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Humanistische Psychotherapie

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Auf den Punkt gebracht

Humanistische Psychotherapie ist der Sammelbegriff für psychotherapeutische Methoden, die den Menschen als einzigartige, freie und verantwortliche Person sehen und auf seine Fähigkeit zur Entwicklung vertrauen. Im Mittelpunkt stehen die therapeutische Beziehung und das eigene Erleben. In Österreich ist die Humanistische Therapie eine der vier gesetzlich festgelegten Ausrichtungen der Psychotherapie.

Was ist Humanistische Psychotherapie?

Humanistische Psychotherapie ist keine einzelne Methode, sondern eine Grundorientierung, zu der mehrere Methoden gehören. Die Methoden verbindet ein gemeinsames Menschenbild. Laut Patienteninformation des Sozialministeriums betont es die Einzigartigkeit, Ganzheit, Freiheit, Beziehungsfähigkeit und Verantwortung der Person.

Als zentrale Motive gelten die Selbstaktualisierung, also das Streben, die eigenen Möglichkeiten zu entfalten, und die Orientierung an Beziehungen. Nach diesem Verständnis können Menschen ein erfülltes Leben verwirklichen, wenn sie Wertschätzung und nährende Beziehungen erfahren. Die theoretischen Grundlagen liegen in der Existenzphilosophie und der Humanistischen Psychologie.

Woher kommt die humanistische Psychotherapie?

Die humanistische Bewegung entstand in den späten 1950er-Jahren in den USA als Gegenentwurf zu den beiden damals vorherrschenden Richtungen. Der Behaviorismus klammerte das bewusste innere Erleben weitgehend aus, die Tiefenpsychologie sah das Verhalten vor allem vom Unbewussten bestimmt. Die neue Richtung wurde deshalb „dritte Kraft“ genannt, in Anlehnung an eine Zählweise des Psychologen Abraham Maslow.

1957 und 1958 trafen sich auf Einladung von Maslow und Clark Moustakas Psycholog:innen in Detroit, 1961 entstand die American Association for Humanistic Psychology. 1964 folgte eine Konferenz in Old Saybrook (Connecticut), an der unter anderem Carl Rogers, Rollo May und Charlotte Bühler teilnahmen. Rogers entwickelte die personzentrierte Therapie, May brachte die europäische Existenzphilosophie ein.

Auch eine Spur führt nach Wien. Charlotte Bühler lehrte bis 1938 Psychologie an der Universität Wien, bevor die Nationalsozialisten sie vertrieben. In der neuen amerikanischen Gesellschaft war sie 1965/66 Präsidentin.

Welche Methoden gehören in Österreich dazu?

Das Psychotherapiegesetz 2024 gliedert die Psychotherapie in vier Ausrichtungen, sogenannte Cluster: Humanistische Therapie, Psychoanalytisch-Psychodynamische Therapie, Systemische Therapie und Verhaltenstherapie. Zur humanistischen Ausrichtung zählen laut Sozialministerium diese Methoden: Existenzanalyse, Existenzanalyse und Logotherapie, Gestalttheoretische Psychotherapie, Integrative Gestalttherapie, Integrative Therapie, Klientenzentrierte und Personzentrierte Psychotherapie sowie Psychodrama. In älteren Übersichten heißt die Ausrichtung auch „humanistisch-existenzielle Orientierung“.

Psychotherapeut:innen dürfen die erlernte Ausrichtung in Klammern an ihre Berufsbezeichnung anfügen, etwa „Psychotherapeutin (Humanistische Therapie)“. Die Methode kann nach einem Schrägstrich ergänzt werden.

Wie arbeitet man in einer humanistischen Psychotherapie?

Gemeinsam ist den Methoden, dass die Beziehung zwischen Therapeut:in und Klient:in als tragend gilt und das gegenwärtige Erleben viel Raum bekommt. Grundlage ist, wie in jeder Psychotherapie, das Gespräch. Manche Methoden setzen zusätzlich erlebnisaktivierende Verfahren ein, etwa kreative Medien, Vorstellungsübungen, szenisches Spiel oder Körper- und Bewegungsarbeit. Im Psychodrama werden zum Beispiel Situationen und Rollen gespielt. Je nach Methode gibt es Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie.

Was sagt die Forschung?

Laut Sozialministerium zeigt Psychotherapie in Studien eine hohe, auch langfristige Wirksamkeit, und es gibt keine Hinweise auf beeinträchtigende Wirkungen korrekt ausgeübter Psychotherapie. Eine Übersichtsarbeit über 91 Studien aus den Jahren 2009 bis 2018 untersuchte humanistisch-experienzielle Therapien, darunter personzentrierte und emotionsfokussierte Therapie, Gestalttherapie und Psychodrama. Sie fand große Verbesserungen und im Vergleich mit anderen Therapien gleichwertige Ergebnisse.

Bei Depression und Angst waren die Befunde gemischter. Für die kognitive Verhaltenstherapie zeigte sich in direkten Vergleichen ein leichter, aber nicht eindeutiger Vorteil, allerdings stammten diese Studien laut den Autor:innen überwiegend von Forschenden der Verhaltenstherapie. Der Erstautor der Übersicht ist selbst Mitentwickler der emotionsfokussierten Therapie.

Wer bietet humanistische Psychotherapie in Österreich an?

Psychotherapie dürfen in Österreich nur Personen ausüben, die in die Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. Sie kann ohne ärztliche Überweisung in Anspruch genommen werden. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung. Weil Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu. Ob eine Methode im Einzelfall passt, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (8)