verdacht auf Atemstörungen oder nächtliche Beinbewegungen kann eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll sein.

Was hilft bei Schlafstörungen?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, eine zugrunde liegende Erkrankung wird mitbehandelt. Bei leichten Schlafproblemen beginnt man meist mit besseren Gewohnheiten rund um den Schlaf, der sogenannten Schlafhygiene. Dazu gehören feste Zubettgeh- und Aufstehzeiten, auch am Wochenende, ein ruhiges und abgedunkeltes Schlafzimmer, leichte Mahlzeiten und kein Kaffee am Abend. Das Bett sollte möglichst nur zum Schlafen dienen.

Wer nachts lange wach liegt, kann aufstehen und einer ruhigen Beschäftigung nachgehen, ohne helles Licht und ohne ständigen Blick auf die Uhr. Häufig eingesetzt werden auch Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training. Wie gut solche Maßnahmen bei leichten Schlafproblemen helfen, ist allerdings kaum aussagekräftig untersucht.

Bei einer ausgeprägten Insomnie empfehlen Fachleute in erster Linie eine kognitive Verhaltenstherapie. Sie soll Gedanken und Gewohnheiten verändern, die vom Schlaf abhalten. Dazu kommen Entspannung, Schlafhygiene, Stimuluskontrolle und eine Begrenzung der Zeit im Bett.

In Studien schliefen Teilnehmende danach etwas schneller ein, etwas länger und wachten seltener auf. Die Therapie wird einzeln, in Gruppen oder digital angeboten.

Schlafmittel beseitigen die Ursache einer Schlafstörung nicht und gehören in ärztliche Hand. Benzodiazepine und sogenannte Z-Substanzen können kurzfristig helfen, sollen aber höchstens vier Wochen genommen werden, weil sie schnell abhängig machen. Sie können am nächsten Tag die Reaktionsfähigkeit beim Autofahren mindern und bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen.

Dass pflanzliche Mittel wie Baldrian eine Schlafstörung lindern, ist nicht belegt, und wie gut Melatonin hilft, ist unklar. Pflanzliche Mittel vertragen sich mitunter nicht mit anderen Beruhigungsmitteln, Melatonin nicht mit einigen anderen Medikamenten, deshalb vorher ärztlich nachfragen.

Andere Schlafstörungen brauchen eine eigene Behandlung. Bei der obstruktiven Schlafapnoe gehören dazu etwa Gewichtsabnahme, der Verzicht auf Alkohol, eine Atemmaske mit Überdruck oder eine Schiene für den Unterkiefer. Schlaf- und Beruhigungsmittel sollten bei einer Schlafapnoe möglichst gemieden werden, weil sie die Atemaussetzer verstärken können. Beim Restless-Legs-Syndrom kann schon die Behandlung eines Eisenmangels die Beschwerden bessern.

Wer hilft in Österreich?

Erste Anlaufstelle ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt. Bei Bedarf werden Fachärzt:innen, auf Schlafmedizin spezialisierte Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen beigezogen. Schlaflabore gibt es an verschiedenen Krankenhausabteilungen, eine Übersicht bietet die Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung.

Die Kosten für Abklärung und Behandlung einer Insomnie übernimmt normalerweise die Sozialversicherung. Für Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeut:innen kann ein Kostenzuschuss bei der Krankenversicherung beantragt werden.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (11)