Die Existenzanalyse ist eine psychotherapeutische Methode, die auf den Wiener Psychiater Viktor E. Frankl zurückgeht. Sie fragt, wie Menschen ein Leben führen können, zu dem sie innerlich Ja sagen, und arbeitet dafür mit dem eigenen Erleben. In Österreich gehört sie zur humanistischen Ausrichtung und ist in zwei eigenständigen Formen als Methode anerkannt.
Was ist Existenzanalyse?
Die Existenzanalyse ist ein Verfahren zur Behandlung seelischer Belastungen und Störungen, das Sinnfragen und persönliche Werte ernst nimmt. Als Ziel gilt ein Leben mit innerer Zustimmung zum eigenen Handeln. Existenz versteht sie als ein Leben, das in Freiheit und Verantwortung gestaltet wird. Neben der Vergangenheit spielen dabei vor allem Gegenwart und Zukunft eine Rolle.
Das Wort „Existenz“ geht auf das lateinische exsistere zurück, das „heraustreten, vorhanden sein“ bedeutet. Die Vorgehensweise ist am Erleben orientiert und nicht deutend, es geht mehr ums Verstehen als ums Erklären.
Woher kommt die Existenzanalyse?
Begründet hat die Existenzanalyse Viktor E. Frankl (1905–1997) in den 1930er-Jahren in Wien. Sie gilt als „Dritte Wiener Schule“ der Psychotherapie, nach den Schulen von Sigmund Freud und Alfred Adler. Frankl wurde 1942 mit seiner Frau und seinen Eltern deportiert und überlebte mehrere Konzentrationslager. Seine Frau, sein Bruder und seine Eltern wurden Opfer des Holocaust.
1946 erschien sein Buch „Ärztliche Seelsorge“, in dem er die Logotherapie als sinnorientierte Beratung und Behandlung vorstellte. Seit Beginn der 1980er-Jahre erweiterte der Arzt und Psychotherapeut Alfried Längle in Wien den Ansatz deutlich. Die 1985 behördlich anerkannte Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse stand zunächst unter Frankls Ehrenvorsitz, 1991 legte er ihn nieder.
Welche zwei Formen gibt es in Österreich?
In Österreich sind „Existenzanalyse“ und „Existenzanalyse und Logotherapie“ zwei getrennt anerkannte Methoden. Die Existenzanalyse in der Form nach Längle arbeitet mit vier Grundmotivationen. Das Sozialministerium fasst sie in einfache Fragen: „Kann ich sein, da, wo ich bin? – Mag ich leben? – Darf ich so sein, wie ich bin? – Wofür soll ich leben?“
Die Existenzanalyse und Logotherapie führt das Sozialministerium allein auf Frankl zurück. Sie sieht den Menschen als sinnsuchendes Wesen. Dieses Menschenbild kommt in der Logotherapie zur Anwendung, einer sinnzentrierten Psychotherapie.
Zu ihren Techniken zählen die paradoxe Intention und die Dereflexion. Das Wort Logos bedeutet in der antiken Philosophie unter anderem Rede, Vernunft und umfassender Sinn. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Logotherapie“.
Wie läuft eine existenzanalytische Psychotherapie ab?
Bei der Methode „Existenzanalyse“ steht das Gespräch im Mittelpunkt, meist in Einzelsitzungen im Sitzen und meist einmal pro Woche. Für die Bearbeitung von Sinnproblemen nennt das Sozialministerium im Allgemeinen 10 bis 15 Stunden, für eine existenzanalytische Psychotherapie mindestens 20 bis 30 Gespräche. Die Existenzanalyse und Logotherapie ist als Kurz- oder Langzeittherapie möglich, ein- bis zweimal pro Woche, auch mit Paaren, Gruppen und Familien.
Existenzanalyse oder Daseinsanalyse?
Trotz des ähnlichen Namens ist die Daseinsanalyse eine eigene Methode. Sie geht auf die Psychiater Ludwig Binswanger und Medard Boss zurück und zählt in Österreich zur psychoanalytisch-psychodynamischen Ausrichtung. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Daseinsanalyse“.
Wer bietet Existenzanalyse in Österreich an?
Existenzanalyse bieten Psychotherapeut:innen an, die in der jeweiligen Methode ausgebildet und in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. In der öffentlichen Suche lassen sich beide Formen getrennt auswählen. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung.
Wo liegen die Grenzen?
Vergleichende Studien speziell zur Existenzanalyse sind in der medizinischen Fachdatenbank PubMed kaum zu finden. Eine Übersichtsarbeit fand 2015 insgesamt nur wenige und oft methodisch schwache Studien zu existenziellen Therapien. Sinnzentrierte Ansätze zeigten darin vor allem bei körperlich kranken Menschen günstige Effekte.
Das deutsche Institut IQWiG zählt die Logotherapie zu den Verfahren, deren Wirksamkeit in Deutschland nicht wissenschaftlich anerkannt ist. In Österreich sind beide Formen der Existenzanalyse dagegen als Psychotherapiemethoden staatlich anerkannt. Ob eine Methode im Einzelfall hilft, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, ist zusätzlich eine medizinische Abklärung nötig.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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