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Tiefenpsychologie

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Auf den Punkt gebracht

Tiefenpsychologie ist ein Sammelbegriff für psychologische Schulen, die davon ausgehen, dass unbewusste seelische Vorgänge Erleben und Verhalten mitbestimmen. Am Anfang steht die Psychoanalyse Sigmund Freuds, aus der weitere Richtungen hervorgingen. In Österreich gehören tiefenpsychologische Methoden zur psychoanalytisch-psychodynamischen Ausrichtung der Psychotherapie.

Was ist Tiefenpsychologie?

Die Tiefenpsychologie beschäftigt sich mit seelischen Regungen, die unbewusst im Fühlen, Vorstellen und Handeln wirksam werden. Solche Regungen stehen nach diesem Verständnis oft mit verdrängten Konflikten und Resten früherer Erlebnisse in Verbindung. Zur Tiefenpsychologie gehört auch die Lehre davon, wie sich diese Vorgänge verstehen und beeinflussen lassen.

Tiefenpsychologische Therapien sehen die Ursache psychischer Probleme in unbewussten seelischen Konflikten. Dahinter steht die Annahme, dass sich Schwierigkeiten im Alltag besser bewältigen lassen, wenn klar ist, woher sie rühren.

Woher kommt die Tiefenpsychologie?

Als Begründer der Psychoanalyse und damit der Tiefenpsychologie gilt der Wiener Neurologe Sigmund Freud (1856–1939). In seinem Kreis diskutierte ab 1902 auch der Wiener Arzt Alfred Adler mit. Adler entwickelte jedoch eine eigene Lehre und brach 1911 mit Freud.

Adlers Individualpsychologie gilt als zweitälteste psychotherapeutische Schule der Tiefenpsychologie. Er sah im Versuch, erlebte Minderwertigkeit auszugleichen, eine Ursache seelischer Störungen.

Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (1875–1961) begründete die Analytische Psychologie. Sie schenkt Träumen und symbolhaften Bildern besondere Aufmerksamkeit. Später kamen weitere Richtungen dazu, etwa die Selbstpsychologie nach Heinz Kohut.

Welche Methoden zählen in Österreich dazu?

In Österreich gibt es keine Psychotherapiemethode mit dem Namen „Tiefenpsychologie“. Das Gesundheitsportal nennt sie als Beispiel für die psychoanalytisch-psychodynamische Ausrichtung, eine der vier gesetzlichen Ausrichtungen der Psychotherapie. Deren Schwerpunkte sind laut Sozialministerium das Unbewusste sowie Übertragung und Gegenübertragung. Frühere Erfahrungen sollen durch neue Beziehungserfahrungen mit der Psychotherapeutin oder dem Psychotherapeuten korrigiert werden.

Die Berufsliste Psychotherapie führt in dieser Ausrichtung zwölf Methoden. Dazu gehören neben der Psychoanalyse etwa die Individualpsychologie, die Analytische Psychologie, die Katathym Imaginative Psychotherapie und die Transaktionsanalytische Psychotherapie. Ging es früher vor allem darum, Unbewusstes bewusst zu machen, soll Patient:innen heute die eigene Persönlichkeitsstruktur zugänglich werden.

Was heißt „tiefenpsychologisch fundiert“?

„Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie“ ist ein Begriff aus dem deutschen Gesundheitssystem und dort eines der Verfahren, die Krankenkassen bezahlen. Sie hat sich aus der klassischen Psychoanalyse entwickelt, ist aber stärker zielgerichtet. Ausgangspunkt sind aktuelle Konflikte, an die Erinnerungen aus Kindheit und Jugend angeknüpft werden.

Laut dem deutschen Gesundheitsinstitut IQWiG dauert sie in der Regel sechs Monate bis zwei Jahre. Analytische Psychotherapien laufen laut der deutschen Leitlinie zur Depression dagegen häufiger länger und mit mehr Sitzungen pro Woche. In der österreichischen Berufsliste gibt es keine Methode dieses Namens.

Wer bietet tiefenpsychologische Psychotherapie in Österreich an?

Tiefenpsychologisch arbeiten Psychotherapeut:innen, die in einer Methode der psychoanalytisch-psychodynamischen Ausrichtung ausgebildet und in der Berufsliste eingetragen sind. Sie dürfen diese Ausrichtung als Zusatzbezeichnung führen. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung. Für reine Persönlichkeitsentwicklung gibt es keine Kostenübernahme.

Wo liegen die Grenzen?

Psychodynamische Verfahren sind weniger mit randomisierten Studien untersucht als die Verhaltenstherapie, hält die deutsche Leitlinie zur Depression fest. Ein Grund ist, dass sich lange Behandlungen schwer erforschen lassen. Ein Cochrane-Review von 2014 fand für kürzere psychodynamische Therapien vielversprechende Ergebnisse, die aber vorsichtig zu deuten sind.

Ob eine Methode im Einzelfall passt, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (11)