Paartherapie ist Psychotherapie, zu der beide Partner:innen gemeinsam kommen. Sie kann helfen, wenn Probleme in der Beziehung seelisch stark belasten oder mit einer psychischen Erkrankung wie einer Depression zusammenhängen. In Österreich bieten sie eingetragene Psychotherapeut:innen an, die Krankenkasse beteiligt sich in der Regel nur bei einer krankheitswertigen psychischen Störung.
Was ist Paartherapie?
Paartherapie ist eine Form der Psychotherapie, bei der nicht eine Einzelperson, sondern ein Paar behandelt wird. Psychotherapie kann laut Gesundheitsportal als Einzel-, Gruppen-, Paar- oder Familientherapie stattfinden.
Als Anlässe für Psychotherapie nennt das Gesundheitsportal unter anderem belastende Lebenssituationen und Krisen in der Partnerschaft, aber auch psychische Erkrankungen wie Depressionen. Bei starker Eifersucht etwa zählt es Paarberatung und Paartherapie zu den möglichen Anlaufstellen.
Woher kommt die Paartherapie?
Die Paartherapie hat zwei Wurzeln, die Eheberatung und die psychoanalytische Arbeit mit Paaren. Eine historische Übersicht von Gurman und Fraenkel in der Fachzeitschrift „Family Process“ (2002) beschreibt dafür vier Phasen. Zuerst entstand ab etwa 1930 eine Eheberatung ohne eigene Theorie, parallel dazu erprobten psychoanalytisch arbeitende Fachleute die Behandlung von Paaren.
Zwischen 1963 und 1985 ging die Paartherapie weitgehend in der Familientherapie auf. Seit Mitte der 1980er-Jahre wurde sie laut den Autoren verfeinert, erweitert, vielfältiger und stärker zusammengeführt. Die Forschung kam erst später in Gang, für die Zeit bis 1974 sprechen die Autoren von einer „Technik auf der Suche nach Daten“.
Wie arbeitet eine Paartherapie?
Eine einheitliche Vorgehensweise gibt es nicht, denn Paartherapie wird in verschiedenen psychotherapeutischen Methoden angeboten. Je nach Ansatz arbeiten Psychotherapeut:innen mit Gesprächen, praktischen Übungen oder kreativen und körperbezogenen Techniken. In Österreich sind die anerkannten Methoden vier Ausrichtungen zugeordnet: Humanistische, Psychoanalytisch-psychodynamische und Systemische Therapie sowie Verhaltenstherapie.
Ein Beispiel ist die verhaltenstherapeutische Paartherapie. Die britische Leitlinie NICE sieht sie bei Depressionen mit Beziehungsproblemen vor, mit 15 bis 20 Sitzungen über fünf bis sechs Monate. Eigene Ansätze beschreiben die Glossarbegriffe „Systemische Familientherapie“ und „Imago-Paartherapie“.
Was unterscheidet Paartherapie von Paarberatung?
Ein klarer Unterschied liegt im rechtlichen Rahmen. Paartherapie ist Psychotherapie und darf nur nach Eintragung in die Berufsliste Psychotherapie ausgeübt werden. Beratung bei Ehe- und Familienproblemen gehört dagegen laut Gewerbeordnung zur Lebens- und Sozialberatung, wobei die Psychotherapie ausdrücklich ausgenommen ist. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Paarberatung“.
Wer bietet Paartherapie in Österreich an und wer zahlt?
Paartherapie bieten Psychotherapeut:innen an, etwa in eigenen Praxen, Beratungsstellen, Ambulatorien oder Krankenhäusern. Ein ärztlicher Überweisungsschein ist dafür grundsätzlich nicht nötig.
Für eine Kostenübernahme oder einen Zuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung. Fehlt beides, ist die Therapie eine Privatleistung. Reine Beratung oder Persönlichkeitsentwicklung bezahlt die Sozialversicherung nicht.
Wie gut wirkt Paartherapie?
Für Depressionen gibt es eine Cochrane-Übersicht, doch auch dort ist die Studienlage schwach. Eine Cochrane-Übersicht von 2018 wertete 14 Studien mit 651 Teilnehmenden aus. Paartherapie war demnach bei depressiven Beschwerden etwa gleich wirksam wie eine Einzelpsychotherapie. Bei Paaren mit Beziehungsproblemen verbesserte sie die Beziehung offenbar stärker.
Die Qualität der Belege war allerdings niedrig bis sehr niedrig, feste Schlüsse lassen sich daraus nicht ziehen. Im Durchschnitt hatten die Teilnehmenden eine mittelschwere Depression, fast alle waren zwischen 36 und 47 Jahre alt. Die NICE-Leitlinie rät dazu, Paartherapie bei Depressionen zu erwägen, wenn Beziehungsprobleme zur Depression beitragen könnten oder die Einbeziehung des Partners der Behandlung hilft.
Wo liegen die Grenzen?
Über unerwünschte Wirkungen berichtete keine der Studien in der Cochrane-Übersicht, viele waren klein und methodisch angreifbar. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, ist eine medizinische Abklärung nötig. Kommt in einer Beziehung körperliche oder psychische Gewalt vor, gibt es eigene Anlaufstellen. Die Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555) und die Männerberatung (0800 400 777) sind rund um die Uhr erreichbar, bei akuter Gefahr hilft die Polizei unter 133.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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