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Systemischer Ansatz

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Auf den Punkt gebracht

Der systemische Ansatz betrachtet Menschen nicht isoliert, sondern in ihren Beziehungen, etwa in Familie, Partnerschaft oder Team. Probleme werden in diesen Beziehungszusammenhängen gesehen, die Arbeit richtet sich auf Ressourcen und Lösungen. Entstanden ist der Ansatz aus der Familientherapie, heute wird er in Psychotherapie, Beratung, Supervision und Coaching genutzt.

Was ist der systemische Ansatz?

Der systemische Ansatz lenkt den Blick von der einzelnen Person auf das Beziehungsgeflecht, in dem sie lebt. Ein Problem gilt hier nicht als Störung, die jemand „hat“, sondern als Eigenschaft eines sozialen Zusammenhangs. Statt zu fragen, wer das Problem hat und warum, fragen systemisch Arbeitende eher, wer dazugehört, wenn etwas zum Problem wird, und wer es wie beschreibt.

Das Wort „System“ stammt vom griechischen sýstēma ab, einem aus Einzelteilen zusammengefügten, gegliederten Ganzen. Das systemische Denken selbst speist sich aus mehreren Fächern, darunter Biologie, Soziologie, Psychologie, Systemtheorie sowie Kommunikations- und Erkenntnistheorien. Menschen gelten dabei als Expert:innen ihrer selbst, denen Fachleute mit Respekt, Unvoreingenommenheit und Wertschätzung begegnen.

Woher kommt der systemische Ansatz?

Seine Wurzeln liegen in der Familientherapie der 1950er-Jahre. Bis dahin herrschte die Einzeltherapie vor, dann begannen Fachleute an vielen Orten, die Bezugspersonen ihrer Patient:innen in die Behandlung einzubeziehen. Verhaltensweisen, die vorher unverständlich wirkten, erschienen im Familienzusammenhang plötzlich sinnvoll.

In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde die Arbeit mit Familien zunehmend selbstverständlich. Systemisches Denken verbreitete sich in Erziehungsberatung, Jugendhilfe, Supervision und Teamberatung. Die Systemische Familientherapie hat sich unter anderem aus der Familien- und Paartherapie weiterentwickelt und versteht sich als eigenständiges Psychotherapieverfahren.

Wie wird systemisch gearbeitet?

Systemische Arbeit beruht vor allem auf dem Gespräch und nutzt dafür besondere Fragen und Methoden. Beim zirkulären Fragen wird eine Person in Anwesenheit der anderen gefragt, wie die anderen ihre Beziehung zueinander sehen. Mit Skalierungsfragen schätzen Klient:innen etwa ein, wie stark sie ein Problem erleben oder wie zuversichtlich sie sind.

Genogramme machen familiäre Konstellationen über Generationen sichtbar, in Skulpturen werden Beziehungen räumlich aufgestellt. Beim Reframing bekommt eine Situation einen neuen Rahmen, denn manchmal ändert sich mehr, wenn sich die Sichtweise ändert. Gearbeitet wird mit Einzelnen ebenso wie mit Paaren, Familien und Gruppen. Die Systemische Familientherapie gilt tendenziell als Kurzzeittherapie.

Wo wird der systemische Ansatz in Österreich angewendet?

In der Psychotherapie ist „Systemische Therapie“ eine von vier gesetzlich festgelegten Ausrichtungen. Zu ihr zählen die Systemische Familientherapie und die Neuro-Linguistische Psychotherapie. Psychotherapeut:innen dürfen die Ausrichtung als Zusatz zur Berufsbezeichnung führen, etwa „Psychotherapeutin (Systemische Therapie)“. Einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung gibt es in der Regel nur bei einer krankheitswertigen psychischen Störung und mit ärztlicher Bestätigung.

Außerhalb der Psychotherapie wird systemisch auch in Supervision, Coaching, Organisationsberatung und Weiterbildung gearbeitet. Lebens- und Sozialberater:innen beraten etwa bei Persönlichkeits-, Familien- oder Berufsproblemen, Psychotherapie ist von ihrem Gewerbe aber ausgenommen.

Wie gut ist die Wirkung untersucht?

Die Studienlage ist je nach Beschwerdebild unterschiedlich. Das deutsche Institut IQWiG fand 2017 bei Erwachsenen mit Angst- und Zwangsstörungen sowie mit Schizophrenie einen Hinweis auf Nutzen gegenüber keiner Behandlung. Im Vergleich mit anderer Psychotherapie gab es bei Angst- und Zwangsstörungen dagegen einen Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen, und Daten zu unerwünschten Wirkungen fehlten. Viele Studien waren klein, ihre Durchführung oft unzureichend beschrieben.

Bei Kindern und Jugendlichen sah das IQWiG 2023 Vorteile unter anderem bei Ess-, Angst- und Zwangsstörungen. Bei affektiven Störungen zeigten Studien dagegen Nachteile gegenüber etablierten Psychotherapieverfahren.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (8)