Was ist Glücksspielsucht?
Menschen mit Glücksspielsucht können dem Spiel nicht widerstehen, etwa an Automaten, beim Roulette oder bei Online-Glücksspielen. Das Spielen beherrscht nach und nach ihr Leben und führt zu großen Problemen im Beruf, mit Geld und in Beziehungen. Fachleute sprechen auch von pathologischem oder zwanghaftem Spielen.
Glücksspiel selbst hat in Österreich eine lange Geschichte, das Zahlenlotto führte Kaiserin Maria Theresia bereits 1751 ein. Zur Gefahr wird es, wenn Menschen die Kontrolle über ihr Spielverhalten verlieren.
Die WHO nennt in ihrer Klassifikation ICD-11 drei Kernmerkmale. Dazu gehören die verminderte Kontrolle über das Spielen, sein wachsender Vorrang vor anderen Interessen und das Weiterspielen trotz negativer Folgen. Die Merkmale bestehen meist mindestens zwölf Monate, bei schweren Beschwerden kann die Diagnose früher gestellt werden. In der älteren ICD-10 stand das „pathologische Spielen“ noch bei den Störungen der Impulskontrolle, und so ordnet es auch das Gesundheitsportal ein.
Die Diagnose stellen Fachärzt:innen für Psychiatrie. Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen können in die Abklärung einbezogen werden. Mit „Spielsucht“ ist manchmal auch exzessives Computerspielen gemeint. Dafür führt die ICD-11 eine eigene Diagnose, die Computerspielstörung (gaming disorder).
Wie verläuft eine Glücksspielsucht?
Glücksspielsucht entwickelt sich meist schleichend, das Gesundheitsportal beschreibt drei Stadien. In der Einstiegsphase lösen erste Gewinne positive Gefühle aus und erscheinen als persönlicher Erfolg. In der Verlustphase wird öfter und mit höheren Einsätzen gespielt, Betroffene verheimlichen das Spielen und leihen sich Geld. In der Verzweiflungsphase wird das Spielen zum Zwang. Betroffene hoffen, Verluste zurückzugewinnen, Lügen und Schuldgefühle nehmen zu.
Bestimmte Eigenschaften des Glücksspiels erhöhen die Gefahr. Das Gehirn verarbeitet Beinahe-Gewinne ähnlich wie Gewinne, und Jetons oder virtuelle Währungen senken die Hemmschwelle für Einsätze. Ein höheres Risiko haben unter anderem Männer, jüngere Menschen und Menschen mit Depressionen, Angststörungen oder einer Suchterkrankung in der Familie. Fällt das Spielen weg, kann große innere Anspannung auftreten.
Menschen mit Glücksspielsucht haben häufig weitere psychische Erkrankungen und ein stark erhöhtes Suizidrisiko. In einer Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 zu rufen.
Was hilft bei Glücksspielsucht?
Ein früher Behandlungsbeginn ist von Vorteil, und der erste Schritt ist, Hilfe zu suchen. In der Psychoedukation erfahren Betroffene mehr über ihre Erkrankung. In einer Psychotherapie lernen sie, ohne Glücksspiel auszukommen und rechtzeitig gegenzusteuern. Ärzt:innen können zusätzlich Medikamente verschreiben, die das Verlangen nach dem Spiel hemmen sollen, etwa sogenannte Opioidantagonisten oder selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Manchmal ist eine Behandlung im Krankenhaus nötig.
Weil oft Schulden entstehen, unterstützen auch Sozialarbeiter:innen, etwa bei finanziellen Problemen. Das Finanzministerium verweist außerdem auf die staatlich anerkannte Schuldnerberatung. Angehörige erfahren häufig erst von der Sucht, wenn sich hohe Schulden angehäuft haben. Beratungsstellen für Glücksspielsucht unterstützen meist auch sie, mehr dazu im Glossarbegriff „Co-Abhängigkeit“.
Wo gibt es Hilfe in Österreich?
Das Finanzministerium listet Beratungs- und Behandlungsangebote für alle Bundesländer auf seiner Website und bietet dort einen Selbsttest an. Auch der Österreichische Suchthilfekompass hilft bei der Suche. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die Sozialversicherung, bei manchen Leistungen kann ein Selbstbehalt anfallen.