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Psychotherapie

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Auf den Punkt gebracht

Psychotherapie ist die Behandlung seelischer Leiden und psychischer Erkrankungen mit wissenschaftlich fundierten Methoden, und zwar in einer therapeutischen Beziehung. Sie kann einzeln, in der Gruppe oder als Paar stattfinden. In Österreich ist sie ein eigenständiges Heilverfahren, das berufsmäßig nur eingetragene Psychotherapeut:innen ausüben dürfen.

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist ein eigenständiges Heilverfahren, das auf wissenschaftlich fundierten psychotherapeutischen Methoden beruht. Sie soll seelisches Leiden lindern, die psychische Gesundheit fördern und helfen, belastende Erfahrungen, emotionale Schwierigkeiten oder psychische Erkrankungen besser zu bewältigen.

Das österreichische Psychotherapiegesetz 2024 beschreibt sie als bewusste, geplante und umfassende Anwendung wissenschaftlicher Methoden in einer therapeutischen Beziehung. Ziel ist, Störungen mit Krankheitswert vorzubeugen, sie festzustellen, zu lindern und zu heilen. Ebenso soll Psychotherapie behandlungsbedürftige Verhaltensweisen verändern und Entwicklung, Reifung und Gesundheit fördern.

Allen Verfahren gemeinsam sind intensive Gespräche, etwa um ungünstige Muster im Denken, Fühlen oder Handeln besser zu verstehen. Je nach Methode kommen Übungen, kreative oder körperbezogene Techniken hinzu. Das bekannte Bild von der Couch beruht auf einem Verfahren, das laut IQWiG in Deutschland heute nur noch selten eingesetzt wird.

Woher kommt der Begriff?

Das Wort verbindet das griechische „psychḗ“ für Hauch, Atem und Seele mit „therapeía“ für Dienst, Pflege und Behandlung. Im Deutschen ist „Psychotherapie“ für die Behandlung seelischer oder seelisch bedingter Leiden mit psychischen Mitteln seit dem Ende des 19. Jahrhunderts belegt.

Die von Sigmund Freud begründete Psychoanalyse gilt laut Sozialministerium als erste auf Einsicht beruhende Psychotherapie mit einer umfassenden psychologischen Krankheitslehre. Bis Ende 2024 regelte in Österreich das Psychotherapiegesetz aus dem Jahr 1990 den Beruf. Seit 1. Jänner 2025 gilt das Psychotherapiegesetz 2024.

Wann kann Psychotherapie helfen?

Psychotherapie kommt bei vielen psychischen Erkrankungen infrage, etwa bei Ängsten, Depressionen, Zwängen, Süchten, Essstörungen, Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen. Auch nach schweren Belastungen, bei psychosomatischen Beschwerden und bei körperlichen Erkrankungen, die seelisch belasten, kann sie unterstützen. Dazu kommen belastende Lebenssituationen und Krisen, zum Beispiel in Partnerschaft, Familie oder Arbeit.

Sinnvoll sein kann sie laut IQWiG, wenn Beschwerden über mehrere Wochen anhalten und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Weil seelische Symptome auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.

Wie läuft eine Psychotherapie ab?

Am Anfang stehen Gespräche, in denen sich klärt, ob Psychotherapie passt und ob ein Klima des Vertrauens entstehen kann. Ob eine Methode im Einzelfall hilft, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Vor Beginn müssen Psychotherapeut:innen unter anderem über ihr Vorgehen, Dauer und Häufigkeit der Sitzungen, mögliche Alternativen und den Preis aufklären.

Psychotherapie findet im Einzel-, Gruppen- oder Paarsetting statt und kann weitere Personen einbeziehen, etwa die Familie. Wie lange sie dauert, hängt von Methode und Problem ab. Die Methodenbeschreibungen des Sozialministeriums nennen Spannen von einigen Stunden bis zu mehreren Jahren, häufig mit ein bis zwei Sitzungen pro Woche.

Per Video oder Telefon ist Psychotherapie erlaubt, wenn es dafür fachliche oder örtliche Gründe gibt, die Patient:innen einverstanden sind und die Verschwiegenheit gewahrt bleibt. Über alles, was ihnen anvertraut wird, müssen Psychotherapeut:innen schweigen, auch über den Tod hinaus.

Welche Richtungen gibt es?

Das Gesetz teilt die Psychotherapie in vier Ausrichtungen ein: Humanistische Therapie, Psychoanalytisch-Psychodynamische Therapie, Systemische Therapie und Verhaltenstherapie. Den Ausrichtungen liegen laut Sozialministerium unterschiedliche Menschenbilder zugrunde. Die Verhaltenstherapie setzt etwa an konkreten Problemen und Lernprozessen an, psychodynamische Verfahren gehen vom Einfluss des Unbewussten und früherer Erfahrungen aus.

Innerhalb dieser Ausrichtungen sind in Österreich über 20 Methoden anerkannt, von der Psychoanalyse bis zur Systemischen Familientherapie. Welche passt, hängt laut IQWiG von der Erkrankung, aber auch von eigenen Vorlieben und Zielen ab.

Wie gut wirkt Psychotherapie?

Laut Sozialministerium ist die Wirksamkeit von Psychotherapie für unterschiedliche Störungsbilder in Studien belegt. Bei Depressionen zeigen viele Studien, dass sie Beschwerden lindert und das Rückfallrisiko senken kann. Welches Verfahren in welcher Situation am besten hilft, lässt sich dort derzeit aber nicht sicher sagen. Wichtig ist auch die Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeuten.

Wie Medikamente kann auch Psychotherapie unerwünschte Wirkungen haben. Die Arbeit an belastenden Themen kann vorübergehend überfordern oder Selbstzweifel verstärken. Verändert sich das eigene Verhalten, kann das Spannungen in Beziehungen auslösen, und es kann eine Abhängigkeit von der Therapeutin oder dem Therapeuten entstehen. Solche Nebenwirkungen sind bisher wenig untersucht. Hilfreich ist, Erwartungen vorab offen zu besprechen und Schwierigkeiten in der Therapie anzusprechen.

Wer bezahlt Psychotherapie in Österreich?

Bei Vertragspartner:innen der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) übernimmt die Kasse die Kosten, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Die ÖGK-Liste der Vertragspartner:innen enthält auch die Kontakte der zuständigen Clearingstellen. Bei freiberuflichen Psychotherapeut:innen zahlt man das Honorar zunächst selbst und erhält von der ÖGK einen fixen Kostenzuschuss, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören laut Gesundheitsportal in der Regel eine psychische Störung mit Krankheitswert und eine ärztliche Bestätigung. Im Spital sowie bei bewilligter Rehabilitation oder Kur sind psychotherapeutische Leistungen in der Regel abgedeckt.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum vollendeten 21. Lebensjahr können über das Programm „Gesund aus der Krise“ bis zu 15 kostenfreie Behandlungseinheiten erhalten. Ab 14 Jahren ist die Anmeldung auch ohne die Eltern möglich. Finanziert ist das Programm derzeit bis Ende Juni 2027.

Wo liegen die Grenzen?

Psychotherapie umfasst keine Verschreibung von Medikamenten. Bei schweren Depressionen werden Psychotherapie und Medikamente häufig kombiniert. Bei Bedarf überweisen Psychotherapeut:innen zur ärztlichen oder klinisch-psychologischen Diagnostik und Behandlung.

In akuten Krisen oder bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142. Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147, im Notfall die Rettung unter 144.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (10)