Was ist Integrative Gestalttherapie?
Die Integrative Gestalttherapie ist eine Methode, die Körper, Gefühle und Gedanken als zusammengehörig und den Menschen als Teil seines Umfelds versteht. Sie sieht ihn als ein Wesen, das Verantwortung übernehmen kann und auf Begegnung und Beziehung ausgerichtet ist. Ein Leben lang kann er sich weiterentwickeln und seine Möglichkeiten verwirklichen.
Ungünstige Entwicklungsbedingungen können nach diesem Verständnis die Wahrnehmung von sich und anderen sowie die Kontaktfähigkeit nachhaltig stören. Das kann sich etwa in psychosomatischen Beschwerden, psychischen Symptomen oder unbefriedigenden Beziehungen zeigen.
Das Wort „Gestalt“ bedeutet Beschaffenheit, Äußeres oder Figur und geht auf ein altes Partizip des Verbs „stellen“ zurück. In die Methode eingeflossen ist unter anderem die Wahrnehmungstheorie der Gestaltpsychologie. Daraus entstand ein Verfahren, das am Erleben ansetzt, dieses verstehend auslegt und auf den Dialog baut.
Woher kommt die Gestalttherapie?
Die Gestalttherapie entstand in den USA. Fritz und Lore Perls, die auch Laura genannt wird, wurden wie viele europäische Psychoanalytiker:innen vertrieben. Ende der 1940er-Jahre ließen sie sich in New York nieder. Dort begründeten sie mit dem Sozialphilosophen und Schriftsteller Paul Goodman eine eigene Psychotherapierichtung. Ihren Namen erhielt sie 1951 mit dem Buch „Gestalt Therapy“ von Fritz Perls, Ralph Hefferline und Paul Goodman.
Ein Jahr später entstand in New York das erste Institut für Gestalttherapie. Durch die Einbindung weiterer Konzepte und neuerer Forschung entwickelte sich daraus die Integrative Gestalttherapie. In Österreich gibt es seit 1979 eine eigene Fachsektion für diese Methode im Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik (ÖAGG).
Wie läuft eine Integrative Gestalttherapie ab?
In den Sitzungen achten Klient:in und Psychotherapeut:in gemeinsam auf das, was im Moment an Gedanken, Gefühlen und körperlichen Empfindungen auftaucht. Diese Erfahrungen sollen in ihrer Bedeutung erlebbar und besser in das eigene Leben eingebunden werden. Besonderes Gewicht hat die Beziehung zwischen Therapeut:in und Klient:in, in der eigene Beziehungsmuster spürbar werden können.
Neben dem Gespräch kommen erlebnisaktivierende Verfahren zum Einsatz, etwa Zeichnen und Malen, die Arbeit mit Symbolen, Rollenspiel, Vorstellungsübungen sowie Körper- und Bewegungsarbeit. Als Ziele nennt das Sozialministerium mehr Kontakt- und Beziehungsfähigkeit, ein vertieftes Sinnerleben und mehr Lebensfreude.
Angeboten wird die Methode als Einzel- und Gruppentherapie sowie für Paare und Familien. Meist finden eine bis höchstens zwei Sitzungen pro Woche zu je 50 Minuten statt, Paar- und Familiensitzungen dauern meist 90 Minuten. Eine Einzeltherapie kann einige Stunden bis einige Jahre dauern.
Was unterscheidet sie von verwandten Methoden?
In Österreich sind drei ähnlich klingende humanistische Methoden getrennt anerkannt. Die Gestalttheoretische Psychotherapie leitet sich aus der Gestaltpsychologie der sogenannten Berliner Schule ab und ist eine eigene Methode. Die Integrative Therapie verbindet Konzepte verschiedener Therapieschulen und ist ebenfalls eigenständig. Wer gezielt Integrative Gestalttherapie sucht, sollte auf die genaue Methodenbezeichnung achten.
Wer bietet Integrative Gestalttherapie in Österreich an?
Die Methode bieten Psychotherapeut:innen an, die darin ausgebildet und in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. In deren öffentlicher Suche lässt sich die Integrative Gestalttherapie gezielt auswählen. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung.
Wo liegen die Grenzen?
Zur Wirksamkeit der Gestalttherapie gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Eine Metaanalyse aus 1994 wertete 38 Studien aus den Jahren 1970 bis 1986 aus und fand die Gestalttherapie wirksam und vergleichbaren Verfahren nicht unterlegen. Zu Langzeitwirkungen und dazu, für wen sie besonders passt, waren keine sicheren Aussagen möglich. Das deutsche Institut IQWiG zählt die Gestalttherapie zu den Verfahren, deren Wirksamkeit dort nicht wissenschaftlich anerkannt ist.
Ob eine Methode im Einzelfall hilft, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.