Was ist eine Krise?
In der Fachliteratur zu psychischen Krisen sind vor allem Lebenskrisen gemeint. Ausgelöst werden sie durch einschneidende Ereignisse wie Verluste, Bedrohungen des Lebens oder große Veränderungen in der Lebensführung.
Typisch ist, dass ein Mensch mit etwas Neuem konfrontiert ist, das er zunächst nicht bewältigen kann, und sich überfordert fühlt. Eine Krise ist zeitlich begrenzt, wirkt sich aber auf die Zukunft aus, im positiven wie im negativen Sinn.
Woher kommt das Wort?
„Krise“ geht auf das griechische „krísis“ zurück, das zu „krínein“ für „scheiden, trennen, entscheiden“ gehört. In der Medizin bezeichnete es zunächst den Höhepunkt oder Wendepunkt einer Krankheit, später den raschen Fieberabfall bei Infektionskrankheiten.
Welche Formen von Krisen beschreiben Fachleute?
Zwei klassische Konzepte beschreiben Entstehung und Verlauf von Krisen besonders anschaulich: die traumatische Krise, die auf Cullberg (1978) zurückgeht, und die Veränderungskrise nach Caplan (1964). Eine traumatische Krise folgt auf plötzliche, meist unvorhergesehene Schicksalsschläge wie Krankheit, Tod eines nahen Angehörigen, Trennung oder Kündigung.
Eine Veränderungskrise entsteht, wenn sich Veränderungen nicht in das bisherige Leben einfügen lassen. Häufig kommt dabei das Gefühl auf zu versagen, in der Regel werden aber auch innere und äußere Kräfte mobilisiert. Fehlen Hilfe oder andere Handlungsmöglichkeiten, können Rückzug oder eine sich verfestigende Krise folgen.
Wie verläuft eine Krise?
Modelle, etwa von der Psychologin Verena Kast oder dem Psychiater Cullberg, beschreiben den Verlauf grob in vier Phasen. Am Anfang steht oft ein Schock mit Nicht-Wahrhaben-Wollen, innerem Chaos oder dem Gefühl, wie gelähmt zu sein. Bei einer traumatischen Krise kann diese Phase einige Minuten bis etwa 24 Stunden dauern. Fachleute raten, einen Menschen in dieser Phase nicht allein zu lassen.
In der Reaktionsphase dringt die Wirklichkeit ins Bewusstsein, oft mit großer Angst, Kontrollverlust oder Hilflosigkeit. Danach folgen die Bearbeitung, in der die Situation angenommen und nach Lösungen gesucht wird, und die Neuorientierung.
Was hilft in einer Krise?
Viele Krisen werden ohne professionelle Hilfe bewältigt. Den besten Schutz vor gefährlichen Entwicklungen sieht das Kriseninterventionszentrum Wien im offenen Gespräch mit einem vertrauten Menschen, oft auch mit Berater:innen, Therapeut:innen oder Ärzt:innen.
Im besten Fall werden Lösungen gefunden, und eine Krise kann zur Chance werden, sich weiterzuentwickeln. Misslingt die Bewältigung, birgt sie aber auch Gefahren, weshalb rechtzeitige Hilfe wichtig ist.
Wann braucht es mehr als Zeit?
Fachliche Hilfe braucht es, wenn Beschwerden anhalten oder aus der Krise eine seelische Erkrankung zu werden droht, die Grenzen sind fließend. Reagiert ein Mensch auf ein belastendes, aber nicht traumatisches Ereignis vorübergehend mit Beschwerden wie depressiven oder Angstsymptomen, sprechen Fachleute etwa von einer Anpassungsstörung. Die akute Belastungsreaktion beginnt meist innerhalb von Minuten nach einer außergewöhnlichen Belastung und hält Stunden bis Tage an.
In der Reaktionsphase einer Krise kann auch Suizidalität auftreten. Kommen Suizidgedanken auf, kann eine Art Tunnelblick entstehen, bei dem Positives ausgeblendet wird und Negatives in den Vordergrund rückt. Werden die Gedanken stärker oder besteht Sorge um die eigene Sicherheit, rät das Gesundheitsportal, nicht allein zu bleiben und sofort Hilfe zu holen. Ein Notfall liegt vor, wenn Leben oder Gesundheit unmittelbar gefährdet sind, etwa bei konkreten Suizidplänen. Dann ist sofort ärztliche Hilfe über die Rettung unter 144 nötig.
Wo gibt es in Österreich Hilfe?
Die Telefonseelsorge ist unter 142 rund um die Uhr erreichbar, auch per E-Mail und Chat. Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht anonym und rund um die Uhr unter 147. Im Notfall hilft die Rettung unter 144, bei akuter Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133.
Professionelle Unterstützung bieten etwa Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen, Fachärzt:innen für Psychiatrie sowie Ambulanzen für Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychotherapie.