Was ist Psychodrama?
Im Psychodrama wird gehandelt, nicht nur geredet. Situationen und Rollen aus dem eigenen Leben werden dargestellt, und zum Gespräch kommt der körperliche Ausdruck dazu. Moreno sah den Menschen als soziales, spontanes und kreatives Wesen, das in Rollen handelt.
Im Mittelpunkt stehen deshalb die Beziehungen zu anderen Menschen. Ziel ist, festgefahrenes Rollenverhalten beweglicher zu machen und Spontaneität und Kreativität wieder verfügbar zu machen. Daraus sollen neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten entstehen.
Woher kommt das Psychodrama?
Jacob Levy Moreno (1889–1974) wurde in Bukarest geboren und kam als Kind nach Wien. Er studierte an der Universität Wien und arbeitete unter anderem als Arzt im Flüchtlingslager Mitterndorf an der Fischa. Anfang der 1920er-Jahre gründete er in Wien ein Stegreiftheater, in dem improvisiert gespielt wurde.
Der Psychoanalyse stand Moreno nach Darstellung der Fachsektion skeptisch gegenüber und verstand das Psychodrama eher als Gegenentwurf. 1925 wanderte er in die USA aus. Laut Fachsektion leitete er dort ab 1936 ein psychiatrisches Sanatorium in Beacon im Bundesstaat New York und entwickelte das Psychodrama und die Gruppenpsychotherapie weiter. Nach Österreich kehrte die Methode laut Fachsektion erst in den 1970er-Jahren in größerem Umfang zurück.
Wie läuft eine Psychodrama-Sitzung ab?
Eine klassische Sitzung gliedert sich laut einer Fachübersicht in drei Phasen. Nach einer Aufwärmphase folgt das Spiel, danach eine Austauschrunde in der Gruppe, das sogenannte Sharing.
Die Person, deren Thema gespielt wird, heißt Protagonist:in. Andere Gruppenmitglieder übernehmen Rollen, die Psychotherapeut:in leitet das Spiel.
Typisch ist der Rollentausch. Dabei schlüpft man in die Rolle eines Konfliktpartners, versetzt sich in ihn hinein und spürt zugleich, wie das eigene Verhalten auf das Gegenüber wirkt. Beim Doppeln steht jemand neben der Protagonist:in und spricht Gedanken und Gefühle aus, die unausgesprochen geblieben sind. Beim Spiegeln sieht die Protagonist:in zu, wie jemand anderer ihre Rolle nachspielt.
Konflikthafte Szenen werden wiederholt, um Einsicht und neue Lösungen zu ermöglichen. Dabei sollen die Möglichkeiten und Grenzen der Klient:innen berücksichtigt werden. Psychodrama wird in der Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie eingesetzt.
Wer bietet Psychodrama in Österreich an?
Als Psychotherapie bieten Psychodrama Psychotherapeut:innen an, die in dieser Methode ausgebildet und in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. Psychodramatische Techniken werden laut Fachsektion auch in Supervision, Sozialarbeit, Erwachsenenbildung, Schule und Coaching genutzt. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung.
Wo liegen die Grenzen?
Im Vergleich zu anderen Psychotherapien gibt es zum Psychodrama relativ wenig Forschung. Übersichtsarbeiten berichten von vielversprechenden Ergebnissen, aber auch von methodischen Schwächen. Eine Auswertung von 27 Studien aus den Jahren 2018 bis 2022 fand nur wenige randomisierte Studien und meist kleine Gruppen. In gut einem Fünftel der Studien zeigten sich keine statistisch nachweisbaren Veränderungen.
Das Spiegeln kann laut einer Fachübersicht unangenehm sein, weil sich jemand vorgeführt fühlen kann. Deshalb wird dafür eine geschulte Mitspielerin oder ein geschulter Mitspieler empfohlen. Ob die Methode im Einzelfall passt, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.