balancio

Bewältigungsstrategien

04:39

Auf den Punkt gebracht

Bewältigungsstrategien, in der Fachsprache Coping genannt, sind die Gedanken und Handlungen, mit denen Menschen auf belastende Situationen reagieren. Sie können darauf zielen, ein Problem zu lösen oder die Gefühle zu regulieren, die es auslöst. Welche Strategie hilft, hängt von der Situation, der Person und ihren Möglichkeiten ab.

Was sind Bewältigungsstrategien?

Bewältigungsstrategien zeigen sich immer dann, wenn eine Situation als belastend erlebt wird und die eigenen Kräfte stark beansprucht oder übersteigt. Das kann ein Konflikt in der Familie sein, ein Alltagsärgernis oder der Umgang mit einer Krebserkrankung. Fachleute beschreiben Coping als dynamischen Prozess, in dem Denken, Gefühle und Verhalten zusammenspielen. Ziel ist, die Anforderungen zu meistern, Verluste und Konflikte aufzufangen und das eigene Wohlbefinden wiederherzustellen.

Im wissenschaftlichen Sinn zählt dabei schon das Bemühen, nicht erst der Erfolg. Auch wer eine Belastung nur aushält oder ihr ausweicht, bewältigt sie in diesem Sinn. In der Alltagssprache klingt „Bewältigung“ dagegen schon nach einem guten Ausgang.

Woher kommt der Begriff?

Das englische „to cope“ bedeutet so viel wie „mit etwas fertigwerden“ oder „kämpfen mit“. Als Fachbegriff stammt Coping aus der Stressforschung und wurde vom US-amerikanischen Psychologen Richard S. Lazarus geprägt. Gemeinsam mit Susan Folkman beschrieb er Coping 1984 als ständig wechselnde gedankliche und praktische Bemühungen, mit Anforderungen fertigzuwerden, welche die eigenen Ressourcen beanspruchen oder übersteigen.

Nach diesem Verständnis sind Menschen Belastungen nicht einfach ausgeliefert. Wie sie eine Situation einschätzen und ob sie sich die Bewältigung zutrauen, beeinflusst laut Gesundheitsportal, wie gut sie mit Stress umgehen.

Welche Formen gibt es?

Meist unterscheiden Fachleute zwei Grundformen. Problemorientiertes Coping versucht, die belastende Lage selbst zu verändern, etwa indem jemand einen Konflikt offen anspricht oder Aufgaben abgibt. Emotionsorientiertes Coping zielt darauf, die belastenden Gefühle zu regulieren. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn sich eine Situation nicht ändern lässt, und kann etwa über Entspannung, Sport oder Ablenkung geschehen.

Eine andere Einteilung beschreibt vier Wege. Menschen suchen Informationen, handeln direkt, etwa indem sie um Hilfe bitten, unterlassen bewusst etwas oder deuten eine Bedrohung innerlich um. Coping kann auf ein Problem reagieren oder schon im Voraus geschehen. Ob auch unbewusste Reaktionen wie das Verdrängen dazugehören, sehen Fachleute unterschiedlich. Manche zählen sie zum Coping, andere grenzen bewusste Bewältigung von den unbewussten Abwehrmechanismen der Psychoanalyse ab.

Welche Strategie ist die richtige?

Eine allgemein beste Strategie gibt es nicht. Ob eine Strategie hilft, lässt sich je nach Blickwinkel unterschiedlich beurteilen, etwa nach dem körperlichen, seelischen oder sozialen Befinden und nach dem Zeitraum. Das Verleugnen einer Krankheit kann etwa kurzfristig entlasten, langfristig aber ungünstig sein. Manche Strategien sind selbst riskant, zum Beispiel Alkohol oder Drogen, um ein Problem zu verdrängen.

Günstig scheint es zu sein, über viele verschiedene Strategien zu verfügen und flexibel zwischen ihnen zu wechseln. Bei chronischen Erkrankungen ist Bewältigung zudem keine einmalige Aufgabe, sondern ein fortlaufender Prozess. Wie gut Bewältigung gelingt, hängt auch von den verfügbaren Ressourcen ab.

Was hilft in schwierigen Zeiten?

In Krisen kann es helfen, sich zu fragen, was man bisher schon bewältigt hat und was dabei geholfen hat. Darüber nachzudenken, mit anderen zu sprechen oder es aufzuschreiben, erleichtert es, sich später daran zu erinnern.

Niemand muss allein durch eine Krise gehen, und je früher Unterstützung gesucht wird, desto besser. Das kann ein Gespräch mit einer vertrauten Person sein oder professionelle Hilfe bei Psychotherapeut:innen und Klinischen Psycholog:innen. In einer akuten Krise ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142 erreichbar, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall hilft die Rettung unter 144.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)