Die Katathym Imaginative Psychotherapie, kurz KIP, ist eine tiefenpsychologische Psychotherapiemethode, die mit inneren Bildern arbeitet. In leichter Entspannung stellen sich Klient:innen Szenen vor, beschreiben sie und bearbeiten sie im Gespräch weiter. In Österreich ist die KIP eine anerkannte Methode der psychoanalytisch-psychodynamischen Ausrichtung.
Was ist Katathym Imaginative Psychotherapie?
Die KIP beruht auf einer tiefenpsychologischen Sicht und richtet sich auf unbewusste Vorgänge im Seelenleben. Zum psychoanalytischen Vorgehen fügt sie die Imagination hinzu, also innere Bilder als Symbolsprache des Unbewussten. Mit ihrer Hilfe sollen seelische Kraftquellen aktiviert und neue Lösungen für Konflikte gefunden werden.
Wie andere psychodynamische Verfahren geht die KIP davon aus, dass frühere Erfahrungen das heutige Befinden prägen. Genannt werden etwa kindliche Konflikte, Mangelerfahrungen und Traumen. Im Mittelpunkt steht aber eine neue emotionale Erfahrung: In der Vorstellung können Gefühle durchlebt und neue Wege probeweise beschritten werden.
Das Wort „katathym“ ist aus griechischen Wortbestandteilen gebildet und bedeutet laut Duden unter anderem „affektbedingt, wunschbedingt“. Die österreichische Fachgesellschaft übersetzt es mit „emotionsgeleitet“.
Woher kommt die KIP?
Begründet hat die Methode Hanscarl Leuner, ein jungianisch ausgebildeter Psychoanalytiker und Forscher. Seine ersten Fachartikel zum „katathymen Bilderleben“ erschienen Mitte der 1950er-Jahre, unter diesem Namen war die Methode lange bekannt. Leuner konzipierte sie ursprünglich als Kurztherapie. Die Grundidee knüpft an die „aktive Imagination“ von C. G. Jung an.
Seither wurde die Methode weiterentwickelt, heute ist sie in mehreren europäischen Ländern verbreitet. In Österreich bildet die Österreichische Gesellschaft für angewandte Tiefenpsychologie und allgemeine Psychotherapie (ÖGATAP) darin aus.
Wie läuft eine KIP ab?
In einem leichten Entspannungszustand wird die Klientin oder der Klient zu Tagträumen angeregt und erzählt laufend, was innerlich auftaucht. Häufig schlägt die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut ein Motiv vor, etwa ein Haus oder einen Berg. Von dort aus kann sich die innere Szene frei weiterentwickeln und mit allen Sinnen erkundet werden.
Die auftauchenden Bilder und Gefühle werden anschließend im tiefenpsychologischen Gespräch besprochen und durchgearbeitet, oft in eigenen Stunden ohne Imagination. Auch die Beziehung zwischen Klient:in und Psychotherapeut:in ist dabei ein wichtiger Teil der Arbeit.
Die KIP wird als Einzel-, Paar- und Gruppentherapie angewendet, meist mit einer Sitzung pro Woche. Sie ist vom Kindesalter bis ins hohe Alter einsetzbar. Kurztherapien umfassen laut Sozialministerium etwa 30 Stunden, Langzeittherapien dauern ein bis mehrere Jahre. Als realistische Ziele nennt das Ministerium unter anderem das Durcharbeiten von Konflikten und ein besseres Selbstwertgefühl.
Für wen ist die KIP nicht geeignet?
Nicht in jeder Lage passt die Arbeit mit inneren Bildern. In einer deutschen Interviewstudie nannten erfahrene KIP-Lehrtherapeut:innen klare Gründe dagegen, etwa Wahnerleben und psychotische Zustände, schwere Hoffnungslosigkeit mit Suizidgedanken oder sehr starke Wut und Aggression. Bei Traumafolgen oder großer emotionaler Instabilität setzen sie Imaginationen nur angepasst ein. Bei Suizidgedanken ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142 erreichbar, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.
Wer bietet KIP in Österreich an?
Die KIP bieten Psychotherapeut:innen an, die in der Methode ausgebildet und in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. In deren öffentlicher Suche lässt sich die Methode gezielt auswählen. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung.
Wo liegen die Grenzen?
Die Forschung zur KIP ist überschaubar. Laut einer Fachpublikation aus 2021 fehlen neuere randomisierte kontrollierte Studien zur ambulanten Behandlung. Drei Studien unter Praxisbedingungen mit gemischten Patient:innengruppen zeigten demnach mäßige bis gute Ergebnisse, weitere Forschung gilt als nötig.
Ob eine Methode im Einzelfall hilft, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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