Was ist das Restless-Legs-Syndrom?
Man liegt im Bett und möchte schlafen, doch ein Kribbeln oder Ziehen tief in den Waden lässt einen nicht zur Ruhe kommen. So beschreiben viele Menschen mit Restless-Legs-Syndrom ihre Abende. Auf Deutsch heißt es auch Syndrom der unruhigen Beine.
Ein weiterer Name ist Willis-Ekbom-Syndrom. Er erinnert an den britischen Arzt Thomas Willis, der die Beschwerden 1672 als Erster beschrieb. Die erste ausführliche klinische Beschreibung stammt vom schwedischen Neurologen Karl-Axel Ekbom.
Schätzungen zufolge haben etwa 3 bis 10 Prozent der Menschen in Europa und Nordamerika ein Restless-Legs-Syndrom, Frauen etwa doppelt so oft wie Männer. Mit dem Alter wird es häufiger.
Woran erkennt man ein Restless-Legs-Syndrom?
Ärzt:innen stellen die Diagnose anhand typischer Beschwerden. Bewegungsdrang und unangenehmes Gefühl in den Beinen treten in Ruhe auf oder verstärken sich dann. Sie lassen nach, solange man sich bewegt, und sind abends und nachts am stärksten. Außerdem dürfen sie sich nicht durch eine andere Erkrankung erklären lassen.
Die Empfindungen werden als Ziehen, Kribbeln, Jucken, Pochen, Hitzegefühl oder Schmerz beschrieben, selten sind auch die Arme betroffen. Die meisten Betroffenen bewegen im Schlaf zudem ungewollt die Beine und schlafen dadurch oft schlechter durch. Tagsüber können Betroffene dann erschöpft, gereizt und unkonzentriert sein, manche meiden langes Sitzen wie im Kino.
Wie entsteht ein Restless-Legs-Syndrom?
Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen eine erbliche Veranlagung, ein gestörter Eisenstoffwechsel im Gehirn und ein Ungleichgewicht des Botenstoffs Dopamin zusammen. Eisen kann im Gehirn fehlen, obwohl die Blutwerte oft unauffällig sind.
Manchmal hängt das Syndrom mit einer Schwangerschaft oder mit Medikamenten wie manchen Antidepressiva oder Antipsychotika (Neuroleptika) zusammen. Auch Erkrankungen wie eine chronische Nierenschwäche, Parkinson oder Multiple Sklerose kommen infrage. Wird die Grunderkrankung erfolgreich behandelt, verschwinden die Beschwerden. Nach einer Geburt gehen sie meist von selbst zurück. Ohne erkennbare Ursache verschwindet das Syndrom dagegen in der Regel nicht von selbst und wird oft über Jahre stärker.
Wie wird es abgeklärt?
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt, weiter abklären können Fachärzt:innen für Neurologie oder Innere Medizin und auf Schlafmedizin spezialisierte Ärzt:innen. Eine Blutuntersuchung zeigt unter anderem Eisen-, Nieren- und Schilddrüsenwerte. Ein Schlaftagebuch kann helfen, bei unklarer Lage kann eine Untersuchung im Schlaflabor folgen.
Was hilft beim Restless-Legs-Syndrom?
Zuerst wird eine mögliche Ursache behandelt, etwa ein Eisenmangel, und Medikamente, die die Beschwerden verstärken, werden wenn möglich angepasst. Stören die Beschwerden Schlaf und Alltag deutlich, kommen Eisen als Tabletten oder Infusion, Dopaminagonisten, sogenannte Gabapentinoide und in schweren Fällen Opioide infrage. Die Mittel werden so spät und so niedrig dosiert wie möglich eingesetzt.
Unter Dopamin-Präparaten kann sich das Syndrom verschlimmern. Bei dieser Augmentation beginnen die Beschwerden früher, werden stärker oder breiten sich auf andere Körperteile aus. Das passiert vor allem bei zu hoher Dosis, dann wird die Dosis gesenkt oder das Mittel gewechselt. Selten lösen Dopaminagonisten impulsives oder zwanghaftes Verhalten aus, etwa Kauf- oder Spielsucht. Solche Veränderungen sollten ärztlich besprochen werden. Gabapentinoide und Opioide können in seltenen Fällen die Atmung stark verlangsamen, Opioide können außerdem abhängig machen. Manche der Medikamente beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit. In der Schwangerschaft kommen nur wenige Mittel infrage.
Bewegungstraining, Wärme- oder Kälteanwendungen und andere Verfahren ohne Medikamente wurden bisher nur in wenigen, kleinen Studien untersucht. Es gibt schwache Hinweise, dass manche davon kurzfristig helfen. Im Alltag berichten manche Betroffene, dass ihnen Massieren oder Abduschen der Beine, warme Fußbäder und Dehnen guttun. Am Abend auf Kaffee, Nikotin und Alkohol zu verzichten, kann den Schlaf verbessern. Austausch bieten Selbsthilfegruppen.