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Gestalttheoretische Psychotherapie

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Auf den Punkt gebracht

Die Gestalttheoretische Psychotherapie ist eine humanistische Psychotherapiemethode, die auf der Gestaltpsychologie der sogenannten Berliner Schule aufbaut. Sie versteht Erleben und Verhalten eines Menschen aus dem Zusammenspiel von Person und Umwelt. In Österreich ist sie eine eigene, staatlich anerkannte Methode.

Was ist Gestalttheoretische Psychotherapie?

Die Gestalttheoretische Psychotherapie, kurz GTP, stützt sich auf die Gestalttheorie und hat Bezüge zur Tiefenpsychologie und zur Systemtheorie. Ein Grundgedanke der Gestalttheorie wird oft mit dem Satz zitiert: „Das Ganze ist etwas anderes als die Summe seiner Teile.“ Der Name Gestalttheorie statt Gestaltpsychologie zeigt, dass die Theorie zwar in der Psychologie entstand, aber auch in Fächern wie Pädagogik oder Soziologie angewendet wird. Das Wort „Gestalt“ bedeutet Beschaffenheit, Äußeres oder Figur und geht auf ein altes Partizip des Verbs „stellen“ zurück.

Kern der Methode ist die strenge Unterscheidung zwischen der physikalischen Welt und der Welt, wie ein Mensch sie erlebt. Dieses Erleben gilt als ebenso wirklich und bestimmt unmittelbar, wie jemand fühlt und handelt. Ein bekanntes Beispiel ist der Reiter, der unbesorgt über eine weiße Fläche reitet und erst danach erfährt, dass es der zugefrorene Bodensee war. Krankheit versteht die GTP als Störung des Gleichgewichts zwischen dem Ich und seiner Welt.

Woher kommt die Gestalttheoretische Psychotherapie?

Die Wurzeln liegen in der Gestalttheorie, die Max Wertheimer, Wolfgang Köhler und Kurt Koffka Anfang des 20. Jahrhunderts begründeten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mussten die meisten führenden Köpfe der Berliner Schule emigrieren, vor allem in die USA.

Als eigene Psychotherapiemethode formulierte Hans-Jürgen P. Walter die GTP Ende der 1970er-Jahre. Im Jänner 1979 trafen sich auf seine Einladung in Stuttgart Interessierte, um einen Arbeitskreis in der Gesellschaft für Gestalttheorie und ihre Anwendungen zu gründen. Ursprünglich verstand sich der Ansatz als Vorschlag, Konzepte aus Psychoanalyse, Gesprächspsychotherapie, Psychodrama, Gestalttherapie, Verhaltenstherapie und weiteren Verfahren auf gestalttheoretischer Grundlage zu verbinden. Seither hat sich der Schwerpunkt der Weiterentwicklung zunehmend nach Österreich verlagert. Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie wurde 1994 vom zuständigen Bundesministerium als Ausbildungseinrichtung anerkannt.

Wie läuft eine Gestalttheoretische Psychotherapie ab?

Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Erkundung der Lebenssituation, so wie die Klientin oder der Klient sie erlebt. Dabei wird betrachtet, was anzieht, was abstößt und was als Hindernis wirkt. Grundlage ist eine sichere Atmosphäre mit Wertschätzung und Respekt, in der belastende Lebensthemen offen angesprochen und Ressourcen entdeckt werden können.

Wichtiger als bestimmte Techniken sind Grundsätze für die Zusammenarbeit. Veränderung kann sich demnach nur auf Kräfte stützen, die im Menschen selbst angelegt sind, und jeder Mensch hat sein eigenes Tempo. Neben dem Gespräch kommen Übungen zu Achtsamkeit, Wahrnehmung sowie Gefühls- und Körperausdruck zum Einsatz, ebenso die Arbeit mit Traumerinnerungen oder Fantasiereisen. Möglich sind auch Techniken aus Gestalttherapie und Psychodrama, etwa die Arbeit mit dem leeren Stuhl.

Angeboten wird die Methode als Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie.

Was unterscheidet sie von der Gestalttherapie?

Mit der Gestalttherapie nach Fritz Perls ist die GTP verwandt, aber nicht gleich. Beide tragen das Wort „Gestalt“ im Namen, die GTP bezieht sich jedoch unmittelbar auf die Gestalttheorie der Berliner Schule. In Österreich sind die Gestalttheoretische Psychotherapie und die Integrative Gestalttherapie zwei getrennt anerkannte Methoden. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Integrative Gestalttherapie“.

Wer bietet Gestalttheoretische Psychotherapie in Österreich an?

Die Methode bieten Psychotherapeut:innen an, die darin ausgebildet und in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. In deren öffentlicher Suche lässt sich die Methode gezielt auswählen. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung.

Wo liegen die Grenzen?

Die Anerkennung der Methode ist nicht in allen Ländern gleich. In Deutschland gehört sie nicht zu den Verfahren, die niedergelassene Psychotherapeut:innen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können. In Österreich ist sie dagegen staatlich anerkannt.

Ob eine Methode im Einzelfall hilft, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (9)