Die Psychoanalyse ist eine von Sigmund Freud in Wien begründete Psychotherapie. Sie geht davon aus, dass unbewusste Motive und Konflikte Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmen, und macht diese Zusammenhänge im Gespräch verstehbar. In Österreich zählt sie zur psychoanalytisch-psychodynamischen Ausrichtung und wird hochfrequent oder als niederfrequente psychoanalytische Psychotherapie angeboten.
Was ist Psychoanalyse?
Die Psychoanalyse befasst sich mit den unbewussten Beweggründen menschlichen Verhaltens. Solche Motive wirken nach ihrem Verständnis auch bei der Entstehung psychischer und psychosomatischer Beschwerden mit. Menschliches Handeln gilt dabei als Kompromiss zwischen bewussten und unbewussten Motiven.
Unangenehme oder schmerzliche Erfahrungen können verdrängt werden und zu inneren Konflikten führen. Diese können sich in körperlichen Symptomen oder in psychischen Problemen wie Depression, Zwängen oder Phobien äußern. Ziel der Behandlung ist, die lebensgeschichtlichen Hintergründe des aktuellen Leidens zu erkennen und auch gefühlsmäßig zu erfahren.
Woher kommt die Psychoanalyse?
Sigmund Freud (1856–1939) war Neurologe in Wien. Nach Arbeiten zur Hypnose und einer gemeinsamen Veröffentlichung mit Josef Breuer über hysterische Erscheinungen wandte er sich seelischen Erkrankungen ohne organischen Befund zu. Daraus entstand die Psychoanalyse, um 1900 erschien sein Werk „Die Traumdeutung“.
Das Sozialministerium beschreibt sie als erste auf Einsicht beruhende Psychotherapie mit einer umfassenden Krankheitslehre. 1938 musste Freud vor dem Nationalsozialismus nach London fliehen, wo er 1939 starb. Seine berühmte Couch nahm er mit ins Exil, sie steht heute im Freud Museum London. Aus der Psychoanalyse entwickelten sich weitere Richtungen, etwa die Selbstpsychologie nach Heinz Kohut.
Wie läuft eine Psychoanalyse ab?
Im Mittelpunkt steht das Sprechen über freie Einfälle, also über alles, was zur Lebenssituation, zu Vorstellungen und Träumen in den Sinn kommt. Die Analytikerin oder der Analytiker hört teilnehmend und neutral zu, klärt und fügt unterschiedliche Bedeutungen zusammen. Daraus können Einsichten entstehen, die einen freieren Umgang mit sich selbst und der eigenen Geschichte ermöglichen.
Ein zentraler Begriff ist die Übertragung. Gemeint ist, dass frühere Beziehungserfahrungen in der Beziehung zur Analytiker:in wieder lebendig werden und dort bearbeitet werden können.
Eine klassische Analyse findet laut Sozialministerium vier- bis fünfmal pro Woche im Liegen statt und dauert relativ lange. Die psychoanalytische Psychotherapie arbeitet ähnlich, aber ein- bis zweimal pro Woche im Sitzen. In Krisen kann eine Kurzzeit- oder Fokaltherapie sinnvoll sein. Angeboten wird die Psychoanalyse auch für Kinder, Jugendliche, Paare und Familien.
Psychoanalyse oder psychoanalytische Psychotherapie?
In Österreich heißt die anerkannte Methode „Psychoanalyse/Psychoanalytische Psychotherapie“. Der Doppelname soll zeigen, dass in der Praxis sowohl die hochfrequente Analyse als auch die niederfrequente Psychotherapie angewandt werden. Eine Fachübersicht aus Wien hält fest, dass die Unterscheidung oft pragmatisch über die Zahl der Sitzungen oder die Couch erfolgt.
Daneben gibt es eigene, verwandte Methoden wie die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie. Sie arbeitet im Sitzen mit ein bis zwei Sitzungen pro Woche und stärker im Hier und Jetzt der therapeutischen Beziehung.
Wer bietet Psychoanalyse in Österreich an?
Psychoanalyse bieten Psychotherapeut:innen an, die in dieser Methode ausgebildet und in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung. Für reine Persönlichkeitsentwicklung gibt es keine Kostenübernahme.
Wo liegen die Grenzen?
Die Wirksamkeit der hochfrequenten Psychoanalyse ist schwer zu erforschen und umstritten. Eine Übersichtsarbeit von 2013 fand bei Patient:innen deutliche Verbesserungen, stützte sich aber fast nur auf Studien ohne Vergleichsgruppe. Die Autor:innen sahen darin eine ernste Einschränkung.
Zu langen psychodynamischen Therapien kommen Metaanalysen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Für kürzere psychodynamische Therapien zeigte ein Cochrane-Review von 2014 vielversprechende Ergebnisse, die aber vorsichtig zu deuten sind. Die deutsche Leitlinie zur Depression hält fest, dass es zu psychodynamischen Verfahren weniger randomisierte Studien gibt als zur Verhaltenstherapie.
Eine Psychoanalyse erfordert zudem viel Zeit. Ob sie im Einzelfall passt, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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