Was ist Supervision?
Supervision ist die geregelte Reflexion und Beratung von Arbeitsprozessen, beruflichen Rollen und Tätigkeiten. So beschreibt es eine Richtlinie des Sozial- und Gesundheitsministeriums, die aber auch festhält, dass es kein einheitliches Verständnis gibt. Im Mittelpunkt stehen Fragen aus dem Berufsalltag, etwa belastende Arbeitssituationen, Konflikte oder unklare Rollen. Gemeinsam mit der Supervisorin oder dem Supervisor werden solche Themen gekl ärt und neue Handlungsmöglichkeiten erarbeitet.
Woher kommt der Begriff?
Das Wort geht auf die lateinischen Wurzeln „super“ (darüber, von oben) und „visio“ (Sehen, Anblick) zurück. In lateinischen Wörterbüchern ist es als eigenes Wort aber nicht zu finden, verwendet wurde es zuerst im englischen Sprachraum.
Die Supervision im heutigen Sinn entstand mit der Sozialarbeit in England und den USA. In den dort ab etwa 1870 entstehenden Wohlfahrtseinrichtungen unterstützten hauptamtliche Kräfte freiwillige Helfer:innen, berieten sie und beaufsichtigten ihre Gespräche mit Klient:innen. Ab 1930 flossen psychoanalytische Sichtweisen ein, als deutschsprachige Psychoanalytiker:innen in die USA auswanderten.
Wie läuft Supervision ab?
Supervision findet im Einzelgespräch, in der Gruppe oder im Team statt. In der Teamsupervision geht es auch um die Organisation und ihre Wirkung auf die Zusammenarbeit.
Findet Supervision im Auftrag einer Organisation statt, gibt es laut ÖVS meist Vorgespräche mit der Auftraggeber:in. In einem Vertrag werden dann Ziel, Setting, Dauer und Kosten festgehalten. Die Treffen dauern laut ÖVS meist ein bis zwei Stunden und finden wöchentlich, monatlich oder in anderen Abständen statt.
Was besprochen wird, bleibt vertraulich. In der psychotherapeutischen Supervision werden Fälle anonymisiert besprochen, also ohne Namen oder Geburtsdatum der Patient:innen.
Supervision, Intervision oder Coaching?
Supervision, Intervision und Coaching sind verwandte Formate, die sich in Rollen und Schwerpunkt unterscheiden. In der Intervision steht der kollegiale Austausch unter Menschen mit ähnlichem Tätigkeitsbereich im Vordergrund. Coaching ist laut ÖVS wie Supervision eine reflektierende Beratung für die Arbeitswelt. Es richtet sich aber stärker auf Karriere, Führung und berufliche Leistung und kommt meist mit weniger Sitzungen aus.
Auch von Selbsterfahrung und Psychotherapie grenzt sich Supervision ab. Dort stehen das eigene Erleben oder die Behandlung eines Leidenszustands im Mittelpunkt, in der Supervision die Verbesserung beruflicher Handlungsmöglichkeiten.
Wann ist Supervision vorgeschrieben?
In der Psychotherapieausbildung ist Supervision zwingend vorgesehen. Nach dem Psychotherapiegesetz 2024 arbeiten angehende Psychotherapeut:innen in der Fachausbildung unter begleitender Lehrsupervision. Nach der Eintragung in die Berufsliste zählt Supervision oder Intervision zur Fortbildungspflicht, in den ersten fünf Jahren ist begleitende Supervision ausdrücklich verlangt. Für die Ausbildung in Klinischer Psychologie schreibt das Psychologengesetz 2013 eine begleitende Fallsupervision von zumindest 120 Einheiten vor, davon mindestens 40 als Einzelsupervision.
Wer bietet Supervision in Österreich an?
Psychotherapeutische Arbeit supervidieren Psychotherapeut:innen, in der Ausbildung Lehrtherapeut:innen. Für die berufsbegleitende Supervision beschreibt eine Richtlinie des Ministeriums Psychotherapeut:innen mit mindestens fünf Jahren Praxis. Die Fallsupervision in der klinisch-psychologischen Ausbildung dürfen nur Klinische Psycholog:innen mit mindestens fünf Jahren einschlägiger Berufserfahrung leisten.
Außerhalb dieser Gesundheitsberufe kann Supervision laut Wirtschaftskammer in zwei Gewerben angeboten werden. Geht es um psychosoziale Belastungen, Rollenkonflikte oder persönliche Entwicklung im Beruf, ist es Lebens- und Sozialberatung. Stehen Führung und betriebliche Abläufe im Vordergrund, ist es Unternehmensberatung. Der 1994 gegründete Berufsverband ÖVS erkennt Ausbildungen an und verlangt von seinen Mitgliedern eine mindestens zweieinhalbjährige Ausbildung und laufende Fortbildung.
Wo liegen die Grenzen?
Supervision ist keine Behandlung. Geht es um einen eigenen Leidenszustand, ist das Aufgabe einer Behandlung, etwa einer Psychotherapie, und nicht der Supervision.
Weil die Ansätze sehr unterschiedlich sind, lassen sich Wirkungen laut Richtlinie nur für den jeweils untersuchten Ansatz nachweisen. Für Supervision in der Psychotherapie beschreiben Studien etwa eine höhere Selbstwirksamkeit und Berufsmotivation.